Amazon in Pforzheim Nur ein Leiharbeiter in Pforzheim

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Die Zustände im Logistikzentrum in Pforzheim sind nach Angaben von Verdi nicht vergleichbar der von der ARD dokumentierten Niederlassung Bad Hersfeld.

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Pforzheim - Schikanen für Leiharbeiter sind in Amazons Pforzheimer Logistikzentrum bislang kein Thema. „Zum jetzigen Zeitpunkt trifft der ARD-Bericht nicht auf Pforzheim zu“, sagt Melanie Rechkemmer, Gewerkschaftssekretärin von Verdi. Der Grund: hier beschäftigt der Online-Versandhändler momentan einen einzigen Leiharbeiter. „Im Vergleich zu Bad Hersfeld ist der Standort hier noch relativ jung. Wir gehen daher davon, dass Amazon noch genug Arbeitskräfte über die Arbeitsagentur oder den Arbeitsmarkt bekommt“, sagt Rechkemmer. Sollte das in Zukunft einmal anders sein, sei es aber denkbar, dass das Unternehmen auch in Pforzheim auf Leiharbeiter zurückgreife, so die Gewerkschaftssekretärin.

Laut Verdi waren Ende Januar 1279 Mitarbeiter für Amazon in Pforzheim tätig. Davon waren 484 fest angestellt, 794 hatten befristete Verträge; dazu kam der eine Zeitarbeiter. Im Dezember lag die Gesamtmitarbeiterzahl noch deutlich höher. Damals arbeiteten 2291 Menschen in dem Logistikzentrum, das Ende September vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden war. Von diesen 2291 waren 2009 befristet angestellt.

Einen Betriebsrat gibt es in Pforzheim nicht

Die Verträge von Hunderten dieser Saisonarbeiter, deren Arbeitskraft der Versandhandelskonzern vor allem für das Weihnachtsgeschäft benötigte, wurden Ende Dezember nicht weiter verlängert, was Empörung auslöste. „Man hatte den Leuten bis zuletzt versichert, sie würden längerfristig beschäftigt“, sagt Rechkemmer. Eine Amazon-Sprecherin verwies dagegen darauf, dass jeder der Saisonarbeiter von der Befristung gewusst habe und zahlreiche Mitarbeiter in Festanstellung übernommen worden seien.

Vergleichbare Probleme mit dem Sicherheitsdienst wie in Bad Hersfeld, wo ausländische Leiharbeiter von Securityleuten überwacht und schikaniert wurden, existieren in Pforzheim laut Verdi nicht. „Allerdings haben einige Kollegen, die im Dezember gehen mussten, berichtet, dass sie sich wie Verbrecher gefühlt hätten, als der Sicherheitsdienst sie nach dem Ablauf ihres Arbeitsvertrags erst zur Umkleidekabine und dann zum Werkstor begleitete“, sagt Rechkemmer. Einen Betriebsrat gibt es im Pforzheimer Logistikzentrum bis dato nicht. Der Stundenlohn liegt laut Verdi aktuell bei 9,65 Euro und damit unter dem Tariflohn von 12 Euro.

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1 KommentarKommentar schreiben

Tariflohn????: Unter welchem Tariflohn? Für Logistik? Dann wäre es mal interessant, wenn Sie recherchieren würden, wass die DHL- oder Hermes-Logistik etc. bezahlt. Und es wäre auch mal interessant, wenn Sie die Hintergründe für diese Kampagne aufdecken würden. Es geht darum, öffentlichen Druck zu machen, dass Amazon sich in Deutschland Ertragssteuer-pflichtig macht. Dann schauen Sie doch mal nach, wie das bei Ebay, Starbucks, Ikea usw. läuft. Kein Haar anders. Wo sind die Aufschreie von Verdi oder von der Leyen? Die Politik drückt sich seit Jahren!!!! um Mindestlöhne. Im Fall Amazon bekamen die Zeitarbeiter für das Weihnachtsgeschäft noch Fahrt, Unterkunft und Verpflegung dazu. Das hat kein Festangestellter deutscher Mitarbeiter unterm Strich. Und pünktlich zum OSZE-Bericht kam dann auch dieses Herzschmerz-Filmchen bei der ARD. 'Habe Blasen an den Füßen, weil ich 17 km am Tag gehen musste'. Ja meine Güte, das geht jeder Arzt und jede Krankenschwester auch und jeder Paketzusteller geht 30 km. Ich möchte Amazon nicht in Schutz nehmen, aber diese Kampagne ist so durchsichtig, komplett auf öffentliche Manipulation getrimmt, um das Unternehmen unter Druck zu setzen. Amazon wie auch die anderen Unternehmen machen nichts illegales mit ihrer steuerlichen Veranlagung. Das ist nach EU-Recht abgedeckt. Man kann sie nicht zwingen, in D Ertragssteuern zu bezahlen; deshalb fährt man nun diese Kampagne.

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