Fragen rund um Honig Honig – Heilmittel und Nektar der Götter

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Honig wird eine Vielzahl an Heilkräften zugeschrieben. Was ist dran am Honig als Medizin? Wir beantworten die wichtigste Fragen zum Thema in unserem Überblick.

Für die Naturheilkunde vergangener Jahrhunderte war Honig eine Art Allheimmittel. Ob bei Gicht oder Gallensteinen, Husten oder Hautabschürfungen, Fieber oder Furunkel – der köstliche Zuckersaft wurde universell eingesetzt. Foto: dpa
Für die Naturheilkunde vergangener Jahrhunderte war Honig eine Art Allheimmittel. Ob bei Gicht oder Gallensteinen, Husten oder Hautabschürfungen, Fieber oder Furunkel – der köstliche Zuckersaft wurde universell eingesetzt. Foto: dpa

Stuttgart - Bis ins 20. Jahrhundert ließen sich Heilkundige und Mediziner vor allem von ihrer Erfahrung leiten. An ihre Stelle ist heute vielfach eine Evidenzbasierte Medizin getreten, bei der die Therapie auf der Grundlage empirisch nachgewiesener Wirksamkeit von Medikamenten erfolgt. Honig als Heilmittel hat hier kaum noch einen Platz.

Seit wann wird Honig vom Menschen als Nahrungs- und Heilmittel genutzt?

Wahrscheinlich nutzte der Mensch schon vor mehr als 10 000 Jahren Wildhonig als Nahrungsquelle. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich auf einer rund 4000 Jahre alten sumerischen Tontafel.

Auch in den indischen Veden wurde die Heilkraft des Honigs vor über 3000 Jahren gerühmt. „Nimm Honig, um dich schöner zu machen, deine Geistesfähigkeiten zu entwickeln und deinen Körper zu stärken.“

Was ist Apitherapie?

„Apis“ ist der lateinische Name für Honigbiene, „therapeia“ das griechische Wort für Dienst am Kranken. Schon in der Antike waren Griechen und Römern die Vorzüge der Apitherapie – der medizinischen Verwendung von Bienenprodukten – bekannt.

Die Apitherapie gehört zu den ältesten naturheilkundlichen Behandlungsmethoden. Sie dient der Genesung, Heilung und Rehabilitation sowie der Gesundheitsvorsorge. Als ganzheitliche (integrale) Therapie soll sie den gesamten menschlichen Organismus positiv beeinflussen: das Blutkreislauf- und Nervensystem genauso wie den Verdauungstrakt, den Stoffwechsel und die Psyche.

Welche Bedeutung hat Honig in der klassischen Naturheilkunde?

Für die Naturheilkunde vergangener Jahrhunderte war Honig eine Art Allheimmittel. Ob bei Gicht oder Gallensteinen, Husten oder Hautabschürfungen, Fieber oder Furunkel – der köstliche Zuckersaft wurde universell eingesetzt. Hippokrates von Kos (um 460-370 v. Chr.), der berühmteste Arzt des Altertums, beschrieb zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten.

Der Heidelberger Medizinhistoriker Johann Heinrich Dierbach verfasste im Jahr 1824 eine dicken Wälzer über die hippokratischen Arzneimittel. Dort ist im Kapitel über den Honig zu lesen: „Mit Wasser vermischt feuchte er an, führe die Galle ab; Schleimflüsse aber stille er . . . Honig mit Butter wird in der Schwindsucht empfohlen . . . In hitzigen Krankheiten ließ Hippokrates öfters eine Mischung von Wasser und Honig trinken; er bemerkt davon, sie lindere den Husten, befördere den Auswurf und mache gallige Stuhlgänge . . . Auch äußerlich wurde der Honig angewendet und zwar als erweichendes Mittel; schlimme Geschwüre reinigte man mit Honig und Salz.“

Hat Honig eine keimtötende Wirkung?

Im Verlauf der Futterkette entstehen sogenannte Inhibine. Das sind Stoffe, die das Wachstum von Pilzen und Bakterien hemmen. Für die Bienen ist die antibakterielle Wirkung ihrer Nahrung enorm wichtig. So wird verhindert, dass sich im Stock, wo bis zu 60 000 Insekten bei 30 bis 35 Grad Celsius auf engstem Raum zusammenleben, Krankheiten ausbreiten können.

Ist heiße Milch mit Honig gut bei Erkältungen?

Das ist ein Ammenmärchen. Bakterien abtötenden Stoffe wie die Enzyme Invertase und Diastase verlieren schnell ihre Wirkung, wenn man sie über 40 Grad erhitzt. Bei Husten mit Auswurf sollte man besser auf Milch verzichten, da sie Inhaltsstoffe enthält, welche die Schleimproduktion anregt. Bei trockenem Husten wirkt Milch mit Honig oder gleich ein Teelöffel Honig dagegen lindernd, weil der süße Saft den Speichelfluss im Mund anregt.

Hilft Honig gegen Magenbakterien?

Ob Honig bei der Behandlung von Magengeschwüren unterstützend hilft, ist umstritten. Neuseeländische Forscher wollen nachgewiesen haben, dass der Magenkeim „Helicobacter pylori“, der die Magenschleimhaut bakteriell befällt und als eine Ursache von Magengeschwüren und ein Risikofaktor für Magenkrebs gilt, durch Honig teilweise abgetötet.

Fakt ist: Wenn der Honig im Magensaft landet und dort verdünnt wird, hat es sich schnell mit der antibakteriellen Wirkung.

Sollte man viel Honig essen, um Krankheiten vorzubeugen?

Schön wär’s. Man sollte aber nicht zu viel in den Honig hineininterpretieren. Obwohl die Apitherapie eine lange Tradition hat, kann der tägliche Brotaufstrich Krankheiten nicht vorbeugen. Schon gar nicht hilft Honig bei schweren Leiden wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes.

Kann man Honig für Wundbehandlungen verwenden?

Vorsicht! Auch wenn dies in der Naturheilkunde über Jahrtausende praktiziert wurde, ist davon abzuraten. Honig enthält Rückstände von Algen, Bakterien, Pilzen und Umweltgiften. Zwar hat er eine leicht keimtötende Wirkung, allerdings kann es durch die möglicherweise enthaltenen Schadstoffe und Bakterien zu Infektionen kommen.

Babys unter einem Jahr sollte man deshalb gar keinen Honig geben, weil dies zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen kann.

Was ist so besonders an Manuka-Honig?

Manuka-Honig stammt aus Neuseeland und wird von den Bienen aus dem Nektar der Südsee-Myrte, einer Verwandten des australischen Teebaums, gewonnen. Schon die Maori, die neuseeländischen Ureinwohner, nutzten ihn als Heilmittel.

Manuka-Honig enthält jede Menge Methyl-Glyoxal, das bei Stoffwechselvorgängen – insbesondere bei der Glykolyse, dem Abbau von Zucker im Organismus – entsteht. Methyl-Glyoxal (MGO) hat eine sehr viel stärkere antibakterielle Wirkung als andere Inhaltsstoffe im Honig.

Während normaler Honig höchstens 20 Milligramm Methyl-Glyoxal pro Kilogramm enthält, sind in Manuka-Honig bis zu 800 Milligramm zu finden. Der medizinische Wirkungsgrad vom Honigs hängt vom Gehalt an MGO ab.

Warum ist Manuka-Honig so teuer?

Nicht überall, wo Manuka drauf steht, ist auch Manuka drin. Echten Manuka-Honig gibt es nur mit dem Gütesiegel MGO oder UMF (Unique Manuka Factor). Je höher der Gehalt an MGO ist, desto teurer ist der Honig. Ein 250-Gramm-Glas mit MGO 550+ (550 Milligramm MGO) kostet bis zu 60 Euro.

Als eine Art Allheilmittel soll Manuka-Honig das Immunsystem stärken, Erkältungen lindern und eine träge Verdauung auf Trab bringen. Um tatsächlich eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, müsste man aber soviel Manuka-Honig essen, dass es richtig teuer werden würde.

Was ist Medihoney?

Seit einigen Jahren ist in Europa medizinischer Honig – sogenannter Medihoney – als Medizinprodukt zugelassen. Hierbei handelt es sich um Manuka-Honig, der mit Gammastrahlen behandelt und so sterilisiert wurde.

Auch für Medihoney gilt: keine Selbstversuche machen. In einigen Kliniken wird er eingesetzt, um den Heilungsprozess zu beschleunigen sowie um Schwellungen, Schmerzen und Sekretbildung zu vermindern. MediHoney ist indiziert, wenn Patienten auf herkömmliche Wundheilungspräparate allergisch reagieren. Allerdings muss der Zustand der Wunde kontinuierlich überwacht werden. Bei schweren Verbrennungen oder der Behandlung chronischer Wunden ist er nicht besonders hilfreich.