Ausschuss Maßnahmen gegen den Klimawandel

Von Jörg Nauke 

Die Stadt hat Ideen, um die Folgen der Erderwärmung zu meistern. Die Luft wird langsam sauberer.

Erderwärmung: Pflanzen, die in unseren Breitengraden bisher allenfalls auf der Insel Mainau gedeihen, könnten bald auch in Stuttgart heimisch werden. Foto: Bodensee-Tourismus
Erderwärmung: Pflanzen, die in unseren Breitengraden bisher allenfalls auf der Insel Mainau gedeihen, könnten bald auch in Stuttgart heimisch werden.Foto: Bodensee-Tourismus

Stuttgart - Der Umweltausschuss des Gemeinderats hat sich am Dienstag mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt. Das Fachreferat erläuterte, welche Maßnahmen notwendig seien, um nicht übermäßig zur Erderwärmung beizutragen und um die unvermeidlichen Folgen des erwarteten Temperaturanstiegs zu bewältigen. Der Stadtklimatologe Ulrich Reuter stellt für Stuttgart Verhältnisse „wie in Rom“ in Aussicht. Der erwartete Anstieg bis zum Jahr 2050 von etwa zwei Grad Celsius im Winter und um 1,5 Grad Celsius im Sommer ist nach Ansicht der Experten nur aus touristischer Sicht von Vorteil: Es sei in Land und Stadt wohl mit einer Zunahme der Anzahl der „potenziellen Badetage“ zu rechnen. Auch der Wander- und Radfahrtourismus könnte mit mehr geeigneten Tagen rechnen, ebenso die Außengastronomie“, heißt es in der Vorlage des „Klimawandel-Anpassungskonzepts Stuttgart“ (Klimaks), das kontinuierlich fortgeschrieben wird. Es weist vor allem auf die negativen Folgen wie vermehrte Überflutungen und starken Schneefall, die Verdrängung wärmeempfindlicher Pflanzen, eine Zunahme der Erosionsgefahr und eine stärkere Belastung der Menschen durch die zunehmende Hitze und Zecken hin.

Das Papier baut auf der Anpassungsstrategie des Bundes auf und konkretisiert diese für die Stadt Stuttgart. Die Verwaltung setzt Prioritäten, macht Angaben zur Finanzierung und zur zeitlichen Umsetzung. Stuttgart übernimmt nach Aussage des Umweltbürgermeisters Matthias Hahn (SPD) eine Vorreiterrolle.

Höhere Sterberate im Kessel?

Für den Grünen-Stadtrat Michael Kienzle muss sich die Kommunalpolitik künftig intensiver damit beschäftigten, ob eine Maßnahme klimarelevant sei. Der Fraktionschef der CDU, Alexander Kotz, will wie die SPD-Kollegin Roswitha Blind auf die Begrünung von Dächern ein stärkeres Augenmerk legen. Er verwies darauf, mit dem Verkehrsentwicklungskonzept könnten Emissionen reduziert werden. Der SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker sprach von einer „Parallelwelt“, in der manche Stadträte lebten. Für Stuttgart 21 würden sie Bäume fällen, den Grundwasserhaushalt beeinträchtigen und das Gleisvorfeld versiegeln – alles Maßnahmen, die den Klimawandel begünstigten. Dem widersprach der CDU-Stadtrat Philipp Hill: „S 21 ist ganz klar ein Teil des Klimaschutzes.“ Es gebe 20 Hektar mehr Parkfläche und 5000 Bäume. Die Bebauung des Gleisvorfelds habe keine Auswirkungen auf die Luft im Talkessel; wenn überhaupt, dann nur auf Bad Cannstatt.

Der Grünen-Stadtrat Kienzle behauptete, die Menschen, die im Kessel lebten, hätten wegen der schlechten Luft eine höhere Sterberate. Dies müsse sich ändern. Ausgangspunkt der Debatte über die Lebensqualität war Ulrich Reuters Präsentation der Luftbilanz 2010/2011, die am Dienstag ebenfalls im Ausschuss diskutiert wurde. Zum Großteil vom Individualverkehr emittierte gas- und partikelförmige Luftschadstoffe, also Stickstoffoxid und Feinstaub, belasten die Umwelt immer noch über Gebühr, obwohl einzelne Werte zuletzt zurückgegangen sind und auch Ende dieses Jahres wohl weiter gesunken sein werden. Die Grenzwerte werden aber immer noch oft weit überschritten. CDU-Chef Kotz sagte dennoch, man müsse das Positive stärker herausstellen: „Auf 99 Prozent des Stadtgebiets ist die Luft sauber.“

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2 KommentareKommentar schreiben

Die Welt ist eine Scheibe: Na, sicher: „S?21 ist ganz klar ein Teil des Klimaschutzes.' Und eine tolle Möglichkeit, viel Geld zu sparen. Und das neue Herz Europas. Und nötig für die Magistrale Paris-Belgrad. Wann sind endlich die nächsten Gemeinderatswahlen?!

leidet entsetzlich: unter der Politik in Stuttgart, die den Klimawandel verbal untertreibt. Diese Politik ist dabei, zum Zentrum der Weltverschlechterung zu werden. Es geht nicht an, dass mit grotesken Behelfsmaßnahmen - wie der Dachbegrünung oder der Wahl eines Grünen - der klimatischen Verschlechterung weiter Vorschub geleistet wird. Wirksamer wäre die Stadt nicht mehr Umweltzone zu nennen, weil Häuserschluchten und Betonpisten nun mal mit Natur und Umwelt nicht gleich gesetzt werden dürfen. Das ist Produkttäuscherei. Da nützt auch die Wahl von Herrn Kuhn nichts. Der grüne Stadtrat Kienzle hat ja so recht mit seiner Ansage, dass die Sterberate von Stuttgartern sehr hoch ist. Man trifft ja fast keine mehr. Auch dem Stadtrat Kotz darf es nicht gelingen, von den 1 % des Stadtgebiets abzulenken, das quasi ein Gefangenenlager des menschenfeindlichen Feinstaubs ist. Vielmehr muss auch hier das Übel an der Wurzel gepackt werden. Die Umbenennung des Feinstaubs in Feindstaub ist eine hirnorganische Notwendigkeit für die Politik der Gemeinderäte gegen den entsetzlichen Wandel des Klimas. Stuttgarter wollen jetzt Maßnahmen gegen den Klimawandel und nicht in 50 Jahren, wenn die 5000 Bäume wirklich stehen sollten. Warum also jetzt erst mit der Klimarelevanz von politischen Maßnahmen beginnen, war doch schon die Stadtgründung klimatologisch bedenklich. Fazit: Ob dieser Politik verschlägt es einem den Atem.

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