Urteil nach Eritrea-Krawall in Stuttgart Haftstrafe für 27-Jährigen wegen Steinwürfen auf die Polizei

Die Ausschreitungen am Römerkastell im September. Foto: dpa/Jason Tschepljakow (Archiv)

Ein 27-jähriger Mann streitet die Angriffe auf Polizeibeamte ab. Das Amtsgericht Bad Cannstatt glaubt jedoch den Zeugen, die ihn bei Angriffen auf Einsatzkräfte sahen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Drei Steine soll er geworfen haben, drei Jahre und drei Monate Haft soll er dafür verbüßen: So lautet das Urteil des Amtsgerichts Bad Cannstatt gegen einen Mann, der im September 2023 an den Ausschreitungen beim Römerkastell am Rande einer Eritrea-Veranstaltung beteiligt war. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert, der Mann die Steinwürfe abgestritten. Das Gericht teilte jedoch die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass die Steine in Richtung der Polizeikette geflogen sind – auch wenn niemand getroffen wurde.

 

Mehr als 200 Personen wurden am Abend nach den Krawallen festgenommen, nur einer musste in Untersuchungshaft: Dieser Mann saß am Dienstag, an seinem 27. Geburtstag, auf der Anklagebank und nahm das Urteil zumindest äußerlich regungslos hin. In den Zuschauerreihen des Hochsicherheitsgerichtssaals in Stammheim regte sich jedoch Unmut, vereinzelt flossen Tränen. Die Verteidigerin Rita Drar war auch unzufrieden mit dem Schuldspruch. „Ich werde Rechtsmittel dagegen einlegen“, sagte sie unmittelbar nach dem Ende des Prozesses gegenüber unserer Zeitung.

Der 27-Jährige wurde in Videoaufnahmen von den Ausschreitungen mehrfach identifiziert. Allein von den Steinwürfen gab es keine Aufnahmen. Das wertete die Verteidigerin als fehlenden Beweis der Tatvorwürfe des besonders schweren Landfriedensbruchs, der versuchten gefährlichen Körperverletzung, des tätlichen Angriffs auf und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Doch die Richterin glaubte den Polizeibeamten im Zeugenstand, die den Mann gesehen und noch am Abend aus der Menge herausgeholt hatten, um ihn wegen der Würfe anzuzeigen. Eine Woche zuvor war ein weiterer Beteiligter, der als Anstifter eingeordnet worden war, zu einer Haftstrafe in Höhe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Mitte September hatte eine Gruppe eritreisch stammender Personen in einer Halle auf dem Gelände des Römerkastells ein Seminar angeboten. Es ging um das Herkunftsland. Die Veranstaltenden gelten als regierungsnah. Die Gegendemonstrierenden, aus deren Reihen die Krawalle losbrachen, sind Kritiker des diktatorischen Regimes. Sie wollten zu der Veranstaltung, die Polizei schützte aber die Eingangstür. Daraufhin gingen die Angriffe los. Zunächst seien Steine auf die Tür geflogen, dann aber galten die Angriffe nur noch den Polizistinnen und Polizisten, die zunächst mit nur gut 20 Einsatzkräften der wütenden Menge gegenüberstanden.

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