Stuttgart - Die Premiere war eine Party im Kim Tim Jim am Charlottenplatz. „Charity“ war ausgerufen, die Wohltätigkeit für alle, denen Wohltätigkeit zu bieder klingt. Die Location passt für „coole junge Leute“, die eine Zeitung machen für coole junge Leute. Die hat Marija Stojanovic im Sinn für ihren wohltätigen Zweck. „Streetmag“ heißt das Magazin, das sie mit einem Kunstverein in Berlin herausgibt. Das sollte schon diese Woche auch in Stuttgart zu kaufen sein. Die erste Titelgeschichte versprach, Aufmerksamkeit zu erregen: ein Gespräch mit Maria Mia, einem Pornostar, der „erzählt, wie es wirklich zugeht am Set“, sagt Stojanovic – also von der unerotischen Seite des Geschäfts.
Genehmigung benötigt
Aber auf die Party folgte der Kater. Bekanntlich passt nicht alles, was jungen Leuten cool scheint, durchs Regelnetz, das Papa Staat strickt. „In Berlin mag das so gehen“, sagt Joachim Hempel, Chefredakteur der Straßenzeitschrift „Trottwar“, „aber in Stuttgart nicht.“ Die Inhalte von „Trottwar“ und „Streetmag“ decken sich etwa wie das „Handelsblatt“ mit „Cosmopolitan“, eins haben sie aber gemeinsam: beide werden von Bedürftigen verkauft. Dafür „braucht man eine Genehmigung“, sagt er.
Aus Sicht einer Frau, die in einer Stadt lebt, deren Oberbürgermeister Klaus Wowereit maue Kassenlage mit Sex-Appeal ausgleicht, ist das unverständlich. Da Stuttgarts Stadtoberhaupt Wolfgang Schuster die Lebensprioritäten anders sortiert, hat Stojanovic aber inzwischen die Auskunft bekommen, dass der Vertrieb ihres Blattes illegal wäre. Nichts geht ohne Genehmigung. „Sogar jemand, der Zeitungen auf der Straße verschenkt, würde Ärger bekommen“, sagt Bernd Eichenauer vom Ordnungsamt, „Stuttgart ist eben nicht Berlin.“ Damit ist der Erscheinungstermin vertagt.


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streetmag
Das Ziel von streetmag ist nicht die x-te Obdachlosenzeitung herauszugeben und anderen Straßenzeitungen damit Konkurrenz zu machen, sondern eine im Straßenzeitungssegment vorhandene Lücke zu schließen. Es geht zum einen darum junge Menschen, die sonst nie Straßenzeitungen kaufen zu erreichen und für die Themen Obdachlosigkeit und Armut zu sensibilisieren und zum anderen, den Menschen die noch nie Straßenzeitungen verkauft haben, die Möglichkeit zu geben einfach und unkompliziert an den Straßenzeitungsverkauf herangeführt zu werden, indem sie die kompletten Verkaufserlöse behalten dürfen und die Zeitung nicht vorher erst ankaufen mussten. Die meisten Straßenzeitungen sind für Menschen ausgerichtet, die bereits einen Resozialisierungswillen mitbringen und wieder Teil der Gesellschaft werden wollen. Das ist super. Aber es gibt leider auch sehr viele Menschen, die nicht die Kraft haben, diesen Schritt zu gehen oder sich vom Programm bisheriger Straßenzeitungen nicht angesprochen fühlen. Für diese Menschen bietet streetmag eine Alternative zum Betteln. Uns geht es darum, junge Menschen und neue Zielgruppen zu erreichen und nicht eine Konkurrenzsituation zu schaffen, was nicht nur kontraproduktiv sondern auch respektlos der jahrelangen Arbeit von bereits etablierten Straßenzeitungen gegenüber wäre. Trottwar ist eine super Einrichtung und bietet den Menschen viel mehr als nur eine Zeitung, die sie verkaufen können. In Berlin existieren 3 Straßenzeitungen parallel zueinander. Jede Zeitung hat seine eigenen Käufer und Verkäufer, somit wird letztlich dreimal so viel erreicht.
Armutszeugnis
Was für ein Armutszeugnis … Unfassbar, dass man sich als Stadt so verhalten kann und auch noch Stolz auf seine Paragraphenhörigkeit ist.
Trottwar
Ich dnek jeder aus Stuttgart kennt Trottwar und deren gute Arbeit. Ehe ich einem Bettler Geld in den Hut werfe kaufe ich lieber eine Trottwar für aufgerundete 2 Euro. Undi hcund wohl (fast) jeder Stuttgarter käme wohl kaum auf die Idee ein ortsfremdes Blättle statt der Trottwar zu kaufen. Die "Konkurenz" würde einfach Mangels Nachfrage in Stuttgart schnell wieder verschwinden.