InterviewAfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen Weder Brandstifter noch Biedermann

Von und Reiner Ruf 
Sind Sie nicht ein Musterexemplar des Biedermanns in der Rolle des Brandstifters?
Ich halte den Biedermann wie den Brandstifter für falsch. Wenn man wirklich bieder ist, kann man nicht Vorsitzender dieser Partei sein. Dazu steht man viel zu sehr unter Feuer. Ein echter Biedermann würde sich das nicht geben. Nur neige ich nicht zu Verbalradikalismus. Brandstifter ist erst recht falsch. Es ist so: Ich bin in tiefer Sorge um unser Land. Das driftet auseinander – und zwar gehörig.
Dazu tragen Sie wacker bei.
Das sehe ich anders.
Sie mobilisieren die niedrigsten Instinkte der Menschen. Um dies zu erkennen, muss man doch nur in die sozialen Netzwerke schauen. Die AfD schafft einen Überbau, der Menschen das Gefühl gibt, jetzt dürften sie ihr rassistisches Denken offen äußern.
Es wird gezündelt, von beiden Seiten, und das widerstrebt mir. Wir werden als brauner Bodensatz bezeichnet, als Anti-Demokraten, als rassistische Hetzer – auch damit wird Öl ins Feuer gegossen. Ich will das nicht. Unser Land ist derzeit in einer ganz fragilen Verfassung. Deshalb brauchen wir einen Minimalkonsens, dass wir uns nicht auf diese Weise attackieren.
In Ihrem Wahlprogramm ist von „verantwortungslosen politischen Hasardeuren“ die Rede. Das ist eine Rhetorik, die sich in anderen Parteiprogrammen nicht findet und die stark an Carl Schmitt erinnert, der den politische Gegner als Feind fasst. Sie sprechen von „Altparteien“. Die Anklänge an die Weimarer Republik sind offensichtlich.
„Altparteien“ ist eine jener Vokabeln, die der political correctness nicht genügen, weil sie zu unseligen Zeiten Deutschlands Verwendung gefunden haben. Müssen wir das so weit treiben? „Altparteien“ heißt für mich: Wir haben hier alteingesessene Parteien, die sehr stark verbraucht sind und keine Antworten haben auf die Probleme, vor denen dieses Land steht; Parteien, die dringend erneuerungsbedürftig sind. Ich halte diese Vokabel für eher unverfänglich.
Sie könnten auch von etablierten Parteien sprechen.
Mache ich. Neuerdings rede ich auch von Kartellparteien. Wir haben ein Kartell von Parteien, die an den Futtertrögen dieser Republik sitzen und uns da partout nicht ranlassen wollen.
Wenn von einer „gleichgeschalteten Medienlandschaft“ die Rede ist, fragen wir uns, welches Medienverständnis Sie haben.
Der Begriff käme mir nie über die Lippen.
Der steht in ihrem Wahlprogramm.
Der Begriff Gleichschaltung ist weitaus kontaminierter als der Begriff Altpartei. Ich fühle mich von den Medien – in sagen wir: 90 Prozent der Fälle – ordentlich behandelt.
Zählt die AfD zu den rechten Parteien, die in Europa derzeit im Aufwind sind: vom Front National bis zur FPÖ in Österreich?
Klares Nein. Ich halte dieses Links-Rechts-Schema ohnehin für überkommen. Wir haben sogar Inhalte, die sind deckungsgleich mit der Linken. Lesen Sie mal unsere Positionen zu TTIP oder zu Waffenlieferungen an Saudi-Arabien. Wir haben in einzelnen Punkten Deckungsgleichheit mit der CDU, selbst mit den Grünen. Wenn wir dann in den Landtag kommen, machen wir dort eine vitale Oppositionsarbeit, und dann werden die anderen schon merken, dass sie es mit vernünftigen Leuten zu tun haben.
Aber die anderen, das sind doch alles Hasardeure.
Das sind nicht alles Hasardeure. Aber es gibt in den Parteien relativ viele Leute, die über eine Parteikarriere hochkamen, sonst aber nichts Gescheites geleistet haben in ihrem Leben. Mit denen können wir vielleicht nicht so gut zusammenarbeiten.
Ist die AfD eine Protestpartei?
Eine Protestpartei ist gegen etwas und nicht für etwas. Wir sind gegen etwas und für etwas. Wir protestieren gegen die abstruse Form der so genannten Euro- und Griechenlandrettung, wir protestieren gegen diese Form der Zuwanderung. Wenn man uns aber vorwirft, wir hätten keine Lösungen, widerspreche ich massiv.
Was ist ihre Lösung in der Flüchtlingsfrage?
Die perfekte Lösung gibt es nicht, nur die Wahl zwischen Übeln. Langfristig müssen wir das Asylrecht den internationalen Standards anpassen. Kurzfristig kommen wir um Grenzschließungen nicht herum. Wenn Europa es nicht schafft, seinen Außengrenzen wirksam abzusichern, müssen wir unsere nationalen Grenzen dicht machen.
Das kann doch einem Wirtschaftsliberalen nicht gefallen.
Nein, das ist nicht schön. Aber was ist denn die Alternative? Wir machen die Grenze nicht dicht, und in diesem Jahr kommt die nächste Million Flüchtlinge. Die Schließung der Grenzen ist die am wenigsten schlechte Lösung.
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37 KommentareKommentar schreiben

Es ist gut, wenn : die AfD (und wahrscheinlich auch die FDP) in die "Parteienlandschaft" dazustösst, denn die jetzige "Parteienlandschaft" ist durch den Bürger nicht mehr zu ertragen. Untätigkeit,Selbstgefälligkeit,Konzeptlosigkeit, Fehleinschätzungen der Lage, Missachtung der Bürgermitentscheidungen, Streit statt Handlungen. Die Parteien sollen sich fair und auf demokratischer Basis mit der "zukünftigen Landtagspartei AfD" auseinandersetzen !!

