Astronomie Ein Kleinplanet namens Stuttgart

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Der bisher unbenannte Brocken ist zwei Kilometer groß und umrundet die Sonne alle vier Jahre einmal. Den Namen hat der Entdecker vorgeschlagen.  

Irgendwo da draußen gibt es ihn – den Planeten Stuttgart. Foto: dpa
Irgendwo da draußen gibt es ihn – den Planeten Stuttgart. Foto: dpa

Stuttgart - Was hat Stuttgart, das Berlin fehlt? Eine wirklich universale Bedeutung. Stuttgart gibt es schließlich nicht nur in Baden-Württemberg und in den US-Bundesstaaten Kansas und Arkansas, sondern auch zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Denn der Kleinplanet mit der Nummer 264020 ist nun offiziell nach der Landeshauptstadt benannt. Das hat die dafür zuständige Internationale Astronomische Union nach gründlicher Prüfung der Beobachtungsdaten entschieden.

Vorgeschlagen hat den Namen der Entdecker: der Hobbyastronom Erwin Schwab, der sich beruflich zwar am Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt mit kleinsten physikalischen Teilchen beschäftigt, aber in seiner Freizeit gerne in die Weite des Alls schaut. Seit er mit zwölf Jahren einen Feldstecher geschenkt bekam, beobachtet er die Sterne.

Online-Zugang zu weit entfernten Observatorien

Seine Astronomenkarriere begann an der Sternwarte in Heppenheim bei Heidelberg, heute nutzt er auch den Online-Zugang zu weit entfernten Observatorien. Der inzwischen 47-jährige Hobbyastronom machte seine jüngste Entdeckung mit einem für Amateure zugänglichen 35-Zentimeter-Teleskop, das von der Tzec-Maun-Stiftung im US-Bundesstaat New Mexiko betrieben wird. Dort gibt es kaum Wolken, und der Himmel wird nicht von Straßenlaternen erhellt. Schwab nennt es Pyjama-Astronomie, weil er an seinem Schreibtisch sitzen bleibt.

Am 17. August 2009 entdeckte Schwab auf seinem Bildschirm einen schwachen Punkt, der sich im Vergleich zu den Fixsternen von einer Aufnahme zur nächsten etwas bewegt hat. Der Kleinplanet befand sich damals rund 250 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Aus solchen Unterschieden lässt sich die Flugbahn des Himmelskörpers berechnen. Aus insgesamt 76 Aufnahmen ergibt sich inzwischen, dass der nur zwei Kilometer große Brocken in 3,84 Jahren einmal die Sonne umrundet. Seine Bahn liegt im Asteroidengürtel zwischen dem rötlich leuchtenden Planeten Mars und dem riesigen Gasplaneten Jupiter. Der Gürtel umfasst einige Hunderttausend kleinere und größere Brocken, die vermutlich aus den Anfängen des Sonnensystems übrig geblieben sind und aus Gestein, Dreck und Eis bestehen.

Entdecken von Kleinplaneten ist inzwischen Routine

Für Schwab ist das Entdecken von Kleinplaneten inzwischen Routine. Stuttgart ist sein 23. Asteroid. In der internationalen Liste der Planetenjäger belegt er Platz 247, und das Team einer spanischen Sternwarte hat sogar schon einen Brocken nach ihm benannt. Erwin Schwab hat schon Darmstadt, Mannheim und Speyer als Namen durchgesetzt. Aber er ist nicht der einzige Astronom mit einer Affinität zu seiner Heimat: Stuttgart zieht seine Bahn in der Gesellschaft von Ulm, Schwarzwald, Bodensee und Schwaben. Sie alle wurden schon vor vielen Jahren entdeckt.