InterviewAuf ein Zuckerle Visionen entwickeln statt notorisch bruddeln

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Stefan Betsch, Stadtführer und Moderator, erzählt im Zuckerle-Interview, was er an seinem Stadtbezirk mag, was er nicht mag und was er gerne verbessern würde.

Am Thaddäus-Troll-Platz enden die Stadtführungen von Stefan Betsch  meist. Foto: Annina Baur
Am Thaddäus-Troll-Platz enden die Stadtführungen von Stefan Betsch meist. Foto: Annina Baur

Bad Cannstatt - Was wäre Bad Cannstatt ohne seine Bewohner? In einer Serie stellen wir Cannstatter Persönlichkeiten vor, sprechen mit ihnen über Privates, aber auch über Aktuelles aus dem Stadtbezirk – diesmal mit Stefan Betsch, Stadtführer und Moderator.

Herr Betsch, was darf es für Sie sein, Wein oder Wasser?
Gerne beides, das kommt immer auf die Situation an. Zu einem schönen Essen oder an einem entspannten Abend gönne ich mir gerne gelegentlich ein Glas Wein.
Wenn Sie dabei in Ihren Kalender schauen: Was steht in der kommenden Woche an?
Ich habe noch mehrere Stadtführungen und moderiere einige Weinproben bei Weinfactum Bad Cannstatt. Außerdem werde ich einen Vortrag über die schwäbisch-alemannische Fastnacht als Immaterielles Kulturerbe halten. Und natürlich unterstütze ich meinen Täufling dabei, sein Felbenhäs fertigzustellen.
Was genau bedeutet das?
Wer wie ich Mitglied bei den Felben, den Maskenträgern des Kübelesmarkts, werden möchte, braucht zwei Paten, die für ihn bürgen. Als Pate unterstützt man das künftige Mitglied unter anderem beim Häsnähen; es müssen zum Beispiel das Wappen und die Plätzle auf den Anzug genäht werden. Es es schön, dass bei unserem Häs noch viel selbst gemacht werden kann, das hilft bei der Identifikation mit dem Häs.
A propos Fasnet: Hat der nahende 11.11. eine Bedeutung für den Kübelesmarkt?
Nein, das Datum ist bedeutungslos für die schwäbisch-alemannische Fastnacht. Es ist historisch betrachtet eine Art Aschermittwoch einer vorweihnachtlichen Fastenzeit. Die Fasnet beginnt am 6. Januar!
Wie lange engagieren Sie sich schon in Bad Cannstatt?
Seit ich denken kann. Ich bin schon als kleiner Junge mit einer Sammelbüchse für den Erhalt des Klösterle durch die Straßen gelaufen, habe mich lange Zeit im Vorstand des Vereins Pro Alt-Cannstatt und in vielen anderen Initiativen engagiert. Seit viereinalb Jahren arbeite ich selbstständig als Stadtführer, Moderator von Weinproben, Vertriebstrainer und Coach.
Sie sind in Bad Cannstatt aufgewachsen: Was gefällt Ihnen am Stadtbezirk?
Die Vielschichtigkeit. Bad Cannstatt verfügt über einen unglaublichen Reichtum an Geschichte und Themen; man denke nur an das Mineralwasservorkommen oder die Wilhelma. In dieser Geschichte gibt es auch viele spannende Gegensätze, zum Beispiel die Vergangenheit und Gegenwart des Bezirks als Bade- und Industriestadt.
Was mögen Sie weniger am Stadtbezirk? Wo gibt es Verbesserungspotenzial?
Mich stören die notorischen Bruddler, die ständig alles schlecht reden. Wenn ich Menschen durch den Stadtbezirk führe, sind viele erstaunt, wie schön etwa die Altstadt und der Kurpark sind. Das sind identitätsstiftende Orte für einen Bezirk; es ist wertvoll, solche Orte zu haben. Nur wünschte ich mir mehr Wertschätzung und Beachtung dieser Vorzüge, vor allem auch von Seiten der Stadt Stuttgart. Natürlich gibt es auch Verschönerungspotenzial, zum Beispiel rund um den Bahnhofsvorplatz und die Bahnhofstraße. Ich wünsche mir eine Vision, ein Gesamtkonzept statt vieler kleiner Einzelmaßnahmen. Das würde zur Imagebildung Bad Cannstatts beitragen.
Wo trinken Sie Ihren Wein am liebsten?
Zuhause oder in einer der Weinstuben der Cannstatter Altstadt.
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