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Landenberger wählt eine ergiebige Doppelstrategie. Er zeigt zwar den Trainer und den Boxer auch mal getrennt voneinander, aber der gern seine Ansichten über Boxen und Leben bekennende Mittermeier darf sogar aus dem Off die Tonspur füllen, während wir von Kryeziu nur das wenige hören, was er mit Freunden und Familie spricht. Meist sehen wir ihn als Körper in Bewegung, im Sparring und im Kampf.
Das ist kein bisschen denunziatorisch gemeint, schließlich sagt schon der Titel „Der Trainer“, dass dies kein Doppelporträt werden soll. Es unterstreicht aber den sich allmählich formenden Eindruck, dass Mittermeier – wie vielleicht jeder engagierte Boxtrainer – seinen Schützling als Erweiterung seiner selbst begreift, dass er den fremden jungen Körper so kontrollieren möchte, als sei es der eigene.
Dokumentarfilm sticht hervor
Die Filmschau zeigt Animationsfilme, kurze und lange Komödien, Krimis, Beziehungsstücke – aber es ist dieses Jahr doch der Dokumentarfilm, der besonders hervorsticht. „Adopted“ (Freitag, 20.30 Uhr) von Gudrun F. Widlok und Rouven Rech ist formal nicht besonders auffällig, eine solide Aneinanderreihung von Beobachtungen und Selbstauskünften der Protagonisten. Dahinter aber verbirgt sich eine originelle, bedenkenswerte Geschichte.
Widlok hat sich vor einigen Jahren das Kunstprojekt „Adopted“ ausgedacht, hat den Vorschlag gemacht, einsame Europäer sollten sich von afrikanischen Großfamilien adoptieren lassen und bei ihnen das wärmere Leben finden. Diese Umkehrung der üblichen Geber-Nehmer-Verhältnisse, diese Zerschlagung des Bildes von Afrika als bloßem Problemfeld, hat etliche Menschen aufgewühlt. „Adopted“ beobachtet drei solcher Versuche, sich neu zu verwurzeln und als Europäer in Ghana das zu finden, was wir hier so gründlich als Einengung des Individuums bekämpft haben, enge Familienbindungen nämlich.
Natürlich sehen wir in diesem Film die meiste Zeit Illusionen beim Platzen zu. Aber wie die Menschen mit Enttäuschung umzugehen versuchen, auch wie sie vor der allgegenwärtigen Kamera das Gesicht wahren wollen, das ist spannend anzuschauen. Auch wenn, was der Festivalleiter Oliver Mahn vom Filmbüro Baden-Württemberg andeutet, vielleicht noch ein bisschen sehr optimistisch ist: dass sich wieder, wie schon einmal, eine Stuttgarter Schule des Dokumentarfilms herausbilden könnte.

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