Terror in Nizza Frankreich fürchtet weitere Anschläge

Von red/rtr 

Nach dem Terroranschlag von Nizza herrscht in Frankreich noch immer Entsetzen. Die Regierung rechnet damit, dass es weitere Angriffe des Islamischen Staates geben wird.

Trauer nach dem Terroranschlag in Nizza. Foto: EPA
Trauer nach dem Terroranschlag in Nizza. Foto: EPA

Paris/Nizza - Frankreich stellt sich nach dem Anschlag in Nizza mit mindestens 84 Toten auf weitere Angriffe ein. Der 31-jährige Täter habe sich sehr schnell radikalisiert, sagte Ministerpräsident Manuel Valls in einem Interview der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“. „Es ist ein andauernder Krieg, es wird weitere Attacken geben.“ Gegen Terrorismus gebe es keine absolute Sicherheit. „Es ist schwer, dies zu sagen, aber es wird weitere Todesopfer geben.“ Am Wochenende bekannte sich die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag. Die Regierung in Paris hat dafür bislang aber keine Belege. Weitere Personen aus dem Umfeld des Tunesiers wurden festgenommen, um mehr über das Motiv zu erfahren. Seine Schwester und sein Vater sagten, er habe seit langem psychische Probleme gehabt.

Der 31-Jährige hatte am Donnerstagabend in der Mittelmeerstadt einen Laster in eine Menschenmenge gelenkt. Wegen des Feuerwerks und Konzerten am französischen Nationalfeiertag war die berühmte Strandpromenade eigentlich für den Autoverkehr gesperrt und voller Menschen. Der Attentäter konnte erst nach zwei Kilometern gestoppt werden und wurde von Polizisten erschossen. Nach Regierungsangaben befanden sich am Sonntag noch 18 Opfer in einem kritischen Zustand und kämpften um ihr Leben, darunter ein Kind.

Der Täter sei „einer unserer Soldaten“ gewesen, meldete die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Amak am Samstag. Der Täter war bislang allerdings eher als Kleinkrimineller denn als radikaler Muslim aufgefallen. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, er habe aus seinem Vorstrafenregister oder von den Geheimdiensten keinen Hinweis für eine Verbindung zum IS. Valls betonte, der IS gebe instabilen Personen ein ideologisches Rüstzeug, das ihren Taten einen Sinn verleihe. „Genau das ist wahrscheinlich im Fall von Nizza passiert.“

Psychische Probleme?

Laut Zeitung „Nice Matin“ wurde in der Wohnung des Täters nichts gefunden, das auf eine Radikalisierung schließen lässt. Allerdings würden Telefon und Computer noch untersucht. Seine Schwester sagte Reuters, ihr Bruder habe sich zuletzt viel häufiger als sonst bei der Familie gemeldet. Er habe sich bei seinen Anrufen aber nicht auffällig verhalten. Anzeichen für einen radikalen Islamismus habe es nicht gegeben. „Mein Bruder hat psychische Probleme gehabt, und wir haben der Polizei Dokumente übergeben, die zeigen, dass er für mehrere Jahre bei Psychologen in Behandlung war“, ergänzte die Schwester. Dies sei in der Zeit vor 2005 gewesen, als er Tunesien verließ und nach Frankreich zog. Mehrere französische Medien zitierten Personen aus seinem Umfeld, dass der Tunesier - anders als streng gläubige Muslime - zumindest bis vor kurzem Schweinefleisch gegessen, Alkohol getrunken und Joints geraucht habe.

Am Sonntagvormittag verhaftete die Polizei in Nizza eine Frau und einen Mann aus dem Umfeld des Täters, eine Person wurde am Nachmittag in Gewahrsam genommen. Vier weitere Personen waren noch in Haft. Eine der verhafteten Personen hatte Ermittlerkreisen zufolge eine SMS des Attentäters erhalten, in der für eine Waffe gedankt worden sei. Seine getrennt lebende Frau wurde unterdessen ohne Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie war seit Freitag befragt worden.

Frankreich steht seit längerem im Fadenkreuz von Extremisten. Allein seit Anfang 2015 gab es drei große Anschläge, im November kamen in Paris bei fast zeitgleichen Angriffen von Bewaffneten 130 Menschen ums Leben. Die Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen und diesen wegen der Ereignisse in Nizza gerade um drei Monate verlängert.




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