Auswärtiges Amt Judenverfolgung als Existenzsicherung

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Lange hieß es, das Auswärtige Amt widerstand den Nazis. Jetzt weiß man: deutsche Diplomaten waren aktiv an der Judenvernichtung beteiligt.

Eckart Conze, einer der Autoren von Das Amt und die Vergangenheit. Foto: StZ 2 Bilder
Eckart Conze, einer der Autoren von "Das Amt und die Vergangenheit."Foto: StZ
Berlin - Fünf Jahre haben Eckart Conze und seine Kollegen weltweit in über 30 Archiven geforscht. Nun ist belegt: das Auswärtige Amt spielte eine zentrale Rolle bei der Ermordung der europäischen Juden.

Herr Conze, an Selbstbewusstsein scheint es dem Auswärtigen Amt nicht gefehlt zu haben. In einer Broschüre von 1979 heißt es, das Amt sei eine unpolitische Behörde gewesen und habe dem NS-Apparat als Hort des Widerstands gegolten. Ist diese Sicht haltbar?


Nein. Sie wird zwar in dieser Form heute kaum noch vertreten, doch sie bildet den Kern des Selbstverständnisses des Auswärtigen Amtes, wie es sich in der Zeit nach 1945 und in den Jahren nach seiner Wiedergründung 1951 entwickelt hat: das Auswärtige Amt als Stätte der Opposition, als Hort des Widerstandes. Dabei war das Auswärtige Amt eine zentrale Institution des Nationalsozialismus, aktiv beteiligt an nationalsozialistischen Verbrechen.

Sie verweisen das lange gepflegte Geschichtsbild ins Reich der Legenden.


Der Apparat hat nicht nur mitgemacht, sondern war immer wieder auch initiierend beteiligt. Und das nicht erst ab 1938 mit der Amtsübernahme Ribbentrops oder nur in einzelnen Abteilungen. Der ganze Apparat hat seit 1933 an der Gewaltpolitik des Nationalsozialismus mitgewirkt. Er hat sich aktiv, kooperierend, kollaborierend an der Verfolgung und Ermordung der deutschen und europäischen Juden beteiligt.

Warum hat der Apparat so perfekt funktioniert?


Zum einen gab es schon in der Frühphase der nationalsozialistischen Machtübernahme eine ganz erhebliche Übereinstimmung der Ziele zwischen den alten diplomatischen Eliten einerseits und den neuen nationalsozialistischen Machthabern andererseits. Das reicht von außenpolitischen Übereinstimmungen - "Sprengung der Ketten von Versailles", Wiederherstellungen einer deutschen Großmacht - bis hin zu ideologischen Affinitäten, nicht zuletzt im Antisemitismus. Zum anderen gab es in der Außenpolitik nach 1933 eine Reihe konkurrierender Institutionen. Das Auswärtige Amt versuchte seine Existenz auch dadurch zu legitimieren, dass es kollaborierte. So gab es eine Dynamik der vorauseilenden Kooperation. Seit Kriegsbeginn 1939 schließlich gab es keine traditionelle Außenpolitik und Diplomatie mehr. Das Auswärtige Amt suchte verzweifelt nach neuen Aufgaben. Was lag aus Sicht der Diplomaten da näher, als den zentralen Bereich der NS-Politik zu seiner Hauptaufgabe zu machen: die Judenpolitik.

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2 KommentareKommentar schreiben

AA war ebenfalls eine verbrecherische Organisation.: Die These von einer „verbrecherischen Organisation“ - nämlich des bis heute so renommiert erscheinenden Auswärtigen Amtes erschüttert die bisherige Haltung der 'Ehemaligen' bis auf den Grund. Eine durchgängige Entnazifizerung dieser durch und durch dem Nazismus ergebenen Behörde fand nicht statt. Und das rächt sich. Auch die längst bekannten Schönredner helfen da nicht weiter. Das AA war durch und durch dem NS-Staat hörig und hat ihm bei vielen Verbrechen gerne zugearbeitet. Und so mancher Diplomat hat im Nachkriegsdeutschland weiter Karriere gemacht. Diese Parallelwelt gilt es endlich aufzubrechen!

Blogger widerlegt Conze: Es sieht ganz danach aus, dass Conze längst bekannte Begebenheiten als 'Forschungsergebnisse' ausgibt, um eine Phantom-These zu widerlegen: http://berlin2011.wordpress.com/2010/10/25/historiker-kommission-narrt-faz-und-spiegel/

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