Bildungsplan-Demo in Stuttgart Die Gegner protestieren erneut

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Gegner des Bildungsplans haben am Samstag erneut in Stuttgart demonstriert. Bei dem Protest gegen das Vorhaben der Landesregierung ist es zu Provokationen und Rangeleien gekommen.

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Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Am Rande der vierten Demonstration gegen den vorgesehenen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung ist es am Samstag in Stuttgart erneut zu teils heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Weil eine Gruppen meist junger, vereinzelt auch vermumter Leute die Veranstaltung des Aktionsbündnisses „Demo für alle“ massiv stören wollte, nahm die Polizei rund hundert Personen in „verläufiges Gewahrsam“. Ein unbeteiligