Aufräumarbeit nach Kamelfarmbrand Rotfelden: „Der alte Emir lebt noch“

Von dpa/lsw 

Kleiner Trost: Fünf Kamele haben die Feuersbrunst im Schwarzwald überlebt, darunter der alte „Emir“, eines der Maskottchen des Hofes. Zwei Kameldamen sind zudem trächtig.

Der Kamelhof Rotfelden nach dem Feuer - nur fünf Tiere überlebten. Für den Besitzer Wilhelm Breitling eine Katastrophe. Foto: dpa 40 Bilder
Der Kamelhof Rotfelden nach dem Feuer - nur fünf Tiere überlebten. Für den Besitzer Wilhelm Breitling eine Katastrophe.Foto: dpa

Ebhausen/Karlsruhe - „Der alte Emir lebt noch.“ Für Rose Breitling ist es ein kleiner Trost nach dem Schicksalsschlag mit der abgebrannten Kamelfarm der Familie. Emir hat mit 25 Jahren schon ein hohes Trampeltieralter erreicht und ist eines der Maskottchen des Hofes. „Viele unserer Stammgäste haben sich immer erkundigt, ob er denn noch lebt - und jetzt hat er auch den Brand überstanden.“ Und mit ihm zwei trächtige Kameldamen. „Wir hoffen, dass sie die Kinder behalten, trotz des Schocks.“

Auch den Tieren ist für Rose Breitling das Unglück deutlich anzumerken, auch wenn sie jetzt sicher untergebracht sind. „Es geht ihnen insgesamt gut.“ Emir, der im letzten Moment von ihrem Mann in Sicherheit gebracht worden war, hat zudem einige Brandverletzungen davongetragen. „Aber er frisst, das ist ein gutes Zeichen.“ Sie und ihr Mann wissen dagegen noch nicht, wie es ihnen geht. „Mein Mann steht noch unter Strom.“ Ein Termin jagt den anderen: Versicherungen, Sachverständige und und und. „Am Wochenende werden wir wohl etwas zur Ruhe kommen.“

Feuerwehrmann: "Es war kein schöner Anblick"

Darauf hoffen auch Polizei und Feuerwehr. Bis zum Freitagnachmittag wurden die Kadaver der 86 verbrannten Kamele unter dem Bauschutt hervorgeholt. Sie waren teils trotz der großen Hitze weitgehend unversehrt. Allerdings hatte der Verwesungsprozess schon eingesetzt und sorgte für einen bitteren Geschmack in der Luft. „Es war kein schöner Anblick“, sagt ein Feuerwehrmann.

Erschwert wurden die Aufräumarbeiten durch Schaulustige, die nach Angaben der Feuerwehr in der Nacht alle Absperrungen ignorierten und bis an die Brandstelle heranfuhren. Am Morgen sorgte die Polizei dann für Ordnung. Über das Wochenende, wenn die Arbeiten ruhen, wird die Feuerwehr eine Brandwache abstellen, und die Polizei wird öfters vorbeischauen. „Wir bitten alle um die nötige Zurückhaltung. Es gibt auch nichts mehr zu sehen“, sagt Polizeisprecher Winfried König.

"Es gibt nichts mehr zu sehen", appeliert die Polizei an Schaulustige

Die Helfer haben inzwischen den Gang der abgebrannten Scheune freigelegt. Auf der rechten Seite waren die Tiere untergebracht - und hier wurden auch die Kadaver gefunden. Links vom Gang standen die Verkaufsräume, in denen die Breitlings über ihre Kamelhaltung und Angebote informierten. Zudem war dort das Essen für die Tiere gelagert. Dieser Bereich, in dem auch elektrische Geräte standen, interessiert die Brandsachverständigen besonders. Am Montag wollen sie zu zehnt die Reste durchkämmen.

