150. Geburtstag Bosch stiftet Schule für Jugendliche aus aller Welt

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Zum 150. Geburtstag von Robert Bosch investieren Stiftung und Firma 40 Millionen Euro in ein internationales Internat in Freiburg.

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Freiburg - Für jeden Jugendlichen muss es ein großes Abenteuer sein, das Elternhaus zu verlassen, für zwei Jahre in einem fremden Land zu leben, sich dort sozial zu engagieren und an einem Internat das internationale Abitur zu machen. Das sind Erfahrungen fürs Leben. Die Robert Bosch Stiftung und das Unternehmen Robert Bosch GmbH, beide in Stuttgart ansässig, eröffnen diese Chance jetzt Schülern aus aller Welt: Die Stiftung wird das denkmalgeschützte ehemalige Kartäuserkloster Kartaus bei Freiburg erwerben – bis 2014 soll es renoviert und um ein neues Gebäude erweitert werden. Dafür investieren Firma und Stiftung je 20 Millionen Euro – es ist das größte Einzelprojekt in der Geschichte der Robert Bosch Stiftung.

Anlass ist der 150. Geburtstag von Robert Bosch, der am 23. September gefeiert wird. Bildung und Völkerverständigung waren zwei zentrale Anliegen des sehr sozial eingestellten Firmengründers; die Stiftung führt dessen Arbeit fort. „Diese Schule steht deshalb für alles, wofür die Stiftung auch steht“, sagt Geschäftsführer Dieter Berg: „Sie passt deshalb ideal zu uns.“

Als Partner wurde die Stiftung United World College ins Boot geholt, die seit 1962 insgesamt 13 Schulen in Kanada, Swaziland, Hongkong und zehn anderen Ländern unterhält. Die Idee ist einfach: Nationale Komitees sichten die eingehenden Bewerbungen aus 178 Staaten und wählen besonders begabte und engagierte junge Menschen aus, und zwar ohne Rücksicht auf die soziale Herkunft. Jeder, der es benötigt, erhält vom United World College (UWC) ein Stipendium. Die Jugendlichen leben zwei Jahre in einer der Schulen – in jedem Viererzimmer wohnen drei Schüler aus verschiedenen Nationen sowie ein Schüler aus dem Gastgeberland. So sollen auch in Freiburg die rund 200 Jugendlichen der elften und zwölften Klasse Botschafter ihres Landes werden. Gründer des UWC ist der deutsche Pädagoge Kurt Hahn (1886-1974), der mit Robert Bosch in Briefkontakt gestanden hatte, 1933 aber emigrieren musste.

Wie aus einem Harry-Potter-Film

Die Kartaus in Freiburg wird nun die erste UWC-Schule auf deutschem Boden sein. Die deutsche UWC-Sektion soll die Schule allein führen, Bosch will sich später allenfalls mit Stipendien finanziell beteiligen. Für Freiburg hatte sich die Bosch-Stiftung entschieden, weil die Schule den Schwerpunkt Natur und Technik haben wird und die Universität direkt nebenan liegt. Zudem suchte man nach einem repräsentativen Gebäude – das Mutterhaus des UWC in Wales ist im Schloss St. Donats aus dem 12. Jahrhundert untergebracht und hätte durchaus als Drehort für die Harry-Potter-Filme dienen können. Mit dem Kloster hat die Stiftung eine Anlage gefunden, die ebenfalls ein ganz besonderes Flair bietet. Der Grundstein für die Schule soll am 23. September gelegt werden.

Das Internat ist allerdings nicht das einzige Projekt, das die Robert Bosch Stiftung zum großen Geburtstag ins Leben gerufen hat. Daneben fällt heute in Berlin der Startschuss für die Kampagne „Die Verantwortlichen“. Eine Jury hat 150 Menschen aus ganz Deutschland ausgewählt, die 150 Tage lang – ebenfalls bis zum 23. September – ihren Einsatz mit einer Kamera festhalten und sie im Internet vorstellen. So sollen möglichst viele Menschen zum Mitmachen und Nachahmen motiviert werden. Aus der Region Stuttgart macht zum Beispiel Anwar Al Assadi mit: Vor zehn Jahren kam der heute 19-Jährige aus dem Irak nach Deutschland und kämpfte sich von der Hauptschule zum Abitur hoch. Mit anderen Engagierten gründete er im Jahr 2007 die Aktion „Jugend hilft Jugend“ – 30 Gymnasiasten und Studenten geben schwächeren Schülern Nachhilfe. Am 7. Mai startet das Projekt Spurensuche: An zwölf Terminen führt die Stuttgart Marketing Interessierte in einem Oldtimerbus zu den authentischen Bosch-Orten in Stuttgart, vom Wohnhaus in der Heidehofstraße bis zum Archiv in Feuerbach. Eine Geburtstagsfeier in der Alten Reithalle rundet das Jubiläum ab. Natürlich wird auch die am 23. September stattfinden.

Mehr Informationen gibt es unter www.uwc.de und www.verantwortung-unternehmen.org.

 

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Sprachliche Horizonterweiterung: Eine gute Sache und in bester Robert-Bosch-Tradition! Glückwunsch! Hoffentlich fehlt im Fächerkanon nicht das Fach Deutsch! Denn wenn die Deutschen sich abschaffen, dann nicht durch Einwanderung sondern durch Vernachlässigung und Marginalisierung ihrer eigenen Sprache und Kultur. In diesem Sinne: Je besser man Englisch kennt und kann, desto besser versteht, beherrscht und ästimiert man die eigene Muttersprache. Hoffentlich!

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