Von „The Last of Us“ über „Succession“ bis „The Bear“ – die Redaktion kürt ihre Lieblingsserien des Jahres 2023.

Es war das Jahr des schmerzhaften Abschieds. Und damit ist nicht gemeint, dass so großartige Serien wie „Succession“, „Sex Education“, „Barry“, „Yellowstone“, „The Great“, „Reservation Dogs“, „Curb Your Enthusiams“, „What We Do in the Shadows“ oder „Billions“zu Ende gingen, sondern dass mit Matthew Perry einer der komischsten TV-Darsteller aller Zeiten gestorben ist – und von nun an „Friends“ zu bingen nie mehr ein so unbeschwertes Vergnügen sein wird.

 

7 x 3 Serien-Tipps

Trotzdem haben sich die Serienjunkies unserer Redaktion zusammengerissen und ihre Lieblingsserien des Jahres gekürt. Hier verraten Ina Schäfer, Bernd Haasis, Rebecca Hanke, Kathrin Horster, Lotta Wellnitz und Gunther Reinhardt, welche Serien sie 2023 am meisten beeindruckt haben.

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Ina Schäfer

Platz 3: Noch nie in meinem Leben, Staffel 4 (Netflix)

Es ist das letzte Jahr an der Sherman Oaks High in Los Angeles. Die indischstämmige Devi Vishwakumar (Maitreyi Ramakrishnan) hat jahrelang hart geschuftet, um an ein Ivy-League-College zu kommen – und ungefähr genauso hart, um ein typisch amerikanisches Teenagerleben zu führen. Gemeinsam mit ihren nerdigen Freundinnen Eleanor (Ramona Young) und Fabiola (Lee Rodriquez) hat sie Liebeswirren durchlebt, Intrigen gesponnen und ist ganz nebenbei erwachsen geworden. Auf dem Papier zumindest. Die unterhaltsame Coming-of-Age-Serie von Mindy Kaling ist trotz der üblichen Teenager-Problemchen nie belanglos, sondern ziemlich clever und wirklich witzig. ►Noch nie in meinem Leben

Platz 2: Beef (Netflix)

Es ist eine Nichtigkeit, die in „Beef“ zur kompletten Eskalation führt. Danny Cho (Steven Yeun) und Amy Lau (Ali Wong) treffen zufällig auf einem Baumarktparkplatz aufeinander. Die beiden kommen sich mit ihren Autos in die Quere und liefern sich daraufhin eine dem Anlass in keiner Weise angemessene Verfolgungsjagd. Der ganze Lebensfrust, der in der schillernden Kunstwelt Los Angeles lebenden Lau und dem immer wieder scheiterndem Handwerker Cho entlädt sich in genau jenem Moment ihres Aufeinandertreffens. In den folgenden halbstündigen Episoden entspinnt sich ein irrer Kleinkrieg, der viel erzählt über gesellschaftliche Erwartungen, Prägung und aufgestaute Wut. Lustig und gleichzeitig sehr düster. ►Beef

Platz 1: Succession, Staffel 4 (Sky)

Nach fünf Jahren ist das epische Familiendrama um den Medientycoon Logan Roy (Brian Cox) und seine vier Kinder zu Ende gegangen. Die Serie hat auch in ihrer vierten und finalen Staffel nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Roy ist noch immer auf der Suche nach einem adäquaten Nachfolger für sein Medienimperium. Seine Kinder, jedes auf seine Art kaputt durch zu viel Geld und zu wenig Anerkennung und Zuneigung des Vaters, haben ihre Rivalitäten abgelegt, sich verbündet und gegen den Patriarchen gestellt. Zunächst jedenfalls. Auch wenn die Serie gänzlich ohne Sympathieträger auskommt, wird man die Figuren doch vermissen, und das liegt vor allem an den bissigen Dialogen, der herrlichen Fuck-You-Attitüde (vor allem von Roman Roy, gespielt von Kieran Culkin) und der Zurschaustellung eines ausufernden barocken Luxus. ►Succession


Bernd Haasis

Platz 3: The Night Agent (Netflix)

