Die fünf Wertstoffhöfe in Stuttgart verzeichnen seit zehn Jahren beständig steigende Nutzerzahlen. Das Bringsystem wurde auch in Pandemiezeiten gut angenommen. Finanziert wird es über die Abfallgebühren.

Stuttgart - Die Wertstoffhöfe der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in den Stadtbezirken Münster, Hedelfingen, Plieningen, Weilimdorf und Vaihingen erleben einen wachsenden Andrang. Viele Nutzer kamen auch in der Coronazeit, weil sie zu Hause Keller oder Garagen aufgeräumt oder das eigene Heim mit kleineren oder größeren Renovierungen im Do-it-yourself-Verfahren wohnlicher gestaltet haben. So manches wurde während der Coronazeit ausgemistet.

336 025 Anlieferer zählten die zuständigen Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) allein im vergangenen Jahr. Das waren rund 38 000 Besucher mehr als 2019. Vor allem an den Samstagen ist der Andrang groß: „Da haben wir hier Halligalli“, sagt Michael Buckmayer vom Recyclinghof Münster. Oft stehen die Autos dann in Schlange auf der Burgholzhofstraße.

Haushaltsübliche Mengen können kostenfrei abgegeben

Aber auch in der Langzeitbetrachtung schießen die Nutzerzahlen der fünf Stuttgarter Recyclinghöfe ordentlich in die Höhe. In den vergangenen zehn Jahren stiegen sie jedenfalls um rund 70 Prozent: „Die Anzahl der Anlieferer wird seit 2011 erfasst. Seitdem erfreuen sich die Wertstoffhöfe stetig steigender Besucherzahlen“, sagt Frank Altmann, der bei der AWS für diesen Unternehmensbereich zuständig ist.

Mehr als jeder zweite Stuttgarter Bürger nutze rein statistisch gesehen „einen Wertstoffhof einmal pro Jahr“, sagt er. Jetzt im Herbst kommen auch viele Gartenbesitzer, die in diesem feuchtwarmen Sommer ihren massiver anfallenden Grünschnitt loswerden wollen. Haushaltsübliche Mengen können kostenfrei abgegeben werden. Die Obergrenze liegt aber bei zwei Kubikmeter pro Tag. Auch Altpapier und Kartonagen werden häufig gebracht. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr auf allen fünf Wertstoffhöfen 2220 Tonnen Grüngut und 1750 Tonnen Papier und Kartonagen zusammen. Auch große Mengen an Sperrmüll landen auf den Höfen: 2710 Tonnen waren es allein im Jahr 2020, außerdem 2400 Tonnen Elektroschrott, 3700 Tonnen Altholz, 980 Tonnen Altmetall und 90 Tonnen Kunststoffe.

Die Kosten betrugen im Jahr 2020 rund 2,49 Millionen Euro

Gewerbliche Anlieferer seien zwar auf den Höfen zugelassen, aber der Anteil der privaten Anlieferer betrage geschätzt etwa „90 bis 95 Prozent“, sagt Altmann. Der Leiter der Wertstoffhöfe bei der AWS erklärt weiter: „Wichtig ist, dass der angelieferte Abfall und Wertstoff aus einem Stuttgarter Haushalt kommt: Gemäß der Betriebs- und Benutzungsordnung der Stuttgarter Wertstoffhöfe sind nur an die öffentlichen Hausmüllabfuhr im Stuttgarter Stadtgebiet angeschlossene Haushaltungen berechtigt, die Anlagen zu benutzen.“ Denn finanziert werden die Wertstoffhöfe nahezu ausschließlich über die städtischen Restmüllgebühren – also übers Portemonnaie der hier lebenden Bürger. Die Investitions- und Betriebskosten für die fünf von der AWS betriebenen Wertstoffhöfe in Stuttgart betrugen im Jahr 2020 rund 2,49 Millionen Euro. Die Einnahmen beliefen sich lediglich auf 0,31 Millionen Euro.

Recycling und Wiederverwertung dürften in den kommenden Jahrzehnten weiter an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen

Zertifizierte Unternehmen kümmern sich um die Abholung und Weiterverwertung des recycelbaren Abfalls: Das sind vor allem Altmetalle und Kabel, aber auch Altpapier und Kartonagen, Altholz, Kunststoffe, Elektroaltgeräte, Styropor und Folien, Rundglas und Korken. Nachdem die Wertstoffe entnommen worden sind, gehe der nicht verwertbare Anteil in die Verbrennungsanlage der EnBW nach Münster, sagt Altmann.

Übrigens ist mancher Schrott inzwischen auch ganz schön was wert. Für die gesammelten Steckerkabel bekommt man etwa 1000 Euro pro Tonne. Angesichts immer knapper werdender Rohstoffe, steigender CO2-Preise und wachsender Umweltprobleme dürfte das Thema Recycling und Wiederverwertung in den kommenden Jahrzehnten weiter an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Der AWS-Geschäftsführer Markus Töpfer lässt jedenfalls keinen Zweifel daran aufkommen, dass er auch in Zukunft verstärkt auf das Konzept der Wertstoffhöfe setzt: „Dieses Bringsystem erfreut sich wachsender Beliebtheit und ist ein wichtiger Beitrag zur Müllvermeidung, den wir, wenn es irgendwie geht, weiter ausbauen wollen. Daher prüfen wir gerade, was wir noch verbessern können.“