Projekt an der Universität Hohenheim Gegen schwarze Schafe auf dem Bio-Markt

Bio ist nicht immer gleich bio. Betrugsfälle zu durchschauen, ist nicht leicht. Weder für Landwirte noch für Verbraucher. Foto: Jacqueline Fritsch
Bio ist nicht immer gleich bio. Betrugsfälle zu durchschauen, ist nicht leicht. Weder für Landwirte noch für Verbraucher. Foto: Jacqueline Fritsch

An der Universität in Stuttgart-Hohenheim entstehen Ideen, wie man Betrugsfälle bei Biolebensmitteln erkennen und damit auch verhindern kann. Wenn das klappt, würde sich dies positiv aufs Vertrauen der Konsumenten auswirken.

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Hohenheim - Sind Bioprodukte tatsächlich immer bio? In diesem Bereich der Lebensmittelproduktion kommen Betrugsfälle nicht selten vor. Am gängigsten ist der sogenannte Mengenbetrug, erklärt Michael Bregler vom Forschungszentrum für Bioökonomie an der Universität Hohenheim. Dabei werden zum Beispiel zehn Tonnen eines Bioprodukts hergestellt und auf die Weise mit dem konventionellen Produkt vermischt, damit am Ende 20 Tonnen verkauft werden können. Das nagt am Vertrauen der Konsumenten.

Die Universität Hohenheim hat sich in den vergangenen zwei Jahren mit der Frage beschäftigt, wie man Konsumenten wieder mehr Vertrauen in Biolebensmittel schenken könnte. Die Hochschule beteiligt sich dafür an einem Projekt des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT). Eine Umfrage der Uni unter Konsumenten ergab, dass viele bereit wären, mehr Geld für Produkte auszugeben, wenn sie sich sicher sein könnten, dass sie tatsächlich bio sind.

Das braucht Zeit und ist umständlich

Eine digitalisierte Lieferkette könnte Verbrauchern diese Sicherheit geben, meint Michael Bregler. „Die einzelnen Produkte in der Wertschöpfungskette werden zertifiziert, und das passiert zurzeit oft noch analog“, sagt er. Um alle Zertifikate eines Endprodukts einsehen zu können, müssen also sowohl digitale Dokumente als auch handgeschriebene Zettel zusammengesucht werden. Das braucht Zeit und ist umständlich. „Wenn alle Zertifikate digital vorliegen, kann man diesen Vorteil auch an Konsumenten weitergeben, die zum Beispiel per QR-Code die Herkunft des Produkts durchgängig nachverfolgen können“, sagt Michael Bregler. Händler könnten zudem anhand der Informationen entscheiden, ob sie ein Produkt als bio auszeichnen oder nicht.

Ein zweiter Ansatz, um echte Bioprodukte von falschen zu unterscheiden, ist ein spezielles Analyseverfahren, bei dem eine Probe des Produkts verdampft und in einem Massenspektrometer untersucht wird. „Das wird gerade für Rindfleisch überprüft“, sagt Bregler, „die Messmethode ist relativ simpel, das größere Problem ist der Datensatz“. Das Messgerät muss mit verschiedenen Proben sozusagen trainiert werden. Das heißt, es muss eine große Datenmenge vorliegen, welche Produkte bio sind und welche nicht, damit das Gerät das am Ende selbst entscheiden kann.

Nicht immer aus böser Absicht

Betrugsfälle in der Bio-Lebensmittelproduktion entspringen nicht immer böser Absicht. Es ist auch viel Unkenntnis im Spiel, meint Michael Bregler. „Manche Bauern wissen nicht, dass sie Pflanzenschutzmittel oder Dünger verwendet haben, die nicht bio-zugelassen sind“, sagt er. In anderen Fällen liegen Bio- und Nicht-Bio-Felder zufällig nebeneinander oder die Kontamination findet in der Verarbeitung versehentlich statt. „Unkenntnis zu verhindern, ist aber am einfachsten“, sagt Bregler. Dabei könnte zum Beispiel eine App helfen, die Bauern zeigt, was sie für die Herstellung von Bioprodukten verwenden dürfen und was nicht. Das könnte auch über einen QR-Code auf Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln funktionieren, die der Landwirt scannt.

Bei einer solchen App müsste man sich Gedanken machen, welchen Bio-Standard man als Grundlage verwendet. Bioland und Demeter haben beispielsweise höhere Maßstäbe als die EU-Bio-Richtlinien. Letztere seien der kleinste gemeinsame Nenner, sagt Michael Bregler, deshalb werde in der Regel danach entschieden. „Konsumenten vertrauen diesem Standard meistens, im Großen und Ganzen kann man das auch“, sagt Bregler, „aber es gibt genug kriminelle Energie auf dem Markt, der wir entgegenwirken wollen“.




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