Archivar in Ditzingen nutzt neue Medien Geschichtliches bei Instagram und auf Facebook

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Der neue Stadtarchivar der Großen Kreisstadt setzt auf Facebook und Instagram, um die junge Generation für ihren Ort zu interessieren. Auch Neubürger will er auf diesem Weg erreichen.

Florian Hoffmann  zwischen den Regalen des Archivs in den neuen Räumen Foto: factum/Granville
Florian Hoffmann zwischen den Regalen des Archivs in den neuen Räumen Foto: factum/Granville

Ditzingen - Papier war gestern, heute sind Informationen vielfach digital abrufbar. Der Ditzinger Stadtarchivar Florian Hoffmann setzt deshalb seit Juni auf Instagram, den Onlinedienst für Fotos und Videos. Zudem nutzt er das soziale Netzwerk Facebook. Auf Instagram zeigt er Schwarzweiß-Fotografien: Fachwerkhäuser, Ortsansichten, Firmengebäude. Auf Facebook berichtet der promovierte Historiker zum Beispiel über die im Archiv einsehbaren Schriften des Ditzinger Ornithologen und Polarforschers Theodor Heuglin. „Wir sind nicht nur das einzige Archiv im Landkreis Ludwigsburg, das Social-Media-Anwendungen nutzt, sondern zurzeit neben dem Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster auch das einzige deutsche Archiv bei Instagram“, sagt Hoffmann.

Zudem bloggt der promovierte Historiker. Der 42-Jährige informiert dabei über Neues im Archiv, etwa den Firmennachlass der „Ditzinger Baustoff- und Kohlenhandlung W. Schachner“. Sie hatte ihren Sitz „in der Gerlinger Straße 21, im Erdgeschoss links“. Das Gebäude existiert noch.

Unter Archivaren vielfach diskutiert

Hoffmann verhehlt nicht, dass unter den Archivaren über den Sinn der Nutzung der Internet-Plattformen diskutiert wird. Er selbst sieht das pragmatisch: „Es ist ein guter Weg, um die jungen Zielgruppen zu erreichen.“ Schließlich sei die Geschichtsvermittlung eine der Hauptaufgaben der Archivarbeit – neben der eigenen Forschung zu ortsgeschichtlichen Themen. Dabei gehe es nicht nur um die ohnehin schon bekannteren Menschen des Ortes, wie etwa Theodor Heuglin oder den Komponisten Konrad Kocher. Nach ihnen sind öffentliche Einrichtungen benannt. Auch, aber eben nicht nur sie „kann man ruhig etwas prominenter hervorheben“.

Florian Hoffmann will auch die Neubürger ansprechen. Sie sollen ihren neuen Wohnort nicht nur als Schlafstätte erfahren. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Gebäude zu kennen, sei eine „Frage von lokaler Identifikation“.

Soziale Netzwerke und partizipative Medien seien sichtbarer Ausdruck eines veränderten Informations-, Interaktions- und Kommunikationsverhaltens, das längst zur alltäglichen Lebensrealität gehöre, sagt Hoffmann. In dem Blog führt er aus, dass der tägliche Zeitanteil, den die Menschen online verbrächten, kontinuierlich wachse. Die virtuelle Lebenswelt sei vom Alltag immer weniger zu trennen.

Eine Reaktion auf das neue Kommunikationszeitalter

Hoffmann nutzt Facebook und Instagram deshalb auch als Reaktion auf ein neues Kommunikationszeitalter. „Wir nutzen entsprechende Blogs und Gruppen natürlich auch zur Vernetzung und zum fachlichen Austausch.“ Abgesehen davon, dass er mit den Nutzern auch ortsungebunden in Kontakt treten will.

Gleichwohl räumt der Archivar ein, dass sich die Präsenz des Ditzinger Stadtarchivs in den sozialen Medien noch im Aufbau befindet. Der Umzug aus der Ortsmitte in neue Räume in den Stadtteil Hirschlanden hätten Priorität gehabt. Auch das Museumsdepot befindet sich inzwischen dort. Die Ditzinger legten damit weitgehend alle dezentralen Lager zusammen. Vieles hatte sich in der Glemsaue befunden, ehe es im Jahr 2010 bei einem Starkregen beschädigt wurde. Etliches wurde restauriert und übergangsweise andernorts eingelagert.

Florian Hoffmann ist der erste hauptamtliche Archivar im Ort, der für die Archivtätigkeit eine Vollzeitstelle hat. Der gebürtige Ludwigshafener räumt mit seinen Aktivitäten auch mit einem Bild des Archivars auf, der von der Umgebung weitgehend unbeachtet still vor sich hinarbeitet. „Wir bemühen uns um einen standortungebundenen Dialog mit unseren Archivnutzern“, sagt er.

Dazu müssen die Unterlagen online zugänglich sein. Noch ist längst nicht alles digital erschlossen. Nicht nur die Stadtverwaltung greift auf alte Akten und Gemeinderatsprotokolle zurück. Auch Heimatforscher und Bauherrn sehen Unterlagen ein. Letztere sind vor allem an eventuellen Altlasten im Boden interessiert.