Innerstaatliche Verschwörungen sind perfekter Thriller-Stoff, und der FBI-Nachtdienstler Peter Sutherland (Gabriel Basso) gerät in einen Sumpf, der bis ins weiße Haus schwappt. Er rennt, schießt, schlägt und rast, um eine Software-Entwicklerin zu retten, die US-Präsidentin, die ganze Welt. Könnte ein Milchbubi wie Bassos Figur das wirklich? Robert Redfords Büro-Agent im New Hollywood-Klassiker „Die drei Tage des Condor“ gelang es auch – weil doch jemand dafür sorgen muss, dass aus amerikanischen Albträumen wieder ein Traum wird. ►The Night Agent

Platz 2: Daisy Jones and the Six (Amazon Prime)

Wer mal in einer Band gespielt hat, erkennt hier alle toxischen Mechanismen des Musikgeschäfts wieder – wer nicht, versteht, wie existenziell problematisch Sex, Drogen, Eitelkeiten und gierige Manager sein können. Hier wird einer naiven Jungsband die stimmstarke Singer-Songwriter-femme-fatale Daisy Jones aufgedrängt. Der 70er-Westcoast-Sound ist nah genug an Fleetwood Mac, Riley Keough (Elvis Presleys Enkelin) und Sam Claflin duettieren wunderbar und große Bühnenmomente wirken ebenso wahrhaftig wie kleinliches Gezanke Backstage. ►Daisy Jones and the Six

Platz 1: The Bear, 2. Staffel (Disney+)

Besser wird’s nicht, dachten viele, als in Staffel eins der Sternekoch Carmy nach dem Suizid seines Bruders dessen klebriges Sandwich-Lokal in Chicago zu retten versuchte. Denkste: Nun möchte Carmy ein gehobenes Speiselokal daraus machen, die Belegschaft hat Ehrgeiz entwickelt, selbst der großmäulige Cousin Richie; doch Carmy verliebt und verzettelt sich. Eine grandiose Handkamera-Rückblende im New-Hollywood-Stil zeigt an Thanksgiving den familiären Abgrund, im Zentrum die Drama-Queen Donna, verkörpert von einer Jamie Lee Curtis in der Form ihres Lebens. ►The Bear


Rebecca Hanke

Platz 3: Ted Lasso, Staffel 3 (Apple TV+)

Die Geschichte des amerikanischen College-Football-Trainers, der nach England kommt, um eine Profi-Fußballmannschaft zu trainieren, ist ein seriengewordener heißer Kakao mit Sahne. Staffel drei liefert noch die Plätzchen dazu – denn die Serie rund um den Zusammenstoß von Persönlichkeiten und (Sport-)Kulturen geht in gewohnter Weise weiter. Für alle, die noch nicht eingestiegen sind, ist jetzt die perfekte Zeit, die Staffeln in einem Rutsch zu schauen. Kaum eine Serie ist so herzerwärmend und zeitgleich so witzig. Das Thema Fußball hilft ganz nebenbei, dass das Ganze nicht zu kitschig wird. ►Ted Lasso

Platz 2: The Morning Show, Staffel 3 (Apple TV+)

Auch „The Morning Show“ ist 2023 in die dritte Staffel gegangen – und auch die ist absolut gelungen. Keine Spur von Langatmigkeit und keine lieblos endenden Erzählstränge. Im Gegenteil: Die Geschichte um Jennifer Aniston und Reese Witherspoon als Journalistinnen und Moderatorinnen bei einem großen amerikanischen Fernsehsender nimmt nochmal an Fahrt auf. Anspielungen auf die aktuelle Medienwelt und real agierende Personen sorgen für den richtigen Twist. Und der Cliffhanger am Ende lässt uns ungeduldig auf Staffel vier warten. ►The Morning Show

Platz 1: Only Murders in the Building, Staffel 3 (Disney+)

