Stuttgart-Möhringen Ein Wohnhaus wird zum Kindergarten

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Um eine neue Einrichtung eröffnen zu können, geht eine Unternehmerin ein Wagnis ein. Im September eröffnet der freie Träger Himpelchen und Pimpelchen seine neue Kita in Stuttgart-Möhringen.

Das Unternehmen Himpelchen und Pimpelchen hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Fahnen geschrieben. Darum bietet es mehr als Kindergartenplätze. Foto: dpa
Das Unternehmen Himpelchen und Pimpelchen hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Fahnen geschrieben. Darum bietet es mehr als Kindergartenplätze. Foto: dpa

Möhringen - Es ist nicht das erste Mal, aber es ist jedes Mal wieder eine Herausforderung. Wer ein Wohnhaus zu einer Kindertagesstätte umbauen will, muss viele Hürden nehmen. Das weiß Conny Bains-Terschawetz nur allzugut. Sie ist eine der beiden Geschäftsführerinnen des gemeinnützigen Unternehmens Himpelchen und Pimpelchen. Dieses ist Träger von etwa zehn Kindertagesstätten in Stuttgart und Ditzingen. Im September wird eine weitere Einrichtung eröffnen, nämlich an der Unteraicher Straße 35 in Möhringen.

Es gilt das Zweckentfremdungsgesetz. Dieses besagt, dass Wohnraum geschützt werden muss. „Das ist auch richtig so, da sind wir uns einig“, sagt Bains-Terschawetz. Doch der Bedarf an Betreuungsplätzen in Möhringen, insbesondere im Kleinkindbereich, ist nach wie vor hoch. Das hat das Jugendamt bestätigt. Um die Kita bauen zu können, brauchte es aber auch noch das Einverständnis der Nachbarn. „Da hatten wir zum Glück keine Probleme. Die Menschen haben sich gefreut, dass wir dort einen Kindergarten bauen“, sagt Bains-Terschawetz.

Die Geschäftsführerin handelte zunächst als Privatperson

Dennoch, die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam. „Der Stuttgarter Gemeinderat hat erst sehr spät zugestimmt, dass wir das Wohnhaus zu einem Kindergarten umbauen“, sagt die Geschäftsführerin. Das Votum konnte sie nicht abwarten. Schließlich ist die Nachfrage nach Immobilien hoch. Die Gefahr war zu groß, dass das Haus weg ist, bevor der Gemeinderat sein Okay gibt. Darum handelte Bains-Terschawetz im März 2017 zunächst als Privatperson und kaufte das Haus. Warum sie dieses Wagnis einging? „Ich habe der Stadt Stuttgart vertraut, ich glaube grundsätzlich daran, dass Projekte gelingen, und ich bin ein risikofreudiger Mensch“, sagt die Unternehmerin. Inzwischen ist alles in trockenen Tüchern. Der Gemeinderat hat für das Projekt einen Investitionszuschuss in Höhe von knapp 730 000 Euro zur Verfügung gestellt. Das sind 75 Prozent der Gesamtsumme. Himpelchen und Pimpelchen investiert etwa eine Viertel Million Euro.

Seit Januar sind die Handwerker in dem Haus an der Unteraicher Straße zugange. Ursprünglich befand sich dort auf drei Stockwerken jeweils eine Drei-Zimmer-Wohnung mit etwa 75 Quadratmetern. Für eine Kindertagesstätte ist das so nicht geeignet. „Wir haben das Haus komplett entkernt“, sagt Bains-Terschawetz. Für eine Kita braucht es nur eine Küche und nicht drei. Die Badezimmer müssen zu Waschräumen mit Kindertoiletten umgebaut werden. Im Keller ist ein Bewegungsraum für die Kleinen geplant. Zum Haus gehört ein großer Garten. Dort werden künftig unter anderem ein Klettergerüst zum Toben und Spielhäuschen als Rückzugsort für die Mädchen und Jungen stehen. Zwingend erforderlich ist zudem ein zweiter Fluchtweg. Darum gibt es eine neue Außentreppe.

Die Verträge mit den Erziehern sind unterschrieben

Die Kita eröffnet im September. Bains-Terschawetz ist sich sicher, dass bis dahin alles fertig ist. „Wir haben alles gut vorbereitet, und wir haben Erfahrung als Bauherr und Kernkompetenzen im Umbau von Wohnraum zu einer Kindertagesstätte“, sagt sie und lacht. Auch der Fachkräftemangel kann dem Unternehmen keinen Strich mehr durch die Rechnung machen, denn die Verträge mit den Erziehern sind bereits alle unterschrieben.

Himpelchen und Pimpelchen schafft an der Unteraicher Straße 35 Betreuungsplätze, es sind zehn Krippen- und 25 Kindergartenplätze. Die Einrichtung hat von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Und eine gute Nachricht für Eltern: Sieben Plätze sind noch frei. Der neue Kindergarten ist sozusagen der Ersatz für die ehemalige Einrichtung in den Möhringer Schwabenquellen. Im August 2016 musste Himpelchen und Pimpelchen raus aus dem Erlebnis- und Wellnesszentrum, weil die Kanto GmbH, die die Schwabenquellen betreibt, an Stelle der Kita eine neue Erlebnissauna bauen will. Die Kinder sollten zunächst am Albstadtweg im Westen Möhringens eine neue Bleibe finden. Doch letztlich bekam die Nikolauspflege den Zuschlag. Mit dem Neubau erweitert Himpelchen und Pimpelchen seine Einrichtung, denn in den Schwabenquellen wurden lediglich 15 Kinder betreut.

Kontakt: Himpelchen und Pimpelchen bietet nicht nur Kindergartenplätze an, sondern zum Beispiel auch ein Kindertaxi und Betreuung im Krankheitsfall. Weitere Infos auch zu den Anmeldemodalitäten fürs neue Kindergartenjahr stehen unter www.him-pim.de.

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