Winnenden - Sven Kubick, der Rektor der Albertville-Realschule, hat die Vorwürfe der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" energisch zurückgewiesen, eine Gedenktafel für die Opfer des Amoklaufs vom 11. März 2009 an der Schulfassade verhindern zu wollen. Die Initiative, der auch Eltern von Opfern des Amoklaufs angehören, hatte in einem offenen Brief kritisiert, nach fast drei Jahren habe weder die Schule noch die Stadt eine Gedenktafel oder ähnliches im öffentlichen Raum zustande gebracht. Dieser Brief, verfasst von Roman Grafe dem Sprecher der Initiative, hatte zu Diskussionen in Winnenden geführt, die der Gemeinderat nun am Dienstag aufgriff. "Herr Grafe hat leicht reden, wenn er fordert, dass eine Tafel an der Tür angebracht werden soll. Wir haben noch einige Lehrer an der Schule, die den Amoklauf miterlebt haben. Ich habe Verständnis für diese traumatisierten Kollegen, die jeden Tag an dieser Tafel vorbeigehen müssten", sagte Kubick vor dem Gemeinderat.
Die Frage, wo und in welcher Form eine Gedenktafel angebracht werde, soll weiterhin in der Schulkonferenz mit allen Beteiligten geklärt werden, sagte Kubick. Dazu zählten sowohl die Eltern, als auch die Lehrer und die Schüler, sagte der Schulleiter. "Ich muss alle mitnehmen.\" Seit mehr als eineinhalb Jahren werde das sensible Thema behutsam bearbeitet. Im November 2011 hätten einige Opfereltern ein deutliches Zeichen an der Schule gefordert. "Von einer Tafel mit den Namen der getöteten Schüler war nicht die Rede", betonte der Schulleiter, der seit dem Jahr 2010 an der Albertville-Realschule tätig ist. Da zurzeit in Winnenden über eine Gedenkstätte im benachbarten Stadtpark nachgedacht wird, habe es für ihn keinen Sinn gemacht, 50 Meter davon entfernt nochmals eine Tafel mit den Namen an der Schule anzubringen.
Die Form der Gedenktafel müsse von allen Beteiligten mitgetragen werden. Das erfordere seine Zeit. Außerdem erinnerte Kubick daran, dass die Rückkehr der Schulgemeinschaft in ihr angestammtes Gebäude zum Schuljahrsbeginn eine Aufgabe gewesen sei, die nicht leicht und vor allem zeitintensiv gewesen sei.
Oberbürgermeister fordert eine Arbeitsgruppe
In der Frage, wo eine Gedenktafel an der Albertville-Realschule angebracht wird, müsse berücksichtigt werden, dass Menschen, die dort Blumen oder Kerzen abstellen, nicht gestört werden. Ebenso soll der Unterricht nicht durch Aktivitäten an der Tafel beeinträchtigt werden. "Wir sind immer noch eine Schule", sagte Kubick. Er habe sich beim Erfurter Gutenberg-Gymnasium Rat geholt, wo vor zehn Jahren ein Amoklauf stattgefunden hat, wie man dort die Gedenktafel gestaltet habe. "Diese ist etwas entfernt vom Eingang an einer Ecke des Schulgebäudes angebracht, die öffentlich gut erreichbar ist."
Der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth hat am Dienstag vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die über die Gestaltung einer öffentlichen Gedenkstätte und deren Standort beraten soll. Bis zum Jahresende werde eine Entscheidung fallen. In dem Arbeitskreis sollen alle Betroffenen beteiligt sein, außerdem schlug Holzwarth die Beratung durch einen namhaften Künstler vor. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorschlag einstimmig zu.

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Unwahre Aussagen
Roman Grafe Sprecher der Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“ Der Rektor der Albertville-Realschule Winnenden, Sven Kubick, wird in Ihrem Artikel zitiert mit einigen unwahren Aussagen, die er vor dem Winnender Gemeinderat gemacht haben soll. Dazu gehört die Behauptung, ich hätte eine Gedenktafel für die Opfer des Amoklaufs an der Tür der Schule gefordert. Richtig ist, daß mehrere Angehörige von Opfern sowie ehemalige Lehrer und Schüler der Schule gemeinsam mit mir in einem Offen Brief u. a. an Herrn Kubick zum Ort einer Erinnerungstafel geschrieben hatten: „Zudem gibt es Stellen am Schulgebäude, die man nicht täglich bewußt sieht und die doch würdig sind für eine Gedenktafel (und kein Versteck).“ Nach wochenlangen bewußten Irreführungen durch Schulleiter Kubick müssen wir annehmen, daß er die Abschreckversion unserer tatsächlichen Aussagen erfunden hat, um von der Taktik des Verdrängens und Vergessens durch Schule und Stadt abzulenken. Diese Taktik haben wir in unserem Offenen Brief aufgezeigt: Anfang 2010 wurde gegenüber den Hinterbliebenen eine Erinnerungstafel an der Schule abgelehnt mit der Begründung, man wolle hier keinen „Amok-Tourismus“. Des Weiteren wurde den Angehörigen gesagt, es sei den heutigen Schülern und Lehrern nicht zuzumuten, täglich an den Amoklauf erinnert zu werden. Eine vorläufige Tafel, um die sich Angehörige von Opfern gemeinsam mit Schülern gekümmert haben, durfte nur in einer Nische an der Rückseite der Schule versteckt angebracht werden. Anläßlich des Umbaus der Schule mußte die Tafel entfernt werden. Im Herbst 2011 plante die Stadt Winnenden, diese Tafel im Stadtgarten aufzustellen, statt einer Erinnerungstafel an der Schule. Dem haben betroffene Familien deutlich widersprochen. Daraufhin wurde im Dezember 2011 bei einem Gespräch in der Schule den anwesenden Angehörigen eine Gedenktafel an der Schule zugesagt, jedoch ohne die Namen der Opfer. Die Nennung der Namen könnte bei Schülern und Lehrern zu Traumatisierungen führen, so die Begründung des Schulleiters. Schulleiter Sven Kubick erklärte, er wolle eine Tafel mit einem Spruch wie am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, nur ohne Opfernamen. Dort ist außer diesen Namen und dem Datum des Erfurter Schulmassakers zu lesen: „Verbunden mit der Hoffnung auf eine Zukunft ohne Gewalt.“ Ein derartiger Satz allein ist jedoch keine Gedenk- und Erinnerungstafel, sondern ein unverbindlicher Wunsch, den man an jeder deutschen Schule anbringen könnte. Eine solche Tafel würde mehr verschweigen als sie sagt. Am 18. Januar 2012 erklärte Schulleiter Kubick gegenüber Angehörigen, die Tafel ohne Namen sei nun durch die Schulkonferenz beschlossen. Erst nach dem öffentlichen Widerspruch erklärten Stadt und Schule am 31. Januar ihre Bereitschaft, im Konflikt um ein angemessenes Gedenken an die Opfer einzulenken – drei Jahre nach dem Schulmassaker. Die wahren Hintergründe dieses Konflikts sind im Offenen Brief und den Erklärungen dazu dokumentiert auf der Homepage der Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“ – www.sportmordwaffen.de