Bäume auf den Fildern Förster hoffen auf ein verregnetes Frühjahr

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Der heiße Sommer 2015 hat Auswirkungen auf die Bäume auf den Fildern. Im Dürrlewangwald mussten Fichten wegen Borkenkäfern gefällt werden. Auch Sturmschäden gab es zu vermelden. Das Eschentriebsterben bereitet Sorgen.

Hagen Dilling (auf dem Foto bei einem Rundgang im  Haldenwald im vorigen Jahr) sorgt sich um das Eschentriebsterben, das auch Bäume auf den Fildern bedroht. Foto: R. Stahlberg
Hagen Dilling (auf dem Foto bei einem Rundgang im Haldenwald im vorigen Jahr) sorgt sich um das Eschentriebsterben, das auch Bäume auf den Fildern bedroht.Foto: R. Stahlberg

Filder - Gut 80 Festmeter sogenanntes Käferholz sind im vergangenen Jahr in Dürrlewang geschlagen worden. Außerdem circa 200 Festmeter Sturmholz, im Dürrlewangwald und im Büsnauer Wald zusammen. Alles Folgen des sehr heißen und trockenen Sommers 2015 – der hat sich auch im Verbreitungsgebiet der Filder-Zeitung auf die Bäume ausgewirkt.

„Bäume reagieren auf trockenes Wetter so, dass sie die Verdunstung einschränken und dadurch auch ihren Holzzuwachs“, erklärt Hagen Dilling, der städtische Forstamtsleiter. Auch die sonstigen Lebensfunktionen würden zurückgefahren – der Baum ist sozusagen auf Sparflamme. Die Folge daraus ist, dass die Bäume anfälliger werden für Schädlinge und sich bereits bestehender Parasitenbefall stärker auswirkt. Gegen den Borkenkäfer wehrt sich die Fichte beispielsweise dadurch, dass sie viel Harz produziert. Mit der klebrigen Substanz werden die Insekten unschädlich gemacht. „Dafür braucht die Fichte aber eine sehr gute Wasserversorgung“, erklärt Dilling. Und eben die habe es im vergangenen Sommer nicht gegeben.

Für das „Käferholz“ gibt es weniger Geld

In Vaihingen und Möhringen haben die Mitarbeiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts mehrere Bereiche mit Borkenkäferbefall entdeckt. „Die Fichten sind schnellstmöglich gefällt und das Holz verkauft worden“, sagt Dilling. Denn der befallene Baum sei nicht zu retten. Eile sei in dieser Situation unabdingbar, um zu verhindern, dass eine nächste Generation an Borkenkäfern schlüpfe und weitere Fichten befalle. Mit dem Verkauf des „Käferholzes“ erzielt die Stadtverwaltung weniger Einnahmen als mit gesundem Holz. „Die Marktposition ist schlechter für uns. An der Dachlatte merkt man das hinterher aber nicht“, sagt Dilling.

Im gesamten Stuttgarter Stadtwald wachsen deutlich mehr Laub- als Nadelbäume. Dürrlewang hingegen ist von Fichten geprägt. „In Richtung Autobahn gibt es einen Block Fichten“, sagt der Forstamtsleiter. Auch im Bereich der Nord-Süd-Straße am Fasanenhof in Richtung Autobahn sowie im Wald bei Büsnau und im Mahdental wachsen welche. „Dort überall gibt es nun einzelne Löcher im Bestand, wo wir vom Borkenkäfer befallene Fichten schlagen mussten.“ Zudem gab es im vergangenen Jahr einige kleinere Sommerstürme. „Das hat zum Umfallen einzelner Bäume geführt“, sagt Dilling. Auch diese habe man entfernen müssen; die Verkehrssicherheit muss gegeben sein.

Holz ist eine verderbliche Ware

Bislang habe man bei den Laubbäumen noch keine großflächig abgestorbenen Bereiche festgestellt, sagt Dilling. Dies könne aber noch verzögert geschehen. So wie etwa nach dem ebenfalls sehr heißen Sommer 2003, wo man erst einige Jahre später die Auswirkungen gesehen habe. Wenn einzelne Bäume natürlich abgestorben sind, dann integrieren die Mitarbeiter des Forstamts dies in den geplanten Holzeinschlag. „Die Reihenfolge, in der wir durch den Wald gehen wollten, wird dadurch natürlich umgeworfen“, sagt Dilling. Dies müsse man hinnehmen. Auch, dass die abgestorbenen Bäume ebenfalls einen schlechteren Holzpreis erzielen. „Holz ist nun mal eine verderbliche Ware“, sagt der Forstamtsleiter. Die finanziellen Auswirkungen im Stadtsäckel kann er noch nicht abschätzen.

Was dem Forstamtsleiter jedoch Kopfzerbrechen bereitet, ist das Eschentriebsterben. Dieses Phänomen gibt es seit einigen Jahren; bislang gibt es kein Gegenmittel. Im Verbreitungsgebiet der Filder-Zeitung gibt es zwei Bereiche mit vermehrtem Eschen-Vorkommen: im Haldenwald bei Sonnenberg und im Dürrlewangwald. „Wir behalten diese Bereiche intensiv im Auge“, sagt Dilling.

In Vaihingen sind dieses Jahr keine größeren Holzeinschläge geplant. In Dürrlewang sei man bereits im Herbst beschäftigt gewesen – wo unter anderem die 80 Festmeter Käferholz aus dem Wald geschafft worden sind. Im Frühjahr werden die Mitarbeiter im Weidach- und Zettachwald auf dem Fasanenhof unterwegs sein. Auf was für ein Wetter hofft der Forstamtsleiter 2016? „Ein kalter Winter mit Frost bis Ende März und anschließend ein windarmes, verregnetes Frühjahr“, sagt Dilling. „Das ist aus Sicht eines für den Wald Zuständigen der perfekte Witterungsverlauf.“

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