Ägyptische Hieroglyphen Lesen für die Seligkeit

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Der Fluch des Pharao, das Rätsel des Sphinx und ganz aktuell die Suche nach Nofretetes Grab: die Faszination, die von den alten Ägyptern ausgeht, ist ungebrochen. Sogar Hieroglyphenkurse verströmen eine unglaubliche Anziehung.

Diese Hieroglyphen sind Teil einer Inschrift im Grab von König Ramses VI. im Tal der Könige in Ägypten. 
Foto: Mauritius Foto:  
Diese Hieroglyphen sind Teil einer Inschrift im Grab von König Ramses VI. im Tal der Könige in Ägypten. Foto: Mauritius

Heidelberg - Zu Beginn sagt Michael Höveler-Müller einen Satz, der bedrohlich klingt: „Sie werden mich heute Abend hassen.“ Höveler-Müller steht im Raum Sidney des Conventioncenters in Heidelberg. Nebenan im Raum Los Angeles lassen sich Steuerberater schulen, vorne im Saal Berlin tagen Hämophilieexperten. Die sieben Frauen und zwei Männer im Raum Sidney wollen Hieroglyphen lernen.

Doris Mann zum Beispiel: hat als Kind „Sinuhe, der Ägypter“ gelesen, seither ist sie begeistert von der Hochkultur am Nil. Oder Dietmar Hoffmann: ist mit dem Altägypten-Virus infiziert, seit er vor vielen Jahrzehnten „Maciste, der Rächer der Pharaonen“ gesehen hat. Bestimmt 20-mal hat er das Land seither bereist. Oder Tamara Martinovic, die sich „einfach so“ für Dynastien, Pyramiden und alles andere interessiert, was seit zweieinhalbtausend Jahren Geschichte ist. Sie gehört sogar einem Förderverein für Ägyptologie an.

Kurze Frage zwischenrein: Warum sollte man Hieroglyphisch lernen?

Schöne Antwort dazu: „Man kann die Musik von Leonard Cohen genießen, auch wenn man kein Englisch kann. Aber mit Englisch ist es viel besser.“ Genauso, erklärt der 41 Jahre alte Höveler-Müller weiter, verhalte es sich mit den Hieroglyphen.

Neun Stunden hat der Dozent für seinen Workshop angesetzt, der 179 Euro kostet, den Titel trägt „Talk like an Egyptian“ und mit der bedrohlichen Prophezeiung beginnt. Na dann viel Spaß!

Worte mit Schilfblättern

Das altägyptische Alphabet ist eine Augenweide. Seine Buchstaben haben die Form eines Löwen oder einer Kobra. Es gibt Worte, die beginnen mit Schilfblättern und enden mit einer Krone. Und wenn man ein Gebilde entdeckt, in dem ein verhangener Mond und ein gefaltetes Stück Stoff vorkommen, muss man verstehen, dass die Zeichen für Michael Höveler-Müller etwas Meditatives haben. „Lesen Sie mal“, befiehlt der Dozent, der seinen Schülern, die 25 grundlegenden Hieroglyphen eingetrichtert und ein Bild mit umwerfenden Zeichen an die Wand gezaubert hat.

„Steht da ein Adler oder ein Küken?“ – „Ein Küken, zu erkennen am Popo!“ Und: „Stellt die Hand ein A dar oder ein T?“ – „Ein D!“ Passabel für den Anfang. Da kann man in den Zeichen an der Wand schon mal König Pepi entdecken, einen bekannten Herrscher der sechsten Dynastie.

Zeit für Deutzeichen: Deutzeichen, doziert der Dozent, beschreiben eine Person, einen Gegenstand oder eine Tätigkeit. Höveler-Müller kritzelt einen Tisch an die Tafel, der in Wahrheit das Himmelsgewölbe darstellt, aus dem ein Pfeil schießt, der tatsächlich ein Blitz ist. Bedeutet: Nacht. „Ist das nicht genial?“, ruft der Lehrer. Und hier, diese sitzende Figur, was heißt das? „Sitzer“, scherzt Vera Fritzen. „Herrentoilette“, gackert Uli Marx-Schelper. „I break together“, kalauert Höveler-Müller. Der Sitzer steht, ganz schlicht, für Mann.

Noch vor der Mittagspause kann die Hieroglyphen-Klasse entziffern: „Mond ist das Auge des Sonnengottes in der Nacht.“

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