Hilfe für den Nachbarn Fall 40 Frau Z. saß oben im Kran

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Im Leben wurde Frau Z. nichts geschenkt. Als Kranführerin hatte sie einen schweren Unfall. Ihr Mann führte ein Doppelleben und als Mädchen wurde sie sexuell missbraucht.

Hoch im Führerhaus des Krans – wie hier auf dem Bild der S 21-Baustelle - arbeitete auch Frau Z. Foto: dpa
Hoch im Führerhaus des Krans – wie hier auf dem Bild der S 21-Baustelle - arbeitete auch Frau Z. Foto: dpa

Stuttgart - 40“Man hat mich früher nie ohne Kinder gesehen“, sagt Frau Z. wehmütig. Acht hat sie groß gezogen. Es waren nicht ihre eigenen Kinder, sondern jene, die ihr Ehemann mit seiner anderen Frau in der Türkei gezeugt hatte. „Er ging zweimal im Jahr dorthin in Urlaub und ich durfte nicht mit“, berichtet sie. Von der zweiten Frau erfuhr sie erst, als sie ihm einmal heimlich nachgereist war.

Später kamen die Kinder nach und nach zu ihr, das jüngste mit gerade sechs Monaten. In der Türkei wuchsen sie bei der Oma auf, und die war auch aus Altersgründen überfordert. Frau Z. arbeitete in dieser Zeit Wechselschicht mit dem Vater der Kinder, so dass immer einer zu Hause war. „Meine Kinder – ich sage immer meine Kinder – haben alle was gelernt. Da bin ich stolz drauf“, betont sie. Heute mit Mitte sechzig lebt sie alleine mit ihren Wellensittichen und den Kanarienvögeln. „Irgendetwas Lebendiges brauche ich ja um mich herum“, sagt sie. Die Ehe ist seit Langem geschieden. Die Kinder sind erwachsen und gehen ihrer Wege. Nur zu einer Enkelin hat sie noch regelmäßig Kontakt.

Vom Vater missbraucht

Frau Z. hatte es schwer im Leben. Als Kind wurde sie von ihrem Vater missbraucht. Als sie sich deshalb ihrer Tante anvertraute und die es wiederum der Mutter von Frau Z. erzählte, wurde sie von dieser als Lügnerin abgestempelt. „Ich habe mich so geschämt“, flüstert sie. Immer wieder riss sie von zu Hause aus, immer wieder brachte die Polizei sie zurück. Damals galt die Volljährigkeit erst ab 21.

Nach dem Schulabschluss machte sie den Kranführerschein. „Ich war die erste Frau nach dem Krieg, die das gemacht hat“, erzählt sie. In diesem Job verdiente sie als junge Frau nicht schlecht. Mehrere Jahre arbeitete sie auf Baustellen, stieg die Stufen hinauf auf 20 Meter Höhe und saß oben in der Kabine, den Kopf nach unten gesenkt: „Sonst sieht man ja nicht, was man macht“, sagt Frau Z. Eines Tages rutschte sie auf den Stufen aus und stürzte zehn Meter in die Tiefe. Drei Jahre lang war sie wegen der Verletzungen, die sie dabei erlitten hat, immer wieder im Krankenhaus.

Danach lebte sie einige Zeit auf der Straße. „Eine türkische Familie hat mir schließlich geholfen, wieder auf die Beine zu kommen“, berichtet sie. So fand sie wieder eine Arbeit und eine Wohnung. In dieser Zeit, mit Ende zwanzig, lernte sie auch den späteren türkischen Ehemann kennen, der ein Doppelleben führte, von dem sie anfangs nichts ahnte. Er nahm Kredite auf und wollte für die Familie ein Haus kaufen. Geblieben sind nur Schulden, auf denen Frau Z. nach der Scheidung sitzen blieb.

Sie hat danach einige Jahre in der Gas­tronomie gearbeitet und hatte dort noch einmal einen Betriebsunfall. Seither hat sie erhebliche Rückenprobleme, und sie leidet unter Asthma. Frau Z. benötigt eine Schlafcouch, die sie als Bett benutzen kann. Sie lebt heute von Arbeitslosengeld II und haushaltet sehr sparsam mit ihrem Geld.

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