Baden-Württemberg-Ticket Der Familien-Fahrschein wird teurer

Von  

Das Baden-Württemberg-Ticket wird zum Fahrplanwechsel deutlich teurer, bei fünf Reisenden sogar um 15,4 Prozent. Und alle Einnahmen gehen auf die Konten der Bahn, obwohl das Land für die Züge bezahlt.

Neue Preise bei der Bahn – das Badebn-Württemberg-Ticket wird deutlich teurer. Foto: dpa
Neue Preise bei der Bahn – das Badebn-Württemberg-Ticket wird deutlich teurer.Foto: dpa

Stuttgart - In einigen Bereichen belässt es die Bahn zum Fahrplanwechsel im Dezember bei einer maßvollen Preisrunde, aber bei weitem nicht in allen Fällen. Wie jetzt bekannt wird, erhöht sich der Fahrpreis für das Baden-Württemberg-Ticket erheblich. Wenn fünf Reisende unterwegs sind, die mit diesem Fahrschein gemeinsam alle Bahnverbindungen im Land nutzen können, liegt die Preiserhöhung bei 15,4 Prozent. Bei Fahrkarten außerhalb dieses Angebots für Familien und Freunde ist von einer Verteuerung wie dieser nicht die Rede. In vielen Fernzügen verzichtet die Bahn in der 2. Klasse sogar auf eine Anhebung der Preise. Im Nahverkehr insgesamt soll die Erhöhung 1,9 Prozent betragen.

Da fällt das Baden-Württemberg-Ticket aus dem Rahmen. Der Grundpreis für einen Reisenden erhöht sich von derzeit 23 auf 25 Euro. Für jede weitere von bis zu fünf Personen, die zu der kleinen Reisegruppe gehören können, erhöht sich der Preis von vier auf fünf Euro. Wird dieses Familienangebot voll ausgenutzt, sind somit 45 Euro statt zuletzt 39 Euro zu bezahlen.

Der DB stehen alle Tarifeinnahmen zu

Für einen Preissprung wie diesen braucht die DB keine Mitwirkung des Landes. Dabei wird der ganze Nahverkehr in Baden-Württemberg vom Land bezahlt. Und zwar mit einem mehr als die Kosten deckenden Preis von rund elf Euro für jeden Kilometer, den einer der Züge zurücklegt. Das Geld kommt in Form so genannter Regionalisierungsmittel aus der Bundeskasse. Doch seit einiger Zeit reichen diese nicht mehr aus. In den letzten Jahren mussten 80 Millionen Euro vom Land aufgebracht werden, um Abbestellungen von Zügen zu verhindern.

Dessen ungeachtet schreibt der häufig diskutierte große Verkehrsvertrag zwischen dem Land und der Bahn, dass der DB alle Tarifeinnahmen zu einhundert Prozent zustehen. Je stärker sie die Preise erhöht, umso größer wird die Kluft zwischen Zuschüssen und Einnahmen auf der einen Seite und für den Betrieb notwendigen Ausgaben auf der anderen.

Betroffen ist einer der beliebtesten Tarife im Land

Auch darüber hinaus ist dieser Verkehrsvertrag mit einer Laufzeit von 2003 bis 2016 für die Bahn vorteilhaft. Neben einen jährlichen Inflationsausgleich von 1,5 Prozent – der somit über der aktuellen Inflationsrate liegt – kann die Bahn alle Mehrkosten im Bereich von Energie, Trassen und Stationen an das Land durchreichen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) spricht in diesem Zusammenhang von einer „Überkompensation“ durch den Verkehrsvertrag.

Mit der deutlichen Erhöhung trifft die Bahn einen der beliebtesten Tarife im Land, der bereits heute eine Vorstufe eines allgemein gültigen Landestarifs darstellt. Einmal bezahlen und alle Verkehrsmittel des Landes nutzen, das ist ein Ziel, das Hermann seit langem anstrebt.

Konkurrenz durch Fernbusse auch im Nahverkehr

Die in anderen Bereichen moderaten Fahrpreiserhöhungen werden darauf zurückgeführt, dass die Bahn die Konkurrenz durch die Fernbusse fürchtet. Aber diese Buslinien stellen in einem Flächenland wie Baden-Württemberg auch im Nahverkehr eine Konkurrenz zur Bahn dar. Ein Blick auf die Tarifrechner dieser Buslinien belegt den Preiskampf. So kostet manche umsteigefreie Busfahrt zwischen Tübingen und Freiburg zwischen zehn und 13 Euro, zwischen Tübingen und Konstanz sogar nur rund acht Euro. Ein teureres Baden-Württemberg-Ticket ist auch unter diesem Aspekt selbst bei mehreren Reisenden gegenüber den Bussen kein Sparangebot mehr.

Das Baden-Württemberg-Ticket ist einen Tag lang in Baden-Württemberg in allen Nahverkehrszügen der DB und der teilnehmenden Eisenbahnen sowie in vielen Verkehrsverbünden gültig. Es gilt von Montag bis Freitag von neun Uhr bis drei Uhr des Folgetages, am Wochenende und an gesetzlichen Feiertagen ab null Uhr.