Archäologischer Fund in Schorndorf-Oberberken Ein historischer hölzerner Pfad

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Archäologen bergen in Oberberken die Reste eines historischen Bohlenwegs. Wie alt er ist, ist noch unklar.

Roland Buggle misst die  Bohlen im Untergrund der Ortsdurchfahrt. Foto: Gottfried Stoppel 6 Bilder
Roland Buggle misst die Bohlen im Untergrund der Ortsdurchfahrt. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf-Oberberken - Rund 70 Zentimeter unter der Ortsdurchfahrt von Oberberken schlummert ein noch älteres Relikt einer Straße im Boden. Bauarbeiter, welche die Fahrbahn der Ortsstraße auf der Schurwaldhöhe zurzeit neu anlegen, stießen vergangene Woche auf die Überreste eines alten Wegs aus Holzbohlen, der sich nach ersten Schätzungen auf fast 100 Meter Länge durch den Ort zieht. Wie alt die Hölzer seien, sei noch unklar, sagt Roland Buggle, der für das Landesamt für Denkmalpflege den Fund in Augenschein genommen hat.

Der Fund sei untypisch, sagt der ehrenamtliche Archäologe. Buggle hat jetzt beim Landesdenkmalamt angeregt, Hilfspersonal zu bekommen, um die Bohlen zu reinigen und zu vermessen. Ein erster Blick in die Baugrube zeige, dass die Hölzer mit einer grünen Lehmschicht verschmiert gewesen seien, „vielleicht eine Art Zement“.

Im frühen zwölften Jahrhundert ist Oberberken erstmals urkundlich erwähnt worden, historische Straßen ziehen sich von jeher durch das Gebiet. Der Verlauf der Ortsdurchfahrt ist nach Buggles Einschätzung ebenfalls eine historische Route in Richtung Wangen (Kreis Göppingen), dass jetzt 70 Zentimeter Schotter und Asphalt über den Bohlen lagen, sei nicht ungewöhnlich. Die Schäden an alten Straßen habe man mit Schotterfüllungen behoben.

Erste Bohlenfunde vor mehr als 60 Jahren

Den älteren Oberberkenern sind die Holzbohlen indes nicht unbekannt. Im Jahr 1956 bekam die Hauptstraße ihren ersten Entwässerungskanal, die Bagger seien damals auf etliche Bohlen gestoßen, erinnert sich Siegbert Doring, der Ortsvorsteher. Man ging wenig behutsam damit um und baggerte sie einfach weg. „Mein Vater hat die Reste davon verfeuert“, sagt Doring.

Umso dankbarer ist Roland Buggle nun dafür, dass der Vorabeiter der Baufirma aus Gruibingen (Kreis Göppingen) sowie die Stadt ihm rechtzeitig Bescheid gegeben haben. Der ehrenamtliche Archäologe kämpft nun mit der Zeit, um den Fund zu sichern. Wenn er genügend Helfer bekomme, kann ihm das Denkmalamt dann einige Tage Baustopp einräumen? „Wir haben einen engen Zeitplan“, sagt der Vorarbeiter der Baufirma. Bis August müsse dieser Bauabschnitt fertig sein.

Die Jahresringe verraten das Alter der Bohlen

Dass sich das „Putzen“ vielleicht lohnt, führt Buggle mit einem kleinen Hakenkratzer vor, mit dem er den Lehm entfernt. Wuchtige Stämme treten zutage. Erst eine Untersuchung der Jahresringe, die man jetzt veranlasst habe, lasse deren genaues Alter bestimmen, sagt Buggle. Im Holz zeichnet sich eine Vertiefung ab. Möglich, dass sie von den Rädern von jenen Fuhrwerken stammt, die vor langer Zeit dort gefahren sind. Gewissheit können aber erst weitere Untersuchungen bringen.