Abitur in Stuttgart Schüler grübeln über Feinheiten der Sprache

Von Laura Grundmann 

Mit Deutsch begann für die Abiturienten am Dienstag die schriftliche Prüfung, an diesem Mittwoch gehen auch die Abschlussklassen der Realschulen, Werkrealschulen und Hauptschulen in den Prüfungsmodus. Die Angst vor Mathe hält sich in Grenzen.

Jon Juwara macht am Friedrich-Eugens-Gymnasium Abitur. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Jon Juwara macht am Friedrich-Eugens-Gymnasium Abitur. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Schilder mögen sich ge­stalterisch unterschieden haben, die Aus­sage war an 40 Schulen die gleiche: „Ruhe bitte – Abitur“. Für 2438 ­Schüler staatlicher Gymnasien und 745 angehende Abiturienten von privaten Gymnasien begann am Dienstag das schriftliche Abitur mit dem Fach Deutsch. Landesweit treten 53 300 Gymnasiasten zur Abschlussprüfung an.

Anderer Zugang zur Literatur

Pünktlich um 8 Uhr saßen unter anderem im Friedrich-Eugens-Gymnasium in Stuttgart-West 58 Schüler vor weißen Papier­bögen. „In unseren Klassen sind mehr­heitlich Jungen“, sagte Rektor Stefan Wilkin. Ein Grund dafür könnte das naturwissenschaftliche Profil der Schule sein. Doch dass sich die an Technik, Mathematik oder Physik interessierten Abiturienten deswegen weniger für Themen in Deutsch interessierten, kann Stefan Wilkin nicht bestätigen: „Ihnen fehlt nicht der Zugang zu Literatur und Sprache, sie haben einfach einen anderen Zugang und gehen anders mit dem Thema um.“

Zum Beispiel durch die Wahl des Prüfungsthemas, wie Jon Juwara darlegte. Der 19-Jährige ist einer der ersten, die nach mehreren Stunden den Stift beiseite gelegt haben. „Ich habe ein Essay geschrieben zur „Macht der Sprache“, sagt er. Am Beispiel von Flugangst habe er die Funktionsweise und den Gebrauch von Sprache verdeutlicht. „Ich hoffe nur, dass ich keinen Punkteabzug für meine schwer lesbare Schrift bekomme. Wenn ich schnell schreibe, schreibe ich schlampig.“

Literarische Vergleiche bedeuten Mehrarbeit

Sein Kollege Philipp Smponias gehörte ebenfalls zu den ersten zehn, die aus dem Prüfungsraum kamen. „Das Essaythema war sehr gut“, sagte er. Insbesondere lobte er die Beispiele aus dem Dossier, das dem ­Abi-Thema zugrunde lag. Das bestätigte ­Alexander Siebigr (18), der an der Aufgabe vor allem „die klare Fragestellung“ schätzte.

Ein Werkvergleich zwischen den Autoren Max Frisch, Georg Büchner oder Peter Stamm? „Das ist viel mehr Arbeit bei der Vorbereitung“, sagte die Mehrzahl der angehenden Abiturienten im Stuttgarter Westen. Auch Bojan Adamovic (18) wählte lieber die Interpretation eines Kurzprosastücks.

Bei der zu erwartenden Note gingen die Einschätzungen weit auseinander. Einige hoffen auf ihre durchschnittlichen acht Punkte, andere sind überzeugt, ein zweistelliges Ergebnis erreicht zu haben.

Schüler mögen an Mathe die klaren Abläufe

Dass die Mathematikprüfung nahezu zum Schluss des schriftlichen Abis ansteht, macht den Gymnasiasten vom Friedrich-Eugens-Gymnasium überhaupt nicht zu schaffen. „Mathe ist kein Problem“, sagen sie. Dabei gebe es wenigstens keine Überraschungen. Alexander Siebigr meinte: „Da gibt’s klare Wege und Abläufe.“

An diesem Mittwoch beginnen außerdem für rund 40 000 Realschüler an den 430 staatlichen und 80 privaten Realschulen sowie an den 36 Abendrealschulen in Baden-Württemberg die schriftlichen Abschlussprüfungen. Sie müssen sich in den Fächern Deutsch, Mathematik und in einer Pflichtfremdsprache beweisen. Der Termin für Mathematik ist auf Freitag, 28. April, festgelegt. Die Fremdsprachenprüfungen finden am 3. und 4. Mai statt.

Im Rahmen der mündlichen Prüfungen, die zwischen dem 21. Juni und dem 7. Juli stattfinden, müssen Realschüler eine fächerübergreifende Kompetenzprüfung ablegen. Deren Inhalte und Fertigkeiten beziehen sich auf mindestens zwei Fächer oder Fächerverbünde des Bildungsplans. Das Thema mussten die Schüler bereits im vergangenen Herbst wählen und anschließend in Gruppen bearbeiten. Abschließend legen die Teams eine Dokumentation vor und präsentieren ihre Ergebnisse gemeinsam.

Glückwünsche von Kultusministerin

Für rund 35 000 Hauptschüler der Klassenstufen 9 und 10 beginnen die Abschlussprüfungen ebenfalls an diesem Mittwoch an 682 staatlichen sowie 44 privaten Haupt- und Werkrealschulen. Erstmals treten in diesem Jahr auch 2400 Schüler zur Prüfung an, die aus den neunten Klassen der mehr als 300 Gemeinschaftsschulen stammen.

Für Schüler, die den Werkrealschul­abschluss ablegen möchten, beginnen die Prüfungen am Donnerstag, 27. April, mit dem Fach Deutsch; Mathematik und Englisch folgen am 4. und 11. Mai. Dieser Bildungsabschluss soll insbesondere den Einstieg in die duale Berufsausbildung erleichtern, teilte das Kultusministerium mit.

Den Prüfungsteilnehmern wünschte ­Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag „das nötige Durchhaltevermögen und viel Erfolg“.