Abfindungsprogramm Daimler lockt mit bezahlter Freistellung

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In der Lastwagensparte sollen bis zu 2000 Stellen in Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb gestrichen werden. Stuttgart ist stark betroffen.

Die Chefs sind unzufrieden mit der Lastwagensparte, obwohl der Actros gefragt ist. Foto: Daimler AG
Die Chefs sind unzufrieden mit der Lastwagensparte, obwohl der Actros gefragt ist. Foto: Daimler AG

Stuttgart - Der Betriebsrat und die Geschäftsleitung von Mercedes-Benz Lkw haben sich auf bessere Konditionen für die ausscheidenden Mitarbeiter in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung geeinigt. Bei Mercedes-Benz Lkw sollen 400 Millionen Euro bis Ende 2018 eingespart werden. Für den damit verbundenen Personalabbau gibt es keine Planzahl, da der Betriebsrat dies abgelehnt hat. Wie zu hören ist, geht es um bis zu 2000 Mitarbeiter. Um Beschäftigten einen Anreiz zu geben, eine Ausscheidensvereinbarung zu unterschreiben, gibt es nach Informationen der Stuttgarter Zeitung abweichend von der üblichen Praxis zusätzlich zur Abfindung eine bezahlte Freistellung für fünf Monate vor dem vereinbarten Ausscheiden.

Für Mitarbeiter, die auf diese Freistellung verzichten und bis zum Schluss weiterarbeiten, erhöht sich die Abfindung um bis zu 7,5 Bruttomonatsentgelte. Die weiteren Konditionen orientieren sich an einem Rahmenplan, der regelt, wie bis 2020 Personal abgebaut werden kann; bis zu diesem Jahr gilt bei Daimler eine Betriebsvereinbarung, die Entlassungen ausschließt. Wer geht, erhält je nach Alter und Dauer der Betriebszugehörigkeit einen Sockelbetrag von 10 000 bis 20 000 Euro.

Die Turboprämie beträgt mindestens 17 500 Euro

Hinzu kommt die eigentliche Abfindung, die sich für Beschäftigte bis zum Alter von 39 Jahren an der Dauer der Betriebszugehörigkeit orientiert und bis zu 18 Bruttomonatsentgelte umfasst. Ältere erhalten bis zu 40 Bruttomonatsentgelte (Altersgruppe der 50- bis 56-Jährigen). Zudem können die Mitarbeiter eine Beratung für die Vermittlung in einen neuen Job in Anspruch nehmen; wer darauf verzichtet, erhält 10 000 Euro. Wer sich in den ersten drei Monaten zur Annahme des Angebots entschließt, hat schließlich noch Anspruch auf eine sogenannte Turboprämie von mindestens 17 500 Euro.

Der Betriebsrat hat mit der Unternehmensleitung zwar die Vereinbarung zur Umsetzung des Personalabbaus abgeschlossen; die Arbeitnehmervertreter halten es aber für falsch, nur auf die Kosten zu schauen und mahnen deshalb Schritte an, die zu zusätzlichen Erlösen und zur Rückgewinnung von Marktanteilen führen. In einer Information an die Beschäftigten heißt es: „Während sich Daimler insgesamt hervorragend entwickelt, hat sich die Ergebnissituation im Geschäftsfeld Mercedes-Benz Trucks seit 2011 um mehr als 80 Prozent verschlechtert, bei stabilem Umsatz und kaum verringerten Fixkosten.“ Das Management hat den Mitarbeitern schon vorgerechnet, dass die Fixkosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen, mit 28 Prozent vom Umsatz höher sind als bei der Konkurrenz mit 21 Prozent; die Differenz soll 850 Millionen Euro ausmachen. Von den 26 000 Beschäftigten arbeiten nur 11 000 in der Produktion.

Zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer

Bei dem nun anvisierten Personalabbau geht es ausschließlich um Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung; hier arbeiten die „restlichen“ 15 000 Männer und Frauen bei Mercedes-Benz Lkw, davon 6300 in Deutschland. Die größten indirekten Bereiche bestehen im Werk Wörth (3600 Beschäftigte) und in der Zentrale Stuttgart (2000 Mitarbeiter). Außerdem gehören zu der Sparte die Standorte Türkei und Brasilien, die aber vom Abbau ausgenommen sind. Weitere Sparmaßnahmen sind der weitgehende Verzicht auf Leiharbeiter und eine restriktivere Vergabe von Werk- und Dienstverträgen.

Die Vereinbarung mit dem Betriebsrat gilt für Beschäftigte bis zur Führungsebene E4 (Teamleiter). Nach Ansicht des Vorstands muss und kann aber auch auf den Ebenen E3 und E2 gespart werden, da diese Führungskräfte jeweils für zu wenige Mitarbeiter zuständig seien. Die sogenannte Führungsspanne sei zu gering, heißt es.