Südwest-Firmen Von Krise kann keine Rede sein

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Die Hochkonjunktur im Südwesten ist vorbei. Das ist kein Grund zur Sorge, meint Ulrich Schreyer – doch die Firmen sollten weiter investieren.

Die Unternehmen im Südwesten verdienen gutes Geld. Foto: dpa
Die Unternehmen im Südwesten verdienen gutes Geld. Foto: dpa

Stuttgart - Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr bereits reduziert. Jetzt berichtet auch die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart über eine Eintrübung der Stimmung im Südwesten und in der Gegend rund um die Landeshauptstadt.

Die ständigen Meldungen über eine künftig schlechtere Entwicklung sind ernst zu nehmen, aber keinesfalls ein Anlass zur Panik. Nach wie vor gilt der Fachkräftemangel als größtes Problem. Es ist ein Zeichen von Vertrauen in die weitere Entwicklung, dass die Zahl der Unternehmen, die neue Stellen schaffen wollen, immer noch größer ist als die Zahl derjenigen, die einen Abbau von Arbeitsplätzen planen. Und auch die Auslastung der Kapazitäten in der Industrie von 90 Prozent zeigt, auf welch hohen Touren der Konjunkturmotor läuft. Wenn nun das Tempo etwas geringer wird, ist das noch nicht das erste Anzeichen einer heraufziehenden Krise.

Vor allem hohe Investitionen werden derzeit überdacht

Bedenklicher scheint dagegen auf den ersten Blick, dass mehr Unternehmen ihre Investitionen reduzieren als ausweiten wollen. Dies zeigt, dass das Vertrauen etwas schwindet; es ist aber noch keinem neu erwachten Pessimismus gewichen. Vor allem hohe Investitionen dürften angesichts von Brexit und Handelskriegen eher noch einmal überdacht werden. Doch dass sich die Unternehmen genauer überlegen, wofür sie das Geld ausgeben, muss an sich noch nicht schaden.

Fatal indes wäre der Tritt auf die Investitionsbremse. Viele Industriebetriebe haben einen solchen angesichts der in den vergangenen zehn guten Jahre stark gestiegenen Erträge und der dicker gewordenen Finanzpolster auch gar nicht nötig. Zudem können Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung helfen, den Mangel an Fachkräften zu mildern. Besonders die Ausgaben für Forschung und Entwicklung dürfen allen weltwirtschaftlichen Unwägbarkeiten zum Trotz nicht zusammengestrichen werden.

Egal wie die Entwicklung weitergeht: Es gilt, dass derjenige die Nase vorne hat, der Spitzentechnologie zu akzeptablen Preisen bieten kann. Gerade in unsicheren Zeiten heißt es, die Bollwerke zu verstärken. Niemand würde die Mauern einreißen, wenn ein feindliches Heer vor der Burg steht.