Air Berlin Kartellbehörden prüfen Lufthansa-Deal

Von  

Der Branchenprimus übernimmt den Großteil des Konkurrenten Air Berlin. Doch viele der 8000 Mitarbeiter verlieren den Job. Der Schritt dürfte sich auch auf die Preise auswirken.

Eine Maschine von Air Berlin ist auf dem Flughafen Berlin-Tegel gelandet. Viele Mitarbeiter der insolventen Gesellschaft werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Foto: dpa
Eine Maschine von Air Berlin ist auf dem Flughafen Berlin-Tegel gelandet. Viele Mitarbeiter der insolventen Gesellschaft werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Foto: dpa

Berlin - D

ie Lufthansa übernimmt große Teile der Flotte des insolventen Konkurrenten Air Berlin samt der lu­krativen Start- und Landerechte, darunter den Ferienflieger Niki. Das sei „ein großer Tag“, sagt Konzernchef Carsten Spohn in Berlin. Die deutsche Nummer eins will mit den Maschinen und Crews des bisher größten Wettbewerbers auf dem Heimatmarkt die Tochterfirma Eurowings weiter ausbauen, dort weitere 3000 Arbeitsplätze schaffen und insgesamt 1,5 Milliarden Euro investieren.

Der Aufsichtsrat von Air Berlin stimmte am Mittwoch der Einigung zu. Demnach kauft Lufthansa die Air-Berlin-Töchter Niki und die in Dortmund ansässige Walter (LGW), die kleinere Propellermaschinen fliegt. Beide haben jeweils rund 20 Maschinen. Außerdem werde der Konzern weitere 20 Flugzeuge übernehmen, teilt Air Berlin mit. Insgesamt sollen demnach also rund 60 der noch rund 130 Flieger beim Marktführer landen. 38 Maschinen hat Lufthansa ohnehin bereits langfristig gemietet. Spohn hatte zuvor die Übernahme von bis zu 81 Fliegern öffentlich angekündigt. Dafür gab es aber zunächst keine Bestätigung.

Die Aktienkurse beider Airlines legten stark zu. Der Gläubigerausschuss von Air Berlin, der Insolvenzverwalter und die Kartellbehörden haben der Übernahme aber bisher nicht zugestimmt. „Die Europäische Kommission wird sich das sehr genau ansehen“, erklärt der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. Die deutschen Wettbewerbshüter werden am Prüfverfahren beteiligt sein, das bis zu vier Monate dauern könnte.

Übernahme stärkt Lufthansa

Auf nicht wenigen Strecken in Deutschland und Österreich würde Lufthansa zum alleinigen oder mit Abstand wichtigsten Anbieter, was zu steigenden Ticketpreisen führen könnte. Es gilt daher als möglich, dass die Wettbewerbsbehörden den Kauf nur unter Auflagen dulden und der Marktführer Start- und Landerechte abgeben muss.

Lufthansa-Chef Spohr meint, die Flugpreise könnten wegen des harten Wettbewerbs in Europa mit Billigfliegern wie Ryanair sinken. Auf deutschen Strecken wie München–Köln werde die eigene Tochter Eurowings künftig statt Air Berlin fliegen und eigenständig dem Mutterkonzern Lufthansa Konkurrenz machen, um Kunden für ihre Jets zu bekommen. Die Übernahme stärke den Konzern im internationalen Wettbewerb mit großen Airlines aus den USA, Nahost und China.

Air Berlin soll den eigenen Betrieb am 28. Oktober mit der Eröffnung des abschließenden Insolvenzverfahrens einstellen. Damit sind alle Tickets für spätere Flüge ungültig. Der letzte Air-Berlin-Flug ab Stuttgart startet am 27. Oktober um 21.15 Uhr nach Düsseldorf (AB 6845).

Ansprüche auf Rückzahlung

Rund 200 000 Reisende sind von Flugstreichungen betroffen. Wer vor der Insolvenzanmeldung am 15. August gebucht hat, kann Ansprüche auf Rückzahlung nur noch beim Verwalter anmelden. Die Aussichten, in einigen Jahren etwas zurückzubekommen, gelten aber als gering. Denn Air Berlin ist hoch verschuldet, und es werden erst andere Forderungen beglichen. Wer nach dem 15. August gebucht hat, soll dagegen den Kaufpreis erstattet bekommen.

Bei großen Teilen der 8000 Beschäftigten von Air Berlin ist der Frust groß über das baldige Aus ihres Arbeitgebers. Viele erhalten die Kündigung und haben noch keine berufliche Perspektive. Man sei sehr unzufrieden über die bisherigen Verhandlungen über Auffanglösungen, sagt ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Vor allem für die 1400 Mitarbeiter in der Berliner Zentrale und die Angestellten bei den Bodendiensten könnte es schwierig werden, neue Jobs in der Branche zu finden. Das Land Berlin will eine Transfergesellschaft mitfinanzieren und auch selbst Beschäftigte übernehmen.

Piloten und Crews von Air Berlin haben dagegen bessere Chancen, anderswo unterzukommen. Eurowings wirbt seit Monaten um fliegendes Personal und hat zudem bereits 38 Flieger der einst mehr als 140 Jets des Konkurrenten langfristig gemietet. Die Lufthansa-Tochter will dem Vernehmen nach aber nur 1700 Beschäftigte von Air Berlin übernehmen, die dort nach derzeitigem Stand teils deutlich weniger verdienen werden.

Niki hat keine Insolvenz angemeldet

Auch andere Airlines hatten sich um den Ferienflieger Niki beworben, der einst in Wien vom Rennfahrer Niki Lauda gegründet worden war und später von Air Berlin übernommen wurde. Niki hat keine Insolvenz angemeldet, der Flugbetrieb soll weitergehen, für gebuchte Urlauber soll sich nichts ändern. Die Lufthansa veranschlagt für die Eingliederungen der Zukäufe mindestens ein halbes Jahr, dabei werde es auch „Ruckeleien“ geben, räumt Spohr ein.

Neben der Lufthansa will auch Easyjet Teile von Air Berlin übernehmen, angeblich rund 30 Jets. Die exklusiven Verhandlungen mit den Briten dauerten aber noch an, hieß es nach der Aufsichtsratssitzung. Falls dieser Handel scheitert, weil Easyjet zu wenig zahlen will, könnten andere Bieter wie der Ferienflieger Condor des Tourismuskonzerns Thomas Cook noch zum Zuge kommen.