Amoklauf von Winnenden Jörg K. legt Revision ein

Von dpa 

Jörg K., der Vater des Amokläufers von Winnenden und Wendlingen, hat Revision gegen das Urteil eingelegt. Das Gericht hatte den 54-Jährigen am vergangenen Freitag zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Anwälte des beklagten Vaters des Amokläufers von Winnenden stehen in einem Gerichtssaal des Stuttgarter Landgerichts. (Archivfoto) Foto: dpa
Die Anwälte des beklagten Vaters des Amokläufers von Winnenden stehen in einem Gerichtssaal des Stuttgarter Landgerichts. (Archivfoto)Foto: dpa

Stuttgart - Der Amoklauf von Winnenden kommt erneut vor den Bundesgerichtshof. Der Vater des Täters hat Revision gegen das Urteil im zweiten Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht eingelegt, wie ein Behördensprecher am Donnerstag mitteilte. Das Gericht hatte den 54-Jährigen am vergangenen Freitag zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Strafe lag damit leicht unter der des ersten Verfahrens.

Die Stuttgarter Kammer hatte den Mann der fahrlässigen Tötung in 15 Fällen und der 14-fachen fahrlässigen Körperverletzung für schuldig befunden. Der Vater des Amokläufers hatte die Pistole unverschlossen im Kleiderschrank aufbewahrt, mit der sein Sohn Tim K. am 11. März 2009 in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) und Wendlingen (Kreis Esslingen) 15 Menschen und sich selbst erschoss.

Zweiter Prozess wegen formaler Fehler

Im ersten Verfahren hatte das Gericht den Vater zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der zweite Prozess war nötig, weil der BGH in Karlsruhe das erste Urteil wegen formaler Fehler kassiert hatte.

Bis das schriftliche Urteil im zweiten Verfahren vorliegt, kann es nach Angaben des Behördensprechers noch bis zu acht Wochen dauern. Nach der Zustellung hat der Vater einen Monat Zeit, die Revision zu begründen. Auch die Staatsanwaltschaft kann sich äußern. Bis der BGH also über den Fall entscheiden kann, vergehen mehrere Monate.

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5 KommentareKommentar schreiben

Winnenden Urteil: Hallo, ich bin selbst Waffenbesitzer und von dem Urteil (erst 21 Monate, jetzt 18 Monate und das auf Bewährung) sehr erschrocken. Daß der Vater uneinsichtig ist und meint, sich keiner Schuld an diesem Amoklauf seines Sohnes bewußt zu sein ist sehr Erschreckend, da dieses letzte Urteil ja nach aktuellen Meldungen nochmals von Ihm angefechtet wird. Hätte er seine Waffen ordnungsgemäß verwahrt, wäre es nicht zu diesem tragischen Massaker seines Sohnes gekommen. Auch kann mir keiner erzählen, das er so etwas nicht voraussehen konnte bei seinem Sohn. War der Sohn doch labil und auch deshalb in Behandlung. Die Eltern und der Attentäter haben doch zusammengelebt, oder? Ich fühle mit den Angehörigen welche liebe Menschen verloren haben. Bei diesen muß das Urteil und die Revision des Vaters mindestens Unverständnis hervor rufen. Aus meiner Sicht ist das Urteil und die Revision (Uneinsichtigkeit) des Vaters ein Schlag in das Gesicht der Trauernden. Meine Meinung ist, daß das Urteil nicht auf Bewährung ausgesetzt werden dürfte. Dieser Mann gehört hinter Gitter!!! Durch Unachtsamkeit und Verletzung seiner Sorgfaltspflicht hat er es ermöglicht, daß sein Sohn diese Tat mit 15 Toten ausführen konnte. Ich kann dieses Urteil nicht mit meinem Rechtssinn vereinbaren und bin erschrocken was hier in Deutschland alles möglich ist. Eine Narkoseärztin bekommt hier in Deutschland 14 Monate auf Bewährung, wegen fahrlässiger Tötung eines Menschen. In Winnenden wurden 15 Menschen hingerichtet!!! Als verantwortungsbewußter Bürger und Sportschütze weiß ich: 'Mit Waffen spielt man nicht!'

Disqualifizierende Verfahrentricks: Bei allem Verständnis für die zu respektierenden Rechte eines Angeklagten: Hier geht es darum, dass ein vermögender Unternehmer und verantwortungsloser Waffenfetischist, sich vor Schadensersatzleistungen für die Hinterbliebenen der ermordeten Opfer drücken will. Das mag formaljuristisch zulässig sein. Diese Verfahrentricks sind, menschlich betrachtet, jedoch hochgradig schäbig. Der Vater des Amokläufers ist ein pädagogischer Totalversager. Er, und auch seine Verteidiger, haben sich mit der Neuauflage dieser für die Angehörigen quälenden Prozedur endgültig disqualifiziert. Für diese winkeladvokatischen Praktiken kann ich neben Ekel nur noch Verachtung empfinden.

Anwalt müsste man sein.: Die Anwälte dürfen weiter kassieren, weil der Vater ihnen gehör verschafft hat. Oder denkt er am Ende wie sein Anwalt Hubert Gorka wird wieder meisterhaft die Tatsachen verdrehen, ohne Rücksicht auf die Opfer. Wie brutal kann so ein Mensch denken. Es geht hier nur um viel Geld. Nicht um die Opfer.

Unglaublich: Wie verbohrt ist der Mann denn? Er ist mit der mickrigen Bewährungsstrafe doch schon extrem billig davongekommen. Meiner Meinung nach gehört er hinter Gitter, schließlich hat er mit seinen Waffen den Amoklauf ermöglicht.

Jörg K. legt Revison ein: Sollte es möglich sein, das bei einer Revison vor dem BGH dieses Gericht eine höhere Strafe als das LG aussprechen kann, dann bitte nicht unter zwei Jahren. Für die Frechheit in eine Revison zu gehen und dem Mangel am Schuldgefühl, am morden des Sohnes mit beteiligt zu sein, sollte es keine Bewährungsstrafe geben.

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