Technik Lassen sich alte Diesel nachrüsten?

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Vom möglichen Fahrverbot für Dieselfahrzeuge wären auch Besitzer von Euro-5-Dieseln, deren Autos teilweise kaum zwei Jahre alt sind, betroffen. Viele stellen sich deshalb die Frage, ob eine Umrüstung der Fahrzeuge möglich ist.

Dreckschleuder? Vom kommenden Jahr an könnten in Stuttgart an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung Fahrverbote für Dieselautos verhängt werden, die noch nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Foto: Mauritius
Dreckschleuder? Vom kommenden Jahr an könnten in Stuttgart an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung Fahrverbote für Dieselautos verhängt werden, die noch nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Foto: Mauritius

Stuttgart - Vom kommenden Jahr an könnten in Stuttgart an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung Fahrverbote für Dieselautos verhängt werden, die noch nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Davon betroffen wären auch Besitzer von Euro-5-Dieseln, deren Autos teilweise kaum zwei Jahre alt sind. Das hat eine Debatte über die Umrüstung dieser Fahrzeuge auf Euro 6 ausgelöst. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Was sagt die Autoindustrie?

Der Herstellerverband VDA äußert sich zurückhaltend. Eine Umrüstung von Euro 5 auf Euro 6 sei sehr aufwendig und kaum wirtschaftlich darstellbar. Im Übrigen seien Fahrverbote ohnehin kein geeignetes Mittel zur Verbesserung der Luftqualität. Euro-5-Dieselautos haben in der Regel keinen SCR-Katalysator, der als beste Methode zur Senkung der Stickoxidemissionen gilt. Aus Platzgründen sei es bei vielen Modellen schwierig, ein solches System inklusive des Tanks für die Harnstofflösung Adblue nachträglich einzubauen, heißt es beim VDA. Zudem müsse der SCR-Kat mit der Motorsteuerung verknüpft werden. Es sind also Änderungen an Hard- und Software erforderlich. Wird zu viel Adblue zugegeben, können sich nach Angaben des Schweizer Forschungslabors EMPA feste Ablagerungen bilden, die die Abgasreinigung verstopfen. Bei zu niedriger Dosierung kommen dagegen zu viel Stickoxide aus dem Auspuff.

Daimler äußert sich ähnlich wie der VDA. Die Umrüstung sei eine „hoch komplizierte Angelegenheit“, sagt ein Sprecher. Zugleich wollte er „nicht per se verneinen, dass das möglich ist“. Man arbeite intensiv an einer Lösung und sei mit der Landesregierung im Gespräch. „Ende Mai können wir klarere Aussagen treffen“, so der Sprecher. VW-Chef Matthias Müller hatte eingeräumt, dass eine Nachrüstung grundsätzlich möglich sei. Auf Nachfrage verweist die VW-Pressestelle aber darauf, dass der Umbau „technisch sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden“ sei und sich deshalb kaum rechne.

Gibt es schon Nachrüstmöglichkeiten?

Ja. Die Baumot-Gruppe aus Königswinter, zu der auch die Kontec GmbH in Korntal-Münchingen gehört, hat ein nachrüstbares SCR-System entwickelt und in einem VW-Passat 1,6 TDI der Schadstoffklasse Euro 5 getestet. Glaubt man den Angaben des Herstellers, funktioniert das BNOx-System so gut, dass der nachgerüstete Diesel-Passat sogar besser abschneidet als ein aktuelles Euro-6-Serienfahrzeug – nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch nach dem strengeren RDE-Standard, bei dem die Emissionen im realen Fahrbetrieb gemessen werden.

Was kostet die Umrüstung?

Der Preis des BNOx-Systems soll laut Baumot bei 1500 Euro liegen. Inklusive Einbaus hält ein Sprecher Gesamtkosten von rund 2000 Euro für „durchaus realistisch“. Aufgrund der kompakten Abmessungen sei die Nachrüstung prinzipiell bei allen gängigen Euro-5-Dieselmodellen möglich. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) stellt dem System ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Das Erreichen der Schadstoffklasse Euro 6 wäre auch Voraussetzung für die Blaue Plakette, an der diese Autos äußerlich erkennbar wären. Ob und wann eine solche Plakette eingeführt wird, ist offen. Mehrere Bundesländer sind dafür, während Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wenig davon hält.