Stuttgart-Hohenheim Das Liebesnest ist inzwischen Universität

Von Felizitas Eglof 

Wo heute Studenten unterwegs sind, hat sich der Herzog einst vergnügt. Das frühere Wasserschloss ist über die Jahrhunderte gewachsen. Einer, der das alles weiß, ist Ulrich Fellmeth.

Ulrich Fellmeth (r.) führt die Gruppe durch das obere Foyer. Hinter den Spiegeltüren verbirgt sich der festliche Balkonsaal. Foto: Eglof
Ulrich Fellmeth (r.) führt die Gruppe durch das obere Foyer. Hinter den Spiegeltüren verbirgt sich der festliche Balkonsaal. Foto: Eglof

Hohenheim - Mehrere Geliebte zu haben, war früher gang und gäbe. Nur war es ganz schön anstrengend, sich mit seinen Geliebten stets an geheimen Orten treffen zu müssen. Ein Liebesnest fand der Herzog Carl Eugen von Württemberg in Hohenheim, einst als Wasserschloss erbaut. „Die erste schriftliche Nachricht von Hohenheim haben wir aus dem Schenkungsbuch des Klosters Hirsau um 1100“, steht auf der Homepage der Universität Hohenheim. Über die Jahrhunderte ist das Wasserschloss gewachsen. Wo sich der Herzog einst vergnügte, sind heute Studenten unterwegs.

Wie sich das Schloss verändert hat, weiß Ulrich Fellmeth ganz genau. Der Leiter des Universitätsarchivs führte vergangene Woche anlässlich des 200-jährigen Uni-Jubiläums Besucher durch die Räume.

Der Stuck wurde rücksichtslos entfernt

„Die Führung steht unter dem Motto Schloss im Wandel“, sagt Fellmeth, „denn man sieht an den Mauern und den einzelnen Räumen, wer wann hier gelebt und gearbeitet hat“. Das fällt besonders im grünen Saal auf, der heute als Bibliothek der Universität genutzt wird. „Als die Landwirtschaftsschule gegründet wurde, haben hier Schüler und Professoren gewohnt“, sagt Fellmeth. Da die meisten Räume fünf Meter hoch und eine Fläche von bis zu 120 Quadratmeter haben, wurden kurzerhand Wände gemauert und eine zweite Decke eingezogen. „Der Stuck an den Wänden wurde rücksichtlos entfernt und die Wände weiß gestrichen“, sagt Fellmeth. Das kann man auch noch heute sehen, denn nur ganz oben an der Decke ist der einstige Stuck zu erkennen.

„Da jede Wohnung eine Heizung brauchte, war das ganze Dach mit Kaminen gespickt“, sagt Fellmeth. Diese sind heute nicht mehr auf dem Dach, denn das Schloss wurde von 1960 bis 1990 teilweise renoviert. „An den Dächern kann man aber erkennen, welche Gebäude aus der alten Bausubstanz bestehen“, sagt Fellmeth, „die alten Gebäude sind mit roten Klinkerplatten, die neuen Gebäude sind mit dunklen Schieferplatten gedeckt“.

Goethe war nicht begeistert von dem Schloss

Prominenten Besuch hatte das Schloss früher schon. Johann Wolfgang von Goethe besuchte während einer seiner Reisen das Schloss Hohenheim. Doch der Dichter war nicht wirklich von dem Gebäude begeistert, wie Ulrich Fellmeth aus einem Tagebuch von Goethe zitiert: „Der Garten und das Schloss sind eine merkwürdige Erscheinung.“ Laut Goethe sei das Gebäude geschmacklos und charakterlos gebaut worden. „Ich kann nachvollziehen, was Goethe gemeint hat“, sagt Ulrich Fellmeth, „das Schloss wurde in verschiedenen Stilen gebaut, das hat dem Dichter wohl damals nicht gefallen“.

Heutzutage sind die Menschen begeisterter als Goethe. Das sieht man daran, wie viele an einem sonnigen Tag durch die Gärten um das Schloss streifen. Ein großer Teil der Geschichte des Schlosses bestehe aus der Konkurrenz zwischen dem historischen Schloss und der Universität, sagt Fellmeth. „Viele Räume werden von der Universität benutzt, und wir können sie deswegen nicht besichtigen. Aber ohne die frühere Lehranstalt und die heutige Uni würde es das Schloss vielleicht gar nicht mehr geben.“

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