Kandidatenkür für die Landtagswahl CDU vor Richtungsentscheidung

Wer darf  für den Landtag kandidieren? Jutta Schiller ist schon drin, Simon Weißenfels will sie ablösen. Foto: Rudel, dpa, privat
Wer darf für den Landtag kandidieren? Jutta Schiller ist schon drin, Simon Weißenfels will sie ablösen. Foto: Rudel, dpa, privat

Wer darf 2016 für den Landtag kandidieren? Im Wahlkreis Göppingen kommt es zu einem parteiinternen Showdown. Der Kreischef der Jungen Union, Simon Weißenfels, will der Amtsinhaberin Jutta Schiller als CDU-Kandidat ablösen. Beide stehen für verschiedene Flügel der Partei.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
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Göppingen/Wangen - Ein Jahr nach ihrem Einzug in den baden-württembergischen Landtag ist Jutta Schiller so richtig angekommen in der Landeshauptstadt. Als Nachrückerin für den langjährigen Göppinger CDU-Abgeordneten Dietrich Birk hatte sie zunächst dessen Sitz im Wissenschaftsausschuss übernehmen müssen. Vor vier Wochen zog die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Kreises Göppingen nun in den Sozialausschuss ein. Offenbar ist auch in der Fraktionsführung das Fachwissen der Neuen bemerkt worden.

Ob sie auf Dauer in ihrem „Wunschausschuss“ (O-Ton Schiller) mitarbeiten darf oder ob es eine Stippvisite bleibt, hängt im Wesentlichen vom Freitagabend ab. Dann entscheidet die CDU-Basis, mit welchem Direktkandidaten die Partei in einem Jahr im Wahlkreis Göppingen in den Landtagswahlkampf zieht. Die leutselige Jutta Schiller dürfte sich in den vergangenen Monaten einen gewissen Amtsbonus erarbeitet haben. Doch sie stößt auf einen ernst zu nehmenden Konkurrenten. Der junge Süßener Stadtrat Simon Weißenfels gilt als eloquent und verfügt als Chef der Jungen Union im Kreis über eine Hausmacht.

Spannender Wahlabend erwartet

Es werde ein spannender Wahlabend, bei dem sich die Parteimitglieder zwischen zwei klaren Gegenentwürfen zu entscheiden hätten, glaubt der Göppinger CDU-Fraktionschef Felix Gerber. Das liegt nicht nur daran, dass hier eine Frau, da ein Mann, hier eine gestandene 52-Jährige mit Familie und Berufserfahrung, dort ein 28-Jähriger, der sein Geschichtsstudium noch nicht ganz abgeschlossen hat, zur Wahl stehen.

Auch politisch trennen die beiden für CDU-Verhältnisse Welten. Schiller wird als Sozialpolitikerin dem linken Flügel zugeordnet. Jahrelang war die gelernte Bankfachwirtin Büromitarbeiterin des früheren, als liberal geltenden Bundestagsabgeordneten Klaus Riegert. Weißenfels steht weiter rechts. Er habe eine konservative Weltanschauung, sagt er von sich. Vor fünf Jahren war er einer der Autoren der „Eislinger Erklärung“ der JU. Darin war gegen die Islamisierung, gegen gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und gegen die Merkel-CDU gewettert worden. Das Papier provozierte breiten Protest.

Der lange Schatten der Eislinger Erklärung

Man habe die Eislinger Erklärung zurückzogen, sagt Weißenfels knapp. Dennoch dürfte die Abstimmung am Freitagabend auch Aufschluss über die Frage geben, wo die Göppinger CDU steht. Als es vor drei Jahren um die Bundestagskandidatur ging, konnte sich der als konservativ geltende Hermann Färber gegen Riegert durchsetzen. Der Amtsinhaber galt nach 21 Jahren im Bundestag aber auch als ein wenig amtsmüde. Zudem wählte damals der ländlich geprägte Geislinger Raum mit. Diesmal sind nur die Mitglieder aus dem Westteil des Kreises stimmberechtigt.




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