Bei dritten Staffeln wird’s häufig kritisch – es zeigt sich, ob sich der Plot totgelaufen hat oder seltsam ausfranst und beliebig wird. „Only Murders in the Building“ tappt nicht in diese Falle. Zum Ermittler-Trio um Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez gesellt sich die großartige Meryl Streep. Aufgeklärt werden muss dieses Mal der Fall eines Schauspielers, der durch den Sturz in den Fahrstuhlschacht ums Leben kommt. Ansonsten liefert die Staffel alles, was wir schon bei den ersten beiden Staffeln geliebt haben: Witz, die Liebe zum Detail und überraschende Gastauftritte. ►Only Murders in the Building


Kathrin Horster

Platz 3: Beef (Netflix)

Ein Krach um die Vorfahrt eskaliert und zwei Stinkefinger später stecken Amy (Ali Wong) und Danny (Steven Yeun) im schlimmsten Krieg. Mit Witz, Tempo und Empathie schildert Showrunner Lee Sung Jin in zehn Folgen den von Frust zerfressenen Alltag zweier auf den ersten Blick grundverschiedener Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort aneinandergeraten. Eine Serie über soziale Schranken, Erfolgsdruck und das Bedürfnis nach Akzeptanz, angesiedelt im gar nicht glamourös anmutenden Los Angeles. ►Beef

Platz 2: Black Mirror, 6. Staffel (Netflix)

Science Fiction mit technologiekritischem Ansatz: Das war die bisherige Prämisse der Emmy-prämierten Anthologieserie von Charlie Brooker. Dass in der sechsten Staffel auch Horrorsujets (Dämonen! Serienkiller!) abseits der Science Fiction verhandelt werden, haben manche Fans der ersten Stunde skeptisch gesehen. Dabei sind die einzelnen Episoden ungeheuer spannend, abwechslungsreich und stark besetzt – etwa mit Salma Hayek oder Aaron Paul. Die Kritik an der Gegenwart kommt auch nicht zu kurz. Nichts für Ängstliche! ►Black Mirror

Platz 1: Painkiller (Netflix)

Bis vor kurzem war der Familienname „Sackler“ noch mit renommierten Kunststiftungen der USA verknüpft. Dabei hat deren Pharmaunternehmen Purdue bis zu 100 000 Amerikaner jährlich auf dem Gewissen – Purdue vermarktete höchst lukrativ das extrem Sucht erzeugende Schmerzmittel Oxycontin und löste damit die Opioid-Krise in den USA aus. Mit grimmigem, teils satirischem Witz, aber auch mit wütendem Ernst beleuchtet „Painkiller“ die Krise multiperspektivisch und gibt den Opfern eine Stimme. So furios wie niederschmetternd. ►Painkiller


Lotta Wellnitz

Platz 3: Beckham (Netflix)

Wie wurde David Beckham zu Englands Fußballikone? Das zeigt die Mini-Dokuserie von Regisseur und Oscar-Gewinner Fisher Stevens („Die Bucht“) in vier Teilen – Auftritte von „Becks“ Weggefährten wie Trainer Legende Sir Alex Ferguson oder Kumpel und Mitspieler bei Manchester United Gary Neville inklusive. Einzig um die Höhen und Tiefen von Beckhams Karriere geht es aber nicht. Auch seine wilden Frisuren, die Lovestory mit Ex-Spice Girl Victoria und das Leben des Traumpaars sind Thema. Wer den Fußball liebt, sollte reinschauen, wer Nostalgiker ist und Lust auf eine Reise in die Fußballwelt der frühen 2000er Jahre hat, ebenfalls. Beckham

Platz 2: Noch nie in meinem Leben, Staffel 4 (Netflix)

Die Coming-of-Age-Serie über die amerikanisch-indische Teenagerin Devi (Maitreyi Ramakrishnan) endet, ihre Schullaufbahn ist vorbei. Wie ging das Liebesdreieck zwischen ihr, Paxton (Darren Barnet) und Ben (Jaren Lewison) aus? Oder ist da doch etwas mit Ethan (Michael Cimino), dem neuen heißen Typ an der Schule? Wird Devi in Princeton angenommen? Heiratet ihre Cousine Kamala (Richa Moorjani)? Und wie steht es um das Liebesleben von Devis Mum (Poorna Jagannathan)? Fragen über Fragen, auf die es in Staffel 4 rundum zufriedenstellende Antworten gibt. ►Noch nie in meinem Leben

