InterviewRapper Afrob „Wir haben Stuttgart ein Gesicht gegeben“

Von Anja Wasserbäch 

Afrob hat seine Hits mit einer Band neu eingespielt. Im Interview spricht er über Frauen im Rap, seine Sehnsucht nach Stuttgart, aktuelle Strömungen im HipHop und alte Weggefährten.

Afrob hat seine alten Lieder neu mit Band eingespielt. Foto: Georg Roske
Afrob hat seine alten Lieder neu mit Band eingespielt. Foto: Georg Roske

Stuttgart - Afrob, aus dem Schoß der Kolchose, hat seine eigenen Lieder mit Band aufgenommen. Ein Gespräch über alte Weggefährten wie Meli von Skills en Masse, seine Sehnsucht nach Stuttgart und Frauen im HipHop. Und über das Palais der Kolchose, die Ausstellung im Wilhelmspalais, die am 23. November startet.

Afrob, „Beats, Rhymes und Mr. Scardanelli“ heißt Ihr Akustikalbum – sind Sie wieder da oder immer noch?
Das liegt im Auge des Betrachters. Ich war nie ganz weg, hatte immer Projekte. Von außen betrachtet, hatte ich die letzten drei Jahre meinen zweiten Frühling. Das liegt daran, dass ich meinen Kopf frei gemacht habe und mich auf das Wesentliche konzentriert habe. Das war das Richtige. Aber ich bin natürlich immer da.
Es ist ein Akustikalbum, das Sie mit Band aufgenommen haben. Sie hatten ja eher immer das klassische Setup mit DJ und MC bevorzugt. Wie kam es, dass Sie sich dann doch dazu entschieden haben?
Früher kamen die Sachen mit Band einfach nicht an den Studiosound heran, den ich gewohnt war. Heute ist die Abnahmetechnik der Instrumente weiter. Was mir an einem Rapbeat wichtig ist, bekommt man heute auch mit Instrumenten hin. Das klingt schon amtlich. Eine Band hat durchaus Vorteile. Man wird nicht in so ein Korsett gepresst. Die Musik von Platte ist gnadenlos, da kann man sich live nicht herausnehmen. Mit der Liveband kann ich den Afrob zeigen, der ich auch bin. Ich habe alle Musik, die ich gerne höre, da untergebracht: Soul, Jazz, Funk, Reggae. Da konnte ich mich komplett austoben.
Sie können aus zwanzig Jahren Musik schöpfen: Wie kam die Auswahl der Songs zustande?
Das hat echt weh getan, den Stift anzulegen. Ich habe das ausgesucht, was soulig ist und was man live gut umsetzen kann. Am Ende ist es nicht wichtig, welcher Song genau darauf kommt. Aber wer weiß, vielleicht wird es eine Fortsetzung geben.
Auf dem Cover sind Sie mit Trompete statt Mikro zu setzen. Und mit nacktem Oberkörper. Das ist ungewöhnlich.
Ich finde, das Bild bringt alles auf den Punkt. Jeder weiß, dass ich keine Trompete spiele. Aber auf einmal gibt es Afrob nicht mit einem Mikro in der Hand sondern mit einen Instrument zu sehen. Das gibt die Richtung vor. Und es ist ein verletzliches Cover. Auf dem Album zeige ich mich komplett.

Sie haben viele Gäste dabei, wie etwa Samy Deluxe, Megaloh, Ferris, Gentleman, Max Herre und Joy Denalane. Aber auch Melanie Wharton von Skills En Masse. Wo haben Sie Meli gefunden?
Wir hatten losen Kontakt. Max hatte mehr Kontakt zu ihr. Ich wusste, dass sie in Düsseldorf lebt und da ganz glücklich ist. Wenn man das Video sieht, merkt man, dass da noch eine emotionale Bindung da ist. Ich habe schon immer viele rappende Frauen auf meine Platten eingeladen. Im deutschen Rap haben wir zu wenig Frauen. Im Rap geht es um Leistung und Performance und ist auch mal unangenehm, ein hartes Milieu. Ich verstehe, warum das Frauen abschreckt. Und es ist auch eine geschlossene Gruppe. Da wird untereinander das Zeug verschachert, geht es darum, wer wen kennt – eine richtige Vetterleswirtschaft. Da ziehen Frauen oft den Kürzeren. Ich finde das schlimm, wir haben echt gute Talente im Land.