Familie als der Keimzelle der Gesellschaft: Viel könnte man sagen, woher die ausführenden Brandstifter, die die Flüchtlingsheime letzten Endes physisch anzünden, denn ihren Ansporn herbekommen, wer sie anfeuert, wer sie ermutigt und ihnen sogar "Moral" für ihre Taten zuspricht. Aber "Familie als Keimzelle der Gesellschaft" sagt eigentlich schon alles: Den Herd zu benennen, an dem die meisten Vergewaltigungen stattfinden, an dem die meisten Traumata ihren Ursprung nehmen, an dem Frauen am häufigsten unterdrückt und Kinder am öftesten geschlagen werden, als Ursprung unserer Gesellschaft zu denunzieren. Jemand, der all das kritiklos als nicht zu hinterfragende Pauschalidylle darstellt, dem ist es offensichtlich ALLES zuzutrauen.

Bitte, diese Brandstifter-Partei nicht "schön" reden. : Sondern Butter bei die Fische..... Meuthen war gestern abend unfähig, sich für die maßlosen Beleidigungen zu entschuldigen, die sein Vorstandskollege Frohmeier gegenüber Frau Roth in ausfälligster Weise beging. Eine solche Ausdrucksweise war früher nur Lumpen vorbehalten, sie scheint aber in der AfD zur Regel zu werden. vorbehalten.

Tja, betreffend Frohmeier: Auch wenn die AfD Charaktere oft nerven: Immer schön bei der Wahrheit bleiben. Bild bildet: http://www.bild.de/politik/inland/maybrit-illner/claudia-roth-fordert-nach-facebook-hetze-von-afd-entschuldigung-44300638.bild.html ----------- Sollte sich gar Roth eher entschuldigen müssen?

ach wäre ich Neujahr nur nach Köln gefahren: Ein Bild von Claudia Roth mit einem enttäuschten Gesichtsausdruck und genau diesem Text. Das hat Herr Frohmeier aus Tübingen tatsächlich gepostet. Sollte sie sich dafür entschuldigen? Verkehrte Welt! Diese primitiven Postings zeigen doch ziemlich genau, was mit so einem Typ wie Frohmeier los ist. Übrigens reicht mir bereits sein Konterfei.

Mir ist der auch nicht sympathisch: Und dass der Facebook-Eintrag, wie Sie ihn schildern (danke für die Beschreibung, ich habe ihn nicht gesehen), völlig daneben ist, ist auch klar. Aber Immerhin lautet der Vorwurf: Aufforderung zur Vergewaltigung - ob der angemessen ist, weiß ich nicht so recht. Die positivste Deutung im Sinne des Herrn Frohmeier in seinem Wahn wäre, er will erreichen, dass PolitikerInnen, die gerne schöne Reden schwingen, statt selbst zu handeln, sich mal ganz genau in die Frauen auf der Domplatte in der Silvesterplatte hineinversetzen, in den eklige Spießrutenlauf und das, was sie tatsächlich erdulden mussten (ich hoffe sie kennen den offiziellen Polizeibericht).

Wählen gehen , oder : doch zu hause bleiben ? Wähle ich AfD - D , wie Denkzettel . Bin ich dann ein schlechter Demokrat ? Ist es besser , nicht zu wählen ? Wie verhalte ich mich wunschgemäß ? Die Grünen mag ich nicht , Wolf und Strobl sind mir unsympatisch und zu sehr bei der Kanzlerin ,SPD nein Danke , FDP vielleicht aus Mitleid . AfD als Denkzettel scheint mir optimal . Ich gehe wählen , du gehst wählen , er und sie gehen wählen . Je mehr Nichtwähler zu den Urnen gehen , desto größer wird der Denkzettel .

Kein Brandstifter - aber manche der "Freundchen" sind Brandstifter. : So wie z.B. dieser Markus vom Jungvolk der AfD, der sich nicht entblödete, bei Facebook Claudia Roth als "Vergewaltigerin" zu beleidigen. Auch dieser Thüringer Höcke mit seinem eklatanten Rassenwahn oder dieser NRW-Führer mit seinem Wunsch, dass beim Grenzschutz gegen Flüchtlinge scharf geschossen werden sollte, und zwar ausdrücklich mit tödlichem Ausgang sind für mich nicht nur geistige Brandstifter sondern Leute, die öffentlich zu Verbrechen aufrufen. Wir brauchen weder eine neue NSDAP noch eine AfD.

Kein Brandstifter.: Brandstifter sind diejenigen, die aus einer Unterkunft für 250 Flüchtlinge eine Unterkunft für 400 Flüchtlingen machen, weil sie nicht mehr wissen, wohin mit diesen Menschen. Da werden Versprechen gebrochen und Pläne über den Haufen geworfen, weil man völlig überfordert ist. Aber die Politiker wollen es nicht zugeben. Und dann auch noch mit dem Finger auf die AfD zeigen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Diese geheuchelte Empörung glaubt doch niemand mehr.

im Empören...: ...ist aber doch die AfD Weltmeister. Eine Verschwörungstheorie jagt die nächste.

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