Ausschuss Maßnahmen gegen den Klimawandel

Jörg Nauke, 14.11.2012 08:30 Uhr

Stuttgart - Der Umweltausschuss des Gemeinderats hat sich am Dienstag mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt. Das Fachreferat erläuterte, welche Maßnahmen notwendig seien, um nicht übermäßig zur Erderwärmung beizutragen und um die unvermeidlichen Folgen des erwarteten Temperaturanstiegs zu bewältigen. Der Stadtklimatologe Ulrich Reuter stellt für Stuttgart Verhältnisse „wie in Rom“ in Aussicht. Der erwartete Anstieg bis zum Jahr 2050 von etwa zwei Grad Celsius im Winter und um 1,5 Grad Celsius im Sommer ist nach Ansicht der Experten nur aus touristischer Sicht von Vorteil: Es sei in Land und Stadt wohl mit einer Zunahme der Anzahl der „potenziellen Badetage“ zu rechnen. Auch der Wander- und Radfahrtourismus könnte mit mehr geeigneten Tagen rechnen, ebenso die Außengastronomie“, heißt es in der Vorlage des „Klimawandel-Anpassungskonzepts Stuttgart“ (Klimaks), das kontinuierlich fortgeschrieben wird. Es weist vor allem auf die negativen Folgen wie vermehrte Überflutungen und starken Schneefall, die Verdrängung wärmeempfindlicher Pflanzen, eine Zunahme der Erosionsgefahr und eine stärkere Belastung der Menschen durch die zunehmende Hitze und Zecken hin.

Das Papier baut auf der Anpassungsstrategie des Bundes auf und konkretisiert diese für die Stadt Stuttgart. Die Verwaltung setzt Prioritäten, macht Angaben zur Finanzierung und zur zeitlichen Umsetzung. Stuttgart übernimmt nach Aussage des Umweltbürgermeisters Matthias Hahn (SPD) eine Vorreiterrolle.

Höhere Sterberate im Kessel?

Für den Grünen-Stadtrat Michael Kienzle muss sich die Kommunalpolitik künftig intensiver damit beschäftigten, ob eine Maßnahme klimarelevant sei. Der Fraktionschef der CDU, Alexander Kotz, will wie die SPD-Kollegin Roswitha Blind auf die Begrünung von Dächern ein stärkeres Augenmerk legen. Er verwies darauf, mit dem Verkehrsentwicklungskonzept könnten Emissionen reduziert werden. Der SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker sprach von einer „Parallelwelt“, in der manche Stadträte lebten. Für Stuttgart 21 würden sie Bäume fällen, den Grundwasserhaushalt beeinträchtigen und das Gleisvorfeld versiegeln – alles Maßnahmen, die den Klimawandel begünstigten. Dem widersprach der CDU-Stadtrat Philipp Hill: „S 21 ist ganz klar ein Teil des Klimaschutzes.“ Es gebe 20 Hektar mehr Parkfläche und 5000 Bäume. Die Bebauung des Gleisvorfelds habe keine Auswirkungen auf die Luft im Talkessel; wenn überhaupt, dann nur auf Bad Cannstatt.

Der Grünen-Stadtrat Kienzle behauptete, die Menschen, die im Kessel lebten, hätten wegen der schlechten Luft eine höhere Sterberate. Dies müsse sich ändern. Ausgangspunkt der Debatte über die Lebensqualität war Ulrich Reuters Präsentation der Luftbilanz 2010/2011, die am Dienstag ebenfalls im Ausschuss diskutiert wurde. Zum Großteil vom Individualverkehr emittierte gas- und partikelförmige Luftschadstoffe, also Stickstoffoxid und Feinstaub, belasten die Umwelt immer noch über Gebühr, obwohl einzelne Werte zuletzt zurückgegangen sind und auch Ende dieses Jahres wohl weiter gesunken sein werden. Die Grenzwerte werden aber immer noch oft weit überschritten. CDU-Chef Kotz sagte dennoch, man müsse das Positive stärker herausstellen: „Auf 99 Prozent des Stadtgebiets ist die Luft sauber.“