Zoltan Sebescen beim TV Unterboihingen So erklärt der Ex-Nationalspieler sein Comeback in der Kreisliga

Von Jürgen Frey 

Er hatte einen Einsatz in der Nationalmannschaft, er stand mit Bayer Leverkusen im Champions-League-Finale. Nun schnürt Zoltan Sebescen mit 44 für den TV Unterboihingen wieder die Kickschuhe. Warum eigentlich?

Zoltan Sebescen (re.) für den TV Unterboihingen auf Kunstrasen im Einsatz: In seinem zweiten Spiel für den Kreisliga-A-Verein setzt es ein 0:4 beim ASV Aichwald. Foto: Baumann 12 Bilder
Zoltan Sebescen (re.) für den TV Unterboihingen auf Kunstrasen im Einsatz: In seinem zweiten Spiel für den Kreisliga-A-Verein setzt es ein 0:4 beim ASV Aichwald. Foto: Baumann

Stuttgart - Es läuft die 65. Minute am vergangenen Sonntag beim Kreisliga-A-Spiel des TV Unterboihingen beim ASV Aichwald. Zoltan Sebescen greift sich nach einem Pressschlag sofort an die Leiste. Er spürt einen stechenden Schmerz. Später folgt die Diagnose: Muskelfaserriss. „So etwas kommt im Fußball eben vor“, sagt er hinterher, „aber ich werde dieses Spiel immer lieben.“

Leidenschaft treibt ihn an

Damit nimmt er die Antwort auf die alles entscheidende Frage schon weitgehend vorweg: Warum tut sich ein ehemaliger Nationalspieler, der in einem Champions-League-Finale stand, mit 44 Jahren die Niederungen der Kreisliga an? Zum einen ist es eben diese Leidenschaft, die ihn antreibt. Schon mit 30 musste er seine Profikarriere wegen Knieproblemen beenden. Er kickte nur noch für die Traditionsmannschaft von Bayer Leverkusen, mit der er im vergangenen Sommer das Finale um die deutsche Ü-40-Meisterschaft verlor. Da man auf „Vizekusen“ bei Bayer bekanntlich allergisch reagiert, wurmt ihn der verpasste Titel bis heute. Sein Team um Ulf Kirsten, Jens Nowotny und Marcus Feinbier spielte die Gegner schwindlig, doch am Ende fehlte die Fitness. „Mich hat der Ehrgeiz gepackt, ich wollte regelmäßig trainieren, damit es im kommenden Jahr mit dem Titel klappt“, sagt Sebescen. Also nutzte er die persönliche Bande zu Unterboihingens Trainer Daniel Zeller. Dessen Bruder Philipp ist ein Arbeitskollege von Sebescen, der als Filialleiter beim Sportartikel-Unternehmen Decathlon arbeitet.

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Am 1. Dezember feierte der Mittelfeldspieler sein Comeback im Spiel gegen den TSV Köngen II. Da ihm die Luft für 90 Minuten fehlt, kam Sebescen wie abgesprochen als Einwechselspieler auf der Sechser-Position zum Einsatz – mit Erfolg: Er verteilte nicht nur geschickt die Bälle, gab seinen jungen Kollegen taktische Hilfestellungen, er schoss als Krönung sogar das Tor zum 4:0-Endstand. „Ich habs mir schwerer vorgestellt“, sagte er hinterher mit breitem Grinsen. Obwohl er mit einem angeschwollenen Knöchel vom Feld humpelte, stand er eine Woche später, aufgrund akuter Personalnot, in der Anfangsformation. Dennoch setzte es beim Tabellendritten ASV Aichwald eine 0:4-Niederlage. Die Bezirksliga-Aufstiegschancen bleiben intakt: Punktgleich mit Spitzenreiter FC Esslingen wird auf Tabellenplatz zwei überwintert.

Promi ohne Sonderstatus

„Wir haben viel Spaß zusammen, der Teamgeist stimmt zu 100 Prozent“, versichert Sebescen. Trotz seiner Prominenz genießt er keine Sonderrolle. Weder in der eigenen Mannschaft, noch beim Gegner. „Es gibt weder Gefrotzel, noch wollte bisher jemand ein Autogramm von mir“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und überhaupt: Auch in der Bundesliga habe man sich nach einem Spiel ein Bierchen aus dem Kühlschrank geholt, jetzt stehe eben ein Kasten Kaltgetränk in der Kabine.

Kickers profitieren finanziell

Sebescen hat die Bodenhaftung nicht verloren. Trotz seiner durchaus beeindruckenden Karriere. Nach der Zeit bei den Stuttgarter Kickers ging es 1999 zum VfL Wolfsburg, 2001 zog er weiter zu Bayer Leverkusen. Von den Transfers profitierte die klamme Kasse der Blauen gewaltig. Inzwischen hat er keinen großen Kontakt mehr nach Degerloch, obwohl der Familienvater mit den Söhnen Joschua (14) und Noah (11) immer noch in Stuttgart wohnt.

Kindheitstraum erfüllt

Sie können stolz sein auf den Papa, der auch einen A-Länderspieleinsatz vorzuweisen hat. Das Testländerspiel unter Bundestrainer Erich Ribbeck am 23. Februar 2000 wird heute noch mit seinem Namen in Verbindung gebracht. „Es war nun wirklich nicht meine beste Partie, klar, über meine Leistung auf der ungewohnten Rechtsverteidiger-Position lässt sich diskutieren“, sagt Sebescen. Aber schlecht reden lassen will er sich dieses Spiel auf gar keinen Fall. „Den Adler auf der Brust zu tragen – da ist ein Kindheitsraum in Erfüllung gegangen. Viele Profis würden dafür gerne 100 Bundesligaspiele eintauschen.“ Auch das Erreichen eines Champions-League-Finales 2002 im Hampden Park in Glasgow gegen Real Madrid (1:2) kann nicht jeder Fußballer in seiner Vita aufweisen.

Hallenspektakel in Berlin

Jetzt aber heißt die Herausforderung TV Unterboihingen. Am 8. März geht die Punktrunde gegen den TSV Berkheim weiter. Doch er will schon viel früher wieder fit sein. Am 11./12. Januar steht mit der Ü40 von Bayer Leverkusen das Traditionshallenmasters der Legenden in Berlin auf dem Programm. Es ist diese Liebe zum Fußball, die Zoltan Sebescen nicht loslässt.

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