Platz 1: Sense of Tumour (ZDF Mediathek)

Die belgische Medical-Drama-Serie handelt vom Womanizer und angehenden Neurochirurgen Tristan Devriendt (Maarten Nulens). Der Medizinstudent ist jung, smart, erfolgreich. Dann ändert sich alles: Er hat Krebs. Die Chemotherapie ist hart, zehrt an seinem Selbstbewusstsein. Halt findet er bei Familie, Freunden und Hanne (Marthe Schneider), die er im Krankenhaus kennen und lieben lernt. „Sense of Tumour“ erinnert daran, was im Leben wirklich zählt – und das mit einem perfekten Mix aus Ernsthaftigkeit und Witz. ►Sense of Tumour


Gunther Reinhardt

Platz 3: Funny Woman (Sky/Wow)

Die entzückendste Feel-good-Serie der Saison entführt ins London der Swinging Sixties. Kaum wurde Barbara (Gemma Arterton) in einem Provinzbadeort zur Schönheitskönigin gekürt, erkennt sie, dass sie sich zu schade dafür ist, sich in Badeanzügen von geifernden Männern begaffen zu lassen, und macht allen Widerständen trotzend eine Karriere als TV-Komikerin. Falls Ihnen die Story bekannt vorkommt: Die Romanvorlage stammt von Nick Hornby („High Fidelity“) und erschien in Deutschland unter dem Titel „Miss Blackpool“. ►Funny Woman

Platz 2: Shrinking (Apple TV+)

Jason Segel („How I Met Your Mother“) spielt in dieser Dramedyserie den exzentrischen Psychiater Jimmy Laird. Der müsste nach dem Tod seiner Frau dringend selbst mal in Therapie. Darunter leidet seine Tochter, die ihren Vater gerade jetzt brauchen würde, davon profitieren aber seine Patienten, weil Jimmy nun gerne ganz unkonventionelle Ratschläge gibt. Der Zehnteiler „Shrinking“, den sich Segel zusammen mit Brett Goldstein und Bill Lawrence („Ted Lasso“) ausgedacht hat, beweist ein wunderbares Gespür für die tragikomischen Momente des Lebens. Und Harrison Ford ist als Jimmy Lairds Chef Paul Rhodes sensationell knurrig. ►Shrinking

Platz 1: The Last of Us (Sky/Wow)

Depeche Modes „Never Let Me Down Again“ dröhnt durch die postapokalyptische Welt, in der von den US-Metropolen nur noch zugewucherte Ruinen übrig sind. Und wie jedes Mal, wenn der Underground-Radiokanal einen Song aus den 1980ern spielt, heißt das Alarm. Doch die Warnung kommt zu spät. Als der Song läuft, sind Joel (Pedro Pascal) und Ellie (Bella Ramsey) längst unterwegs zum geheimen Stützpunkt der Rebellen. Die lange erwartete Verfilmung des Playstation-Schockers „The Last Of Us“ macht alles richtig: weil die Serie grandios besetzt ist (Pascal und Ramsey waren ja schon in „Game of Thrones“ fantastisch), weil sie von der ersten Minute an eine düster-verstörende Atmosphäre erzeugt, weil Storytelling und Charakterentwicklung wichtiger sind als die Horrorszenen, in denen Ellie und Joel auf die zombieartigen Monster treffen, die einmal Menschen waren, bevor ihnen eine Pilzinfektion das Hirn aufgefressen hat. ►The Last of Us

Weitere TV-Serien-Bestenlisten

Wer noch weitere Empfehlungen sucht und wissen will, welche Serien andere Redaktionen zu den besten des Jahres gekürt haben, dem empfehlen wir die Listen des „Rolling Stone“, des „Guardian“, der „New York Times“ und von „TimeOut“. Viel Spaß beim Binge-Watching!