Studenten in Ludwigsburg Für Studenten wird es enger

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Nach der Einführung des achtjährigen Gymnasiums werden in Baden-Württemberg dieses Jahr zwei Abitur-Jahrgänge auf die weitere berufliche Laufbahn geschickt.

Hörsäle in Ludwigsburg meist gut besetzt – und manchmal sogar überfüllt. Foto: dpa
Hörsäle in Ludwigsburg meist gut besetzt – und manchmal sogar überfüllt. Foto: dpa

Ludwigsburg - Dass angehende Studenten vor einer schweren Zeit stehen, belegen die Zahlen. 1772 Abiturienten haben im vergangenen Jahr die allgemeinbildenden Gymnasien im Kreis Ludwigsburg verlassen und strömten danach auf den Arbeitsmarkt, in die Ausbildungsbetriebe oder an Hochschulen. Eine große Zahl, aber klein im Vergleich zu dem, was bald kommt. Mit 2895 Abiturienten rechnet das Regierungspräsidium diesmal. Der Grund für den explosionsartigen Anstieg: nach der Einführung des achtjährigen Gymnasiums werden in Baden-Württemberg dieses Jahr zwei Abitur-Jahrgänge auf die weitere berufliche Laufbahn geschickt.

„Es wird enger, das ist klar“

Schon lange warnen Elternverbände im ganzen Land, dass deshalb die Studienplätze knapp werden – wohl nicht zu unrecht. „Auf keinen Fall sollte sich jemand abgeschreckt fühlen, ein Studium zu beginnen“, sagt Anne Nörthemann, die Pressesprecherin der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg. „Aber es wird enger, das ist klar.“ Es ist jetzt schon eng. Zwar hat Baden-Württemberg tausende zusätzliche Studienplätze geschaffen, aber nicht nur die PH ist an ihrer Kapazitätsgrenze. Zuletzt war die Zahl der Studenten dort von einst 4500 auf fast 5400 angestiegen – Rekord. „Wir können nicht unbegrenzt Lehrer ausbilden, die später keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten“, sagt Nörthemann. Und nicht nur die Lehramts-, sondern auch die Bachelor- und Masterstudiengänge seien stark aufgestockt worden.

Studenten sitzen auf dem Gang

Wie an anderen Hochschulen sind manche Vorlesungen in Ludwigsburg derart überfüllt, dass Studenten auf dem Gang sitzen müssen. Man versuche alles, um das zu vermeiden, sagt Nörthemann. „In der Regel klappt das auch.“ Aber die Hochschule sei eben sehr voll. Folgerichtig werde die PH zum Wintersemester „voraussichtlich nicht noch mehr Plätze schaffen können“.

Das wiederum bedeutet für angehende Studenten, dass sie höhere Hürden überwinden müssen. Früher verzeichnete die PH drei bis fünf Bewerber pro Studienplatz, inzwischen sind es sieben, und vor dem nächsten Wintersemester wird die Schere noch weiter auseinander gehen. Wer in Ludwigsburg Lehramt studieren will, braucht nicht nur gute Schulnoten, sondern sollte zudem Sozialpunkte gesammelt haben: im Bundesfreiwilligendienst oder anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Master- und Bachelorstudenten müssen sich unter anderem in einem Auswahlgespräch gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Mögliche Alternative: Zeit überbrücken

Eine Alternative ist die praxisorientierte Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), deren Studenten direkt von den beteiligten Unternehmen ausgewählt und dann auch bezahlt werden. Trumpf in Ditzingen hat etwa angekündigt, im Rahmen des DHBW-Programms statt bisher 20 künftig 33 Studienplätze anzubieten – auch wegen der G-8-Problematik. „Wir sehen, dass wir in dieser Situation etwas tun müssen“, sagt ein Trumpf-Sprecher. Die Firma Mann und Hummel in Ludwigsburg wird ihr DHBW-Programm ebenfalls ausbauen. Für die Bereiche Informatik und Maschinenbau gebe es noch einige freie Plätze, doch die meisten seien vergeben, sagt die Sprecherin Andrea Schlepper.

Eine andere Alternative für Schulabgänger: die Zeit überbrücken. Denn 2013 wird es keinen doppelten Abiturjahrgang mehr geben, weshalb Experten davon ausgehen, dass sich dann auch die Situation an den Hochschulen wieder entspannt.