TuS Metzingen mit Rekordversuch Neue Dimension für den Frauenhandball

Mit Herzblut dabei: Metzingens Geschäftsführer Ferenc Rott und seine Frau Edina, die als Co-Trainerin des Bundesligateams und als Trainerin der zweiten Mannschaft fungiert. Foto: Pressefoto Baumann
Mit Herzblut dabei: Metzingens Geschäftsführer Ferenc Rott und seine Frau Edina, die als Co-Trainerin des Bundesligateams und als Trainerin der zweiten Mannschaft fungiert. Foto: Pressefoto Baumann

Noch knapp 500 Tickets gilt es zu veräußern – und die TuS Metzingen haben den Zuschauerrekord bei einem Frauenhandball-Bundesligaspiel geknackt. Der Ex-Fußball-Torwart Ferenc Rott mit dem Vorbild Uli Hoeneß ist der Macher dieses Projekts.

Sport: Jürgen Frey (jüf)
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Stuttgart - Ferenc Rott kommt aus der Fußballbranche. Der Geschäftsführer der Bundesliga-Handballerinnen der TuS Metzingen war Torwart bei Honved Budapest, dem KSC, Darmstadt 98 und den TSF Ditzingen. Keine Sekunde muss der gebürtige Ungar überlegen, wer sein Vorbild als Manager ist: „Uli Hoeneß – und das mit Abstand.“ Wäre die Ikone des FC Bayern handballaffin, sie hätte wahrscheinlich ihre helle Freude an der pfiffigen Idee von Ferenc Rott: Er will mit seinen Pink Ladys eine neue Zuschauer-Bestmarke bei einem Frauen-Bundesligaspiel aufstellen. Diese liegt bisher bei 5875, erreicht beim zweiten Play-off-Endspiel um die deutsche Meisterschaft 2010 zwischen dem HC Leipzig und Bayer Leverkusen. Jetzt sind die TusSies auf dem besten Weg, den Rekord zu knacken. 5400 Tickets sind verkauft. Nicht für ein Finale. Für ein Ligaspiel, mitten in der Saison, gegen den Tabellenletzten. „Diese Konstellation hat mich noch mehr gereizt und macht mich auf der Zielgeraden noch einen Tick zufriedener“, sagt Ferenc Rott voller Stolz.

Rott musste vermarktungstechnisch umdenken

Wie der 46-Jährige überhaupt auf die Idee kam? „Ich wollte schon immer ein Spiel der TusSies in der Porsche-Arena organisieren“, erzählt der umtriebige Geschäftsführer. Dass das für eine Randsportart wie den Frauenhandball, wenn überhaupt, nur Sinn ergibt an einem zuschauerträchtigen Termin rund um Weihnachten, war klar. Als ein erster Spielplanentwurf für die Saison 2016/17 Anfang des Jahres herauskam, stand fest, dass Metzingen in dieser Zeit ein Heimspiel gegen einen Aufsteiger haben wird. Es kristallisierte sich neben der Neckarsulmer Sport-Union der TV Nellingen als möglicher Gegner heraus. „Wir mussten umdenken. Wir konnten kein Spitzenspiel anbieten, aber ein Lokalderby. Also kamen wir auf die Idee, vermarktungstechnisch ganz auf das Knacken des Zuschauerrekords zu gehen und entschieden, es durchzuziehen.“

Ein mutiger Schritt. Vor sieben Jahren spielte Metzingen noch vor 300 Zuschauern. In die heimische Öschhalle kommen inzwischen im Schnitt 1000 Besucher, beim EHF-Pokal-Final-Hinspiel im vergangenen Mai in der Ausweichspielstätte Paul-Horn-Arena pilgerten gegen Dunaujvaros 2600 Zuschauern nach Tübingen. „Monatelang hatte ich Bauchschmerzen, und noch nie so viel Furcht, auf die Schnauze zu fliegen wie bei diesem Stuttgart-Projekt“, gibt Ferenc Rott offen zu. Erst ab einer Zuschauerzahl von 4500 müsse man nichts drauflegen, schätzt der Manager. Von einem großen finanziellen Gewinn will er nichts wissen. „Darum ging es nicht. Es ging darum, das wir mit diesem Event in eine neue Dimension vorstoßen und der in Deutschland völlig unterbewertete Frauenhandball von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird. “

Vier TusSies bei der EM dabei

Die vor kurzem zu Ende gegangene Frauen-EM in Schweden ging an vielen Sportinteressierten grußlos vorbei. Die TusSies haben in der niederländischen Torfrau Jasmina Jankovic immerhin eine Silbermedaillengewinnerin in ihren Reihen. Auch Metzingens deutsche Nationalspielerinnen Anna Loerper und Julia Behnke konnten als EM-Sechste Selbstvertrauen tanken, nur die Serbin Marija Obradovic hatte bei ihrer Nationalmannschaft, die Neunte wurde, wenig Spielanteile. „Umso heißer wird sie auf das Derby gegen Nellingen sein“, vermutet Trainer Csaba Konkoly. Seinen ungarischen Landsmann hatte Rott 2015 verpflichtet. „Dies war ein weiterer wichtiger Schritt hin zu noch mehr Professionalität“, sagt Rott, der ursprünglich Fußball-Bundesliga-Trainer werden wollte. Für die TuS Metzingen ist ein Glücksfall, dass nichts daraus wurde. Uli Hoeneß würde das garantiert bestätigen.

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