Brandursache weiterhin unklar

Brandstiftung wird inzwischen weitgehend ausgeschlossen, da ein Brandmittelspürhund bei mehreren Gängen nicht angeschlagen hat. Benzin oder andere Brandbeschleuniger waren wohl nicht im Spiel. An Spekulationen, die Solaranlage auf dem Dach könnte verantwortlich sein, wollte sich die Polizei nicht beteiligen. „Warten wir ab, was die Untersuchungen bringen“, sagt König. Befürchtungen, dass der Regen am Wochenende Spuren verwischen könnte, hält er für unbegründet. „Wenn es Spuren gibt, gehen sie dadurch nicht verloren.“

Unterdessen ist die Diskussion um die Sicherheit von Ställen entbrannt. Der Landesvorsitzende des Tierschutzverbandes, Herbert Lawo, erinnert sich an einige Brände in den vergangenen 18 Monaten, bei denen mehrere tausend Tiere gestorben sind: Neun Kälber im Januar 2012 in der Nähe von Ulm, rund 2000 Schweine im Ostalbkreis im Februar, einen Monat später 150 Zeiten in Vaihingen. Ein effektiver Brandschutz ist für Lawo deshalb das Gebot der Stunde. Notwendig sind seiner Meinung nach sowohl ein Frühwarnsystem als auch ein Plan für den Brandfall. Dabei sollten die Tierhalter mit ihren Schützlingen auch die ein oder andere Feuerwehrübung absolvieren.

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24 KommentareKommentar schreiben

Kamelfarmen in Deutschland ?: Es steht doch außer Frage, dass in so einer extrem-angespannten Ausnahme -Situation (wie z.B.im Brandfall) zusätzlich noch auf ein relativ engbegrenztem Raum, alle Lebewesen panischen Reaktionen unterliegen mit all seinen dramatischen Folgen. Es ist somit für Retter und selbst für professionelle Retter äußerst schwierig effektiv Hilfe zu leisten. Und der Eigenschutz der Retter steht immer im Vordergrund, denn ein verletzter Retter hilft nichts und niemanden. Was aber ohne Zweifel ein unsägliches menschliches Verhalten darstellt, ist diese beinahe schon pathologische Gafferei,.. und wenn sogar eine Behinderung daraus wird, sind drakonische Strafen mehr als überfällig, hier ist der Gesetzgeber dringend gefordert damit die Polizei entsprechend Handeln kann. Da ich weder Fachmann bin, noch war ich selbst schon einmal in einer solchen Extrem-Lage, darum will ich die Rettungsaktion nicht weiter beurteilen. Wir diskutieren das Problem sowieso am falschen Ende. ------ Tierschutz...., dazu gehören sicher auch verbesserte Brandschutzanlagen, Fluchtwege etc.. Verantwortungsvoller Umgang mit Tieren fängt aber viel, viel früher an, zum Beispiel mit der Frage, elementare und spezifische Bedürfnisse von Tieren zu respektieren oder zumindest zu beachten. Dazu gehört auch die Beachtung der spezifisch klimatische Verhältnisse unter denen die betroffenen Tiere oft schon seit Jahrtausenden leben. Da will ich gar nicht an das Wohl der Tiere denken. Fakt ist, da Kamele weder bedroht sind noch sonst irgendein wissenschaftliches Interesse besteht, diese Tiere hier, im krassen Gegensatz zu ihren natürlichen Bedingungen zuhalten, sollte es diese Art der Tierhaltung besser überhaupt nicht geben. Es gibt keinen nachvollziehbaren, vernünftigen oder logischen Grund, solche Tiere hier zu halten, ..lediglich rein kommerzielle Gründe werden es wohl sein. Es müsste auch völlig irrelevant sein, dass einige unserer Zeitgenossen den Drang verspüren solche Tiere unbedingt aus der Nähen zu sehen, zu streicheln oder mit ihnen irgendwelche stupiden Runden drehen zu wollen. Genau wie Tiere im Zirkus (o.ä. Zwangsunterkünften) gehalten und dressiert werden, ist diese Art des Umgangs mit Tieren völlig konträr zu modernen Tierschutz. Diese nicht-heimischen Tiere und ihre Unterbringung sollte es sowieso nur in wenigen und streng kontrolliert Fällen geben.(inkl. Zoo, Tierpark, etc.) Wahre Tierfreunde haben an solchen Dingen sowieso wenig bzw. keine Freude. Das sind Relikte und veraltete Traditionen aus einer längst vergangenen Zeit. Mein Unmut will ich nicht nur auf diese eine Kamelfarm lenken, dieser tragische Unglücksfall hat diese Gesamtproblematik lediglich wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt, zumindest für kurze Zeit. Ich möchte auch lieber nicht nach den Haltungsbedingungen in den vielen Privathaushalten schauen, die irgendwelche exotischen Echsen, Schlangen, etc. halten oder züchten, nicht selten aus rein geschäftlichen Interesse oder aus reinem Imponiergehabe. In unserer Freizeitgesellschaft sollte diese Dinge grundsätzlich sehr streng reglementiert sein und der Tierschutzgedanke sollte primär dabei sein. Die Krux an diesem tragischen Unfall wird leider sein, dass so mancher pfiffiger Zeitgenosse auf ein neues Geschäftsfeld aufmerksam gemacht wird und ein vermeintlicher ‘Lebenstraum‘ geboren wird. Apropos “Lebenstraum“, wie wäre es mal mit etwas Zurückhaltung und wieder die Augen zu öffnen, z.B. für angestammte sog. Nutztiere die uns als Nahrung dienen und deren meist schwierigen Haltungs-und Transportbedingungen,… anstatt aus belanglosen Gründen zusätzliche Probleme zu schaffen.

