Weniger Pestizide, mehr artenreiches Grünland – die grün-rote Agrarpolitik in Baden-Württemberg soll auch den Bienen helfen. Aufgrund ihrer Bestäubungsleistung seien sie die „drittwichtigsten Nutztiere“.

Stuttgart - Die Imkerei ist wieder angesagt in Baden-Württemberg: Rund 18 000 Imker gebe es im Land, und seit ein paar Jahren auch ein „irrsinniges Interesse“ bei jungen Leuten, insbesondere in Stuttgart, sagt Peter Rosenkranz, der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim. Selbst Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist unter die Imker gegangen. Demnächst werde im Garten der Villa Reitzenstein wieder „Regierungshonig“geerntet, berichtete der Agrarminister Alexander Bonde.

 

Trotz des steigenden Interesses ist die Zahl der Bienen zurückgegangen. Krankheiten, wie etwa die Varroamilbe nach milden Wintern, setzen den Völkern zu. Aber vielfach ist das Bienensterben auch auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen. Wie etwa jüngst in Oberkirch, wo vor Ostern 21 Bienenvölker von fünf Imkern verendet waren. Untersuchungen belegten, dass ein Landwirt ein seit 2003 in der EU verbotenes Pestizid (E 605) in seiner Apfelanlage eingesetzt hatte. Den Mann erwartet ein empfindliches Bußgeld, zudem müsse er mit Kürzungen der EU-Agrarfördergelder rechnen. In einem weiteren Fall sind 18 Bienenvölker eines Imkers nachweislich durch ein zu hoch dosiertes Pestizid geschädigt worden.

Auch das deutschlandweit größte Bienensterben am Oberrhein im Jahr 2008, als 11 500 Bienenvölker vergiftet wurden, war durch ein Pestizid verursacht worden. Die Zulassung des Wirkstoffes Chlotianidin ruht deshalb seit 15. Mai 2008, heißt es aus dem zuständigen Bundesamt BVL. Für drei weitere Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide gebe es aufgrund einer Entscheidung der EU-Kommission seit Herbst 2013 ein zweijähriges Moratorium, sagte Minister Bonde. Die europäischen Vorgaben zum Schutz von Honig- und Wildbienen würden von der Bundesregierung allerdings „nicht ausreichend umgesetzt“, sagte Bonde. Der Bund nutze den Spielraum zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln nicht ausreichend. Für die Obstbauern am Bodensee jedenfalls werde es keine Ausnahmegenehmigungen zur Verwendung von Streptomycin mehr geben, erklärte Bonde. Es gebe jetzt alternative Präparate zur Bekämpfung des Feuerbrands, an der Entwicklung seien das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg und das Kompentenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) maßgeblich beteiligt gewesen.

Bienen sind durch ihre Bestäubungsleistung unersetzlich

Bonde verwies auch auf die häufig unterschätzte Bedeutung der Bienen: sie seien aufgrund ihrer Bestäubungsleistung die „drittwichtigsten Nutztiere“. Der volkswirtschaftliche Wert in Deutschland liege bei jährlich 2,5 Milliarden Euro. Deshalb sei der Bienenschutz so wichtig. Im neuen Agrarumweltprogramm Fakt will Bonde eine ökologischere Bewirtschaftung erreichen, Streuobstwiesen erhalten sowie die Ansaat bienenfreundlicher Blühmischungen ausbauen. Auch Gemeinden, Städte und Landkreise seien gefordert, im öffentlichen Grün „Bienenweiden“ anzulegen.