Tourismus auf den Fildern und im Schönbuch Das sind die beliebtesten Besuchermagnete

Von Claudia Barner 

Touristische Zugpferde wie den Fernsehturm in Stuttgart oder die Wilhelma kennt jeder. Doch auch auf den Fildern und am Schönbuchrand gibt es sehenswerte Besuchermagnete.

Die Eselsmühle im Siebenmühlental zieht eher Gäste aus der Region an. Foto: Claudia Barner 6 Bilder
Die Eselsmühle im Siebenmühlental zieht eher Gäste aus der Region an. Foto: Claudia Barner

Filder/Schönbuch - Die Antwort kommt ohne Zögern. Was lockt Besucher von auswärts nach Filderstadt? „Vor allem das Fildorado und die Filharmonie“, sagt Patrick Rapp. Der Wirtschaftsförderer und Marketingexperte der Stadt weiß, wofür sich Gäste begeistern lassen. Er stellt fest: „Natürlich haben wir bei den Übernachtungszahlen einen hohen Anteil an Geschäftsreisenden. Aber auch bei der Zahl der Ausflügler und Touristen legen wir zu.“

Einfach mal kurz abtauchen

Filderstadt liegt strategisch günstig. „Von hier aus steuern viele Übernachtungsgäste Veranstaltungen in Esslingen, Stuttgart, Tübingen oder Reutlingen an“, beobachtet Rapp. Und auch ein Abstecher zu den Outlet-Centern in Metzingen wird gern mit eingeplant. Wer nur für einen Tag auf die Filder kommt, ist meist auf zwei Rädern unterwegs und plant die eine oder andere Rast ein. „Wir haben ein gutes Radwegenetz und das gastronomische Angebot überzeugt“, sagt der Wirtschaftsförderer.

Bevor gegessen werden kann, muss geerntet werden. Auch die Filder-Landwirte tragen ihren Teil zum anschwellenden Besucherstrom bei und bieten regionale Ware vom Erzeuger. „Wir haben bei den Hofläden mit die größte Dichte im ganzen Landkreis Esslingen“, sagt Patrick Rapp stolz. Dicht an dicht geht es zeitweise auch auf dem Wohnmobilstellplatz an der Filharmonie zu. „Die Nachfrage ist groß. Wir planen deshalb einen zweiten Standort am Fildorado“, sagt er.

Der Geschäftsführer des Erlebnisbads, Felix Schneider, hält das für eine gute Idee. „Kurze Wochenendreisen liegen im Trend“, sagt er. Eben mal kurz abtauchen gehört dazu. Nicht nur die Zahl der Wohnmobile vor dem Bad nimmt zu. Auch die Kennzeichen variieren. Die Gäste kommen aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern, und die Besucherzahlen steigen. Seit die neue Saunawelt Ende 2015 eröffnet wurde, liegt das jährliche Plus in diesem Bereich bei etwa 13 Prozent.

Wasser auf die Mühlen

Die kleine Broschüre ist ein Schwergewicht. Auf 115 Seiten gibt es viel zu erzählen über das wasserreiche Wiesental, das von Leinfelden bis ins Aichtal bei Waldenbuch führt. Kurzum: Der Führer, den die Stadt Leinfelden-Echterdingen über das Siebenmühlental verfasst hat, ist begehrt. „Wir haben gerade eine Neuauflage von 10 000 Stück herausgebracht. Die meisten davon sind schon vergriffen“, berichtet der Sprecher der Stadt, Dieter Bahlinger.

Das idyllische Kleinod am Schönbuchrand ist ideal zum Wandern, Sporteln und Fahrradfahren und sorgt dafür, dass die Messe- und Flughafenstadt zum beliebten Ausflugsziel wird. Mit Bus und Bahn ist das Siebenmühlental gut zu erreichen und ein Großteil der Mühlen lädt zur Einkehr ein. Abends und am Wochenende herrscht hier Hochbetrieb. „Die Erholungsuchenden aus Stuttgart und Umgebung machen die größte Gruppe unserer Tagestouristen aus“, sagt Bahlinger.

Doch auch die Stadt selbst hat einiges zu bieten: Zum Beispiel den historischen Rundgang durchs Zentrum, der bis zum Pfarrhaus führt, in dem einst der Pfarrer und Ingenieur Philipp Matthäus Hahn gewirkt hat. Oder das Deutsche Spielkartenmuseum, das mit einer Dauerausstellung im Stadtmuseum Gäste aus aller Welt anspricht. Auch der Flughafen ist ein beliebtes Ziel. „Man kann Führungen buchen oder ihn auf der Filder-Rad-Runde umkreisen“, sagt Bahlinger.

Auch Bustouren nach L.-E. sind mancherorts im Angebot. Ziel sind in der Regel die Aufführungen in der Komede-Scheuer Mäulesmühle. Alternativ zum Auftritt der Publikumslieblinge Hannes und der Bürgermeister setzt das Theater unter den Kuppeln in Stetten kulturelle Akzente. Und dann wäre da noch der Kult um das Kraut. Wenn die Stadt am dritten Wochenende im Oktober zum Filderkrautfest lädt, pilgern Tagesgäste aus dem gesamten mittleren Neckarraum nach L.-E.

Rendezvous an der Wildsaubar

Tourismus in Steinenbronn? Auf den ersten Blick ist davon nicht viel zu erkennen. Wer die 6000-Einwohner-Gemeinde passiert, dem fällt vor allem eines ins Auge: prosperierende Gewerbegebiete und eine Ortsmitte, die mit zweckmäßigen Bauten bestückt ist. „Tourismus im klassischen Sinn spielt bei uns eher eine Nebenrolle“, sagt der Hauptamtsleiter Wolfgang Bohn. Was das Übernachtungsangebot angeht, so sei man vor allem auf Geschäftsreisende ausgerichtet, die die Nähe zur Messe und zum Flughafen schätzen.

Doch wer sich einen zweiten Blick auf Steinenbronn gönnt, kann jene Ecken entdecken, die über die Ortsgrenzen hinaus als Geheimtipp für Ausflügler gelten. „Den besten Kuchen und die schönsten Torten weit und breit gibt es im Cafe Haag“, jubeln Naschkatzen im Internet. Und die Küche des Hotels Krone hat sich mit kulinarischer Raffinesse einen Namen erkocht, der auch bei Genießern von außerhalb seine Wirkung nicht verfehlt.

Tipps für Erlebnisausflüge in die Natur gibt es beim Hauptamtsleiter Wolfgang Bohn. An der Ecke Vaihinger Straße/ Schafgartenplatz beginnt der im Mai 2014 eingeweihte Naturerlebnispfad Klingenbach. Der Weg folgt zu einem guten Teil dem namensgebenden „Klingenbach“ und führt über Wiesen und durch Waldgebiete bis zum Sulzbachstausee. „Auf dem Naturerlebnispfad haben Jung und Alt die Gelegenheit, mit Hilfe von spannenden Themenschildern die Themen Natur, Geologie und Geschichte zu entdecken“, sagt Bohn.

Und noch einen Tipp hat er parat. „Die Grillstelle an der Wildsaubar liegt idyllisch im Wald und bietet Platz für die ganze Familie“, empfiehlt Bohn. Privatpersonen müssen ihr Fahrzeug am Parkplatz Wildsaubar am Ende der Sindelfinger Straße abstellen und das letzte Stück zu Fuß gehen. Man kann die Grillstelle aber auch bei der Gemeinde anmieten und erhält dann den Schlüssel für die Schranke.

Bummel ohne Rummel

Mit diesen Pfunden kann man wuchern: Die Unternehmerin Marli Hoppe-Ritter hat ihr Kunstmuseum an der Aich platziert. Und auf dem Schlossberg hat der Direktor des Museums der Alltagskultur gerade den 15 000 Besucher der aktuellen Ausstellung begrüßt. Die 8500-Seelen-Kommune Waldenbuch hat Dank der beiden überregionalen Zugpferde mit ihrem touristischen Konzept die Nase weit vorn.

Entsprechend selbstbewusst tritt die kleine Stadt auf. Es gibt eine Stadtmarketingbeauftragte, man ist Mitglied in Organisationen wie der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus e.V. und der Kulturregion Stuttgart, präsentiert sich auf der Tourismusmesse CMT und inseriert in Fachmagazinen für Bustourismus. Im Büro von Nicole Jassmann laufen die Fäden zusammen, und ihr geht die Arbeit nicht aus.

Neben Besuchermagneten wie dem Museumsradweg und der Freiluft-Ausstellung Sculptoura bewirbt die Stadtmarketingbeauftragte nun auch den neuen Premiumwanderweg „Herzog-Jäger-Pfad“ auf dem Bezenberg. Vor zwei Monaten ist er eröffnet worden und schon jetzt ist das Gästebuch, das an den Knaupwiesen ausliegt, voll mit lobenden Kommentaren. „Das Angebot zieht die Leute an“, sagt Jassmann.

Den Bummel ohne Rummel genießen die Tagestouristen im pittoresken historischen Stadtkern und weil der Naturpark Schönbuch vor der Haustür liegt, machen viele Wanderer und Radler in den fachwerkgesäumten Gassen Station. Damit das Städtchen an der Aich für die Ausflügler auch im Winter interessant bleibt, hat man 2017 eine alte Tradition wiederbelebt: Von Oktober bis Februar gibt es Nachtwächterführungen. Die sollte man wegen der großen Nachfrage vorsichtshalber aber schon im Sommer buchen.




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