blub: Das lustige an der Sache ist das 'Steuerzahler ' recht hat. Schutz von Menschenleben geht vor Schutz von Tierleben. Wenn man damit einen Menschen damit in Gefahr bringt lohnt es sich nicht zu versuchen ein Tier zu retten. Ungeachtet dessen ist es eine Tragödie und sowohl der 'Besitzer' als auch die Kamele tun mir leid. Solange man keine Hinweise findet das der Brand mit der Solaranlage zu tun hat ist es Blödsinn sowas zu behaupten.

@Steuerzahler, 17:07 Uhr: Steuerzahler, ICH bin bereits aktiv bei der Feuerwehr, ich brauche nicht erst beizutreten, und zum Glück sehe ich als tierliebender Feuerwehrmann das alles anders als Sie ! Ich habe so langsam den Eindruck, dass Sie selbst überfordert wäreen wenn Sie eine Katze vom Baum holen müsste, die könnte Ihnen ja aus Angst ins Gesicht springen. Also immer schön das Visier runter , auch wenn`s mal nicht brennt !

Beim lesen mancher Kommentatoren hier...: ..geht mir komplett der Hut hoch! Ist aber vielleicht mittlerweile ein gesellschaftliches Dogma geworden - es gibt Leute, die wissen Alles. Wer jemals in einem brennenden Stall zu Rettungsarbeiten gerufen wurde weiß, es gibt dort keine Handlungssituation - es herrscht nur noch totale Panik. Und es ist sehr bedrückend, sehr befremdlich und sehr traurig. Aber diese Tiere kann man nicht retten - auch wenn man sich in extreme Gefahr begibt. Aber es wird auch weiterhin Schreiber geben, die auch das natürlich besser wisssen.

Was erst los wäre oder sein wird: wenn sich auch noch herausstellen würde - nur mal so aus Aktenlage und Luftbildern - daß die nachhaltige und politisch korrekte Stromerzeugung mitgespielt oder ausgelöst hat. PS: Einen Stall mit 80 panischen, jeweils über 500 Kilo schweren Tieren geordnet und sicher zu räumen, wie bitte soll das funktionieren? Bauer pfeift, alle 80 stellen sich in Line auf und dann traben immer zwei nebeneinander aus dem brennenden Stall?

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