Asteroid kommt der Erde nahe Heute wird es noch mal gutgehen

Rainer Klüting, 15.02.2013 07:26 Uhr

Stuttgart - Er umkreist die Sonne einmal in 366,24 Tagen. Er braucht also fast genau einen Tag länger als die Erde. Seine Umlaufbahn ist nicht so stark exzentrisch wie diejenige mancher Kometen. Aber sie ist weniger kreisförmig als die der Erde. Es ist ein Paarlauf mit der Erde auf Bahnen, die leicht zueinander geneigt sind, sich aber überkreuzen. „Es sind genau diese Überkreuzungssituationen, zu denen die beiden einander am nächsten kommen und zu denen sie vielleicht in der fernen Zukunft zusammenstoßen können“, schreiben die Astronomen des Observatorio Astronómico de La Sagra in Spanien, die den Asteroiden mit dem Namen 2012 DA14 in der Nacht des 22. Februar 2012 entdeckt haben.

Inzwischen versichern Experten der Raumfahrtorganisationen in Europa und den USA, dass keine Gefahr bestehe. „Seine Umlaufbahn kann ziemlich genau berechnet werden“, zitiert die Esa Detlef Koschny, ihren Experten für erdnahe Objekte (Near Earth Objects, kurz: Neos). „Diese Berechnungen zeigen, dass eine Kollision mit der Erde mit großer Sicherheit mindestens für dieses Jahrhundert ausgeschlossen werden kann.“ Und auch bei der Nasa heißt es: „Keine Chance für einen Kollisionskurs.“

Um 20.25 Uhr kommt uns der Asteroid am nächsten

Der Asteroid 2012 DA14 wird nach Angaben der Nasa die Erde heute um 20.25 Uhr in einer Entfernung von weniger als 28 000 Kilometern passieren. Wir werden demnach noch einmal Glück haben. Doch das muss nicht immer so bleiben, und das war auch nicht immer so. Im Jahre 1908 hat ein bis heute nicht endgültig aufgeklärtes Ereignis in Sibirien, im Gebiet der Steinigen Tunguska, auf einer Fläche von 2000 Quadratkilometern rund 60 Millionen Bäume wie Streichhölzer abgeknickt. Das „Tunguska-Ereignis“ wird auf einen Asteroiden oder Kometen etwa von der Größe unseres heutigen Besuchers zurückgeführt. Die Esa schätzt den Durchmesser von 2012 DA14 auf 50 bis 80 Meter, seine Masse auf 130 000 Tonnen und seine Geschwindigkeit auf 7,8 Kilometer pro Sekunde, das sind etwa 28 000 Kilometer in der Stunde.

Solche Geschosse können, wenn sie nicht in nahezu unbewohnten Gebieten Sibiriens niedergehen, beträchtlichen Schaden anrichten. Und es gibt eine Menge davon. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) schätzt die Zahl der Asteroiden im Sonnensystem mit einem Durchmesser von 30 Metern und mehr auf bis zu eine Million. Davon hat die Esa mit Stand vom 7. Februar 9601 auf der Liste der Neos; 362 davon sind als riskant für die Erde eingestuft. Christian Gritzner vom DLR schreibt in einem Artikel auf www.dlr.de: „30-Meter-Neos treffen die Erde etwa alle 1000 Jahre, Ein-Kilometer-Neos etwa alle 300 000 Jahre.“ Ein Einschlag eines solchen Kilometerbrockens hat dann mehr als nur regionale Folgen. Der Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren im Golf von Mexiko niedergegangen ist und das Aussterben der Dinosaurier ausgelöst haben soll, war vermutlich zehn Kilometer groß.