Ein 31 Jahre alter gebürtiger Kirchheimer hat mit seiner Facebook-Seite „Unnützes Stuttgartwissen“ binnen fünf Tagen mehr als 10.000 Anhänger gewonnen. Mit diesem Hype hat einer am wenigsten gerechnet: er selbst.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)

Stuttgart - Dass das soziale Netz manchmal seltsame Blüten treibt, hat Patrick M. schon gewusst. Aber dass es ihm mit seiner Facebook-Seite „Unnützes Stuttgartwissen“ so ergehen würde, hätte er nie und nimmer gedacht: Am Freitag stellte der 31-Jährige seine Seite auf Facebook, fünf Tage später war die Marke von 10.000 Anhängern geknackt. Täglich kommen Hunderte dazu, die mehr wissen wollen über den Schwabtunnel, den Galatea-Brunnen oder den Verlauf des Nesenbachs.

„Unnützes Stuttgartwissen“: der Seitentitel klingt nach Kuriosem und Skurrilem, nach Stoff, mit dem man mitreden kann. Der Autor, der in einem Drogeriemarkt arbeitet, gibt sich zurückhaltend: „Die Infos sollen unterhalten und ein bisschen Wissen vermitteln.“ Offenbar gibt es in der Stadt Tausende, die danach lechzten.

Sie nennen ihn „den Lokalteil“

Den Erfolg seiner Seite kann sich der 31 Jahre alte gebürtige Kirchheimer auch nicht so richtig erklären. Überhaupt sei sie nur deshalb entstanden, weil er sein Stuttgartwissen nicht mehr allen seinen Freunden einzeln vortragen wollte, erzählt M. „Der Lokalteil“ nennen sie ihn im Freundeskreis, weil er Wissen über die Stadt, ihre Architektur und ihre bekannteren Bürger aufsaugt wie ein Schwamm das Wasser. „Meine Freunde sind an solchen Dingen auch interessiert, und da wollte ich es einfach aufschreiben“, so der 31-Jährige.

Am Rande der Alb wollte er nicht bleiben, also zog er vor elf Jahren nach Stuttgart. „Die wenigsten verlieben sich in Stuttgart“, meint Patrick M. Kein Wunder: „Viele kennen ja nichts anderes als Schlossplatz und Königstraße.“ M. wollte mehr sehen, erschloss sich Stück für Stück bei langen Spaziergängen vor allem die Innenstadtbezirke. Je besser er sich auskannte, desto mehr wollte er über die Stadt wissen.

„Stadtgeschichte ist ein Hobby von mir“, berichtet M.. Er wälzt Stuttgart-Bücher, informiert sich im Internet, schnappt unterwegs Stuttgartwissen auf und stellt anschließend nur geprüfte Informationen ins Netz. Unnützes Stuttgartwissen? Nicht, wenn man es gut findet, sich in der Stadt und mit ihrer Geschichte auszukennen.

Zwischenzeitlich hatte er sich von Facebook abgemeldet

Und doch erreicht M., der sich zwischenzeitlich sogar von Facebook abgemeldet hatte, im Netz tausende Stuttgarter, die sich auf absehbare Zeit vermutlich kein Buch zur Heimatgeschichte gelesen hätten. „Man kann ja viele Seiten auf Facebook erstellen. Wenn es keinen interessiert, teilt’s keiner“, sagt M., „aber das hier scheint die Leute zu interessieren“.

So macht „„Unnützes Stuttgartwissen“ auch vor, wie man im sozialen Netz viele Menschen erreichen kann. Viele Firmen geben viel Geld für sogenannte Social-Media-Manager aus, die für sie den Auftritt in den Onlinenetzwerken bestreiten. Nun macht Patrick M. vor, dass es für 10.000 Fans binnen fünf Tagen vor allem eines braucht: Inhalte, die die Leute interessieren.

Der berühmte Schneeballeffekt

Der Rest kam in seinem Fall wie von selbst: M. erzählte seinen Freunden via Facebook von der Seite. Die zeigten wiederum ihren Freunden das neue Angebot. Die Folge war der bekannte Schneeballeffekt: die Anzahl der Anhänger wuchs rasant, immer mehr Facebook-Nutzer klickten auf „Gefällt mir“ – eben weil die Inhalte auf „Unnützes Stuttgartwissen“ ihr Interesse weckten.

Auf den Erfolg haben Patrick M. und seine Freunde am Mittwochabend auf dem Weindorf angestoßen. So recht können sie es immer noch nicht verstehen, wie ihr Freund die derzeit erfolgreichste Stuttgarter Facebook-Seite in die Welt gebracht hat. Sein Freundeskreis hält M. auch bezüglich der Seite auf dem Laufenden, denn während der Arbeit im Drogeriemarkt hat er für „Unnützes Stuttgartwissen“ natürlich keine Zeit.

Die Leser sollen mithelfen – mit Bildern

Bleibt die Frage: was kommt da noch? Derzeit, erzählt M., schreibe er morgens und abends je einen neuen Eintrag – eben vor und nach der Arbeit. Nicht das „unnütze Stuttgartwissen“ zu beschaffen sei das Problem, sondern die Bilder dazu – weil ohne Fotos im Internet nichts läuft. Da bittet M. um Mithilfe seiner Freunde, aber auch seiner Leser. Inhaltlich will er sich auf die Innenstadtbezirke konzentrieren: „In Zazenhausen war ich noch nie.“ In Hofen zwar schon, wegen der Burgruine, „aber spektakulär war’s nicht“.

Gut möglich, dass aus der Facebook-Seite mal ein Kalender wird, vielleicht auch ein kleiner Band? Die Zeitschrift Neon hat es mit „Unnützes Wissen“ vorgemacht, es gibt etliche ähnliche Seiten im Netz und Inspiration holte sich Patrick M. aus Wien: Die österreichische Hauptstadt hat schon seit längerem eine Facebook-Seite namens „Unnützes Wienwissen“. Stuttgart jetzt auch. Dank eines Kirchheimers, der sich in die Stadt verliebt hat und diese Liebe ein wenig mit seinen Lesern teilen möchte.