Ausstellung in Stuttgart-West Werke von Kriegsfotograf in Galerie bespuckt

Von Sascha Maier 

Seit einigen Wochen stellt der Münchner Fotograf Johannes Müller seine Arbeiten in der Bloody Colors Gallery im Stuttgarter Westen aus, die vor allem Kinder in Kriegsgebieten zeigen. Die Betreiber haben jetzt Spuckspuren am Schaufenster entdeckt, die sie für gezielt halten.

Studiomanager Horst Krick (links) und Fotograf Johannes Müller sind entsetzt über eine mutmaßliche  Spuck-Attacke. Foto: Ina Schäfer
Studiomanager Horst Krick (links) und Fotograf Johannes Müller sind entsetzt über eine mutmaßliche Spuck-Attacke. Foto: Ina Schäfer

S-West - Als Horst Krick am Mittwoch gegen 11 Uhr die Räume der Bloody Colors Gallery im Stuttgarter Westen aufschloss, traute er seinen Augen kaum. Dort, wo aktuell die Werke des Kriegsfotografen Johannes Müller aus München ausgestellt sind, hat jemand offenbar gezielt an die Schaufensterscheibe gespuckt. An der Stelle, wo Krick die Sauerei gefunden haben will, hängt – wie die meisten von Müllers Fotografien – ein Bild von einem Kind in einem Krisengebiet.

Der Manager des Bloody-Colors-Tattoostudios, an das die Kunstgalerie angeschlossen ist, machte seinem Ärger auf Facebook Luft: „Es ist traurig. Es gibt Menschen, die das Schaufenster einer Galerie bespucken, weil dort Bilder von Menschen aus Kriegsgebieten ausgestellt sind, die zu mehr Empathie führen sollen.“

Noch härter scheint das Ereignis den Fotografen selbst getroffen zu haben. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bin ziemlich fassungslos“, schreibt Johannes Müller in dem sozialen Netzwerk. Es tue ihm „aufrichtig leid“, dass seine Bilder für Ärger gesorgt hätten. „Und augenscheinlich für Wut.“

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln nicht

Doch wer reagiert in dieser Weise auf Bilder von Kinderaugen mit zerstörten Städten im Hintergrund? Für Horst Krick jedenfalls ist klar, dass es Absicht gewesen sein muss. „Da wurde ganz gezielt gespuckt, zwar nicht viel, aber es ärgert mich“, sagt Krick. Die Spucke hat er sofort weggewischt.

Da keine Anzeige erstattet wurde, wollen Staatsanwaltschaft und Polizei auch keine Aussage zu dem Vorfall machen. Zu hypothetisch, heißt es von Seiten beider Behörden. Ohnehin scheint es schlicht unmöglich, den Verantwortlichen, in welcher Absicht er auch immer gehandelt haben mag, ausfindig zu machen.

Die Ausstellung „Traces of Hope – Zeichen der Hoffnung“ ist noch bis einschließlich 21. Oktober in der Hölderlinstraße 53 zu sehen, die Finissage beginnt um 18 Uhr. Johannes Müller bereist seit 2011 Kriegs- und Krisengebiete, darunter Afghanistan und den Irak. Ein zentrales Thema von Müllers Arbeiten ist es, auch dort noch Hoffnung zu zeigen, wo kaum noch welche zu sein scheint. Die Einnahmen der verkauften Bilder gehen ausnahmslos an NGOs, die sich um traumatisierte Kinder kümmern.

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