ExklusivKommentar zur StZ/SWR-Umfrage Ist doch egal, mit wem Kretschmann regiert

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Die Baden-Württemberger sind ausgesprochen zufrieden mit der grün-schwarzen Regierungsarbeit. Das liegt weniger an der CDU – so wenig wie es vorher bei Grün-Rot an der SPD lag, kommentiert Politikchef Rainer Pörtner.

Seit vier Monaten Partner in der ersten grün-schwarzen Landesregierung: der Christdemokrat Thomas Strobl (li.) und der Grüne Winfried Kretschmann Foto: dpa
Seit vier Monaten Partner in der ersten grün-schwarzen Landesregierung: der Christdemokrat Thomas Strobl (li.) und der Grüne Winfried Kretschmann Foto: dpa

Stuttgart - War da was? Hat es eine Landtagswahl gegeben, die zu einer neuen Regierungskoalition im Südwesten zwang? Macht Grün-Schwarz, eine bis dato in der Bundesrepublik unerprobte Koalitionsvariante, denn gar keinen Unterschied? Diese Fragen kann man sich verwundert stellen angesichts der jüngsten Umfrage von Stuttgarter Zeitung und SWR zur Landespolitik.

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Nach vier Monaten Regierungsarbeit weist Grün-Schwarz hervorragende Zustimmungswerte auf. Diese sind genauso gut wie die Werte von CDU-FDP-Koalitionen zu ihren besten Zeiten rund um die Jahrtausendwende. Und sie liegen exakt gleichauf mit der Zustimmung zur grün-roten Kabinettstätigkeit unmittelbar vor der Landtagswahl im März dieses Jahres.

Mehr Vertrauen beim Bürger als in der Koalition

Die Bürger haben den Austausch des Koalitionspartners an der Seite der Grünen also sehr gelassen hingenommen – ein durchaus bemerkenswertes Phänomen angesichts früherer Schlachten zwischen konservativen und ökologisch-friedensbewegten Kräften in diesem Land.

Sie nehmen der neuen Landesregierung offensichtlich auch nicht übel, dass sie in ihrer Anfangszeit nicht durch gestalterischen Übereifer aufgefallen ist – sehr wohl aber durch geheime Nebenabsprachen zu ihrem Koalitionsvertrag. Während sich führende Koalitionspartner noch immer nicht so recht über den Weg trauen, ist das Wählervertrauen in die Koalition bereits erstaunlich hoch.

Nur ein leichter Imageschaden

Dieser Zuspruch lässt sich – wie angedeutet – nicht durch begeisternde Projekte oder Taten der Regierung begründen. Vielmehr bietet sich vor allem eine Erklärung an: Winfried Kretschmann als Regierungschef überstrahlt auch in dieser Konstellation alle anderen am Kabinettstisch. Es ist ziemlich egal, ob ihm die Sozialdemokraten oder die Christdemokraten zur Regierungsmehrheit verhelfen. Achtzig Prozent der Baden-Württemberger sind mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden.

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Die Geheimabsprachen haben auch bei ihm persönlich nur einen kleinen Imageschaden angerichtet, obwohl sie im deutlichen Widerspruch zu der von Kretschmann selbst immer wieder propagierten Transparenz des Regierungshandels stehen. Mit seiner auch im Bundesvergleich herausragenden Popularität zieht der Grüne die gesamte Koalition mit.

Sogar AfD-Anhänger schwärmen von Kretschmann

Sogar Anhänger der Alternative für Deutschland gehören in großer Zahl zu den Kretschmann-Fans. 62 Prozent der AfD-Wähler sind zufrieden oder sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Wie passt das zusammen? Auf der einen Seite Begeisterung für einen Politiker, der Angela Merkels Flüchtlingspolitik stets gutgeheißen hat. Auf der anderen Seite Entrüstung und Zorn über eben diese Angela Merkel. Der Wähler ist manchmal ein rätselhaftes Wesen.

 

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