AfD-Spitzenkandidat Bernd Kölmel „Ich fühlte mich politisch heimatlos“

Von Elisa Wedekind 

Viele Jahre ist er ein überzeugter Christdemokrat gewesen. Nun will Bernd Kölmel aus Ötigheim (Kreis Rastatt) als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ins Parlament. Er glaubt, die AfD könnte acht bis zehn Prozent der Stimmen holen.

Bernd Kölmel war lange Jahre in der CDU; doch wegen Angela Merkels Euro-Rettungspolitik ist er nun Mitbegründer und Spitzenkandidat der AfD im Südwesten. Foto: Michael Steinert
Bernd Kölmel war lange Jahre in der CDU; doch wegen Angela Merkels Euro-Rettungspolitik ist er nun Mitbegründer und Spitzenkandidat der AfD im Südwesten. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Viele Jahre ist er ein überzeugter Christdemokrat gewesen. Die Finanzpolitik der Bundesregierung habe er allerdings schon länger kritisch beobachtet, sagt Bernd Kölmel aus Ötigheim (Kreis Rastatt). „Als dann die Eurokrise aufkam, hat sich das Blatt für mich dramatisch geändert“, erklärt er. Innerhalb seiner Partei habe er versucht, zum Umdenken zu bewegen. Als das scheiterte, trat er im Sommer 2012 aus der CDU aus. Jetzt führt er als Südwest-Spitzenkandidat die Eurokritiker der Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestagswahlkampf.

Der 54-Jährige kennt sich aus mit Staatsfinanzen und dem Euro. Er arbeitet als ­Referatsleiter beim Landesrechnungshof ­in Karlsruhe und ist zuständig ­für Haushaltsgrundsatz- und Querschnittprüfungen im Bereich Landeshaushaltsrechnung. Kölmels berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung bei der Polizei in Göppingen; er arbeitete in Heidelberg und in Baden-Baden. Seit Mitte der 80er Jahre lebt er wieder in seinem Heimatort Ötigheim. „Ich bin eben ein badisches ­Urgestein“, sagt der AfD-Mann. Auf dem zweiten Bildungsweg machte Kölmel Abitur, studierte anschließend Rechtspflege und arbeitete beim Amtsgericht in Baden-Baden sowie beim Bundesverfassungs­gericht in Karlsruhe.

Mit Anfang 20 trat Kölmel in die CDU ein – „aus Überzeugung“, wie er betont. Er engagierte sich in der Jungen Union, war später einige Jahre CDU-Ortsvorsitzender in Ötigheim. Bei der Kommunalwahl 2004 wurde er in den Gemeinderat gewählt. „Die Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht“, erklärt der 54-Jährige. Seine politische Kehrtwende liege letztlich vor allem in der Zustimmung seiner Partei zum Euro-Rettungsschirm begründet, sagt Kölmel. Er habe jedoch als CDU-Mitglied diese Entscheidung weder tolerieren noch aktiv mittragen können. Er schrieb einen Brief an seinen Bundestagabgeordneten, versuchte Alternativen aufzuzeigen – ohne Erfolg.

Bundesweit mehr als 11.000 Mitglieder

„Ich habe schnell gemerkt, dass meine Position nicht mehrheitsfähig ist und nicht zum internen Umschwenk führt“, sagt Bernd Kölmel. Zwar hätten auf unterer Ebene viele gesagt, dass es nicht richtig sei, was man da mache. „Faktisch aber wurde so getan, als wäre es alternativlos“, erklärt er. „Dabei stimmt das überhaupt nicht.“ Enttäuscht trat Kölmel im Sommer 2012 aus der CDU aus und fühlte sich monatelang „politisch heimatlos“, erzählt er.

Bei der AfD ist Bernd Kölmel schließlich fündig geworden. Er ist ein AfDler der ersten Stunde, zusammen mit fünf Kollegen hat er im Auftrag des Bundesvorstandes die Parteistrukturen in Baden-Württemberg aufgebaut. Inzwischen hat der Landesverband rund 1700 Mitglieder, bundesweit sind es nach Parteiangaben mehr als 11 000. Beim Listenparteitag in Stuttgart wurde Bernd Kölmel zum Spitzenkandidat für die Bundestagswahl gewählt. Er ist überzeugt, dass die AfD ins Parlament einziehen wird. „Wenn die Lage so bleibt wie jetzt“, prognostiziert er, „dann schaffen wir acht bis zehn Prozent.“

Die südeuropäischen Länder sollen aus dem Euro aussteigen

Zwar scheint es, als verliere die AfD bundesweit schon wieder an Boden. Dem ARD-Deutschlandtrend in der vergangenen Woche zufolge kommen die Eurokritiker nur noch auf zwei Prozent, ein Punkt weniger als in der Vorwoche. Bernd Kölmel beunruhigt das aber nicht. Vielmehr sollten die anderen Parteien Angst vor der AfD haben („denn wir haben die besseren Argumente“). Man werde Demokratie und Volkswillen wieder zur Geltung verhelfen, seinen Aussagen treu bleiben und keine abgehobene Politik machen, erklärt Kölmel. Zudem vereine die AfD volkswirtschaftlichen Sachverstand. „Fachlich sind wir in diesem Bereich hervorragend aufgestellt“, sagt er.

Die AfD gilt als Professorenpartei, auf der Liste der Hauptzeichner finden sich zahlreiche Wissenschaftler, deren Forderung im Übrigen nicht die Einführung der D-Mark sei, wie Kölmel erklärt. „Wir plädieren für eine Umorganisation des Eurogebietes auf eine sinnvolle Größenordnung und den Ausstieg der südeuropäischen Länder“. „Und wir wollen keine weiteren Haftungsübernahmen Deutschlands.“ Dass die AfD eine „Eintagsfliege“ wie die Piratenpartei werden könnte, glaubt Kölmel nicht. „Wir haben eine andere Klientel, die lebens- und berufserfahren ist und weiß, wie man sich organisiert“, sagt er. „Wir möchten Dauerhaftes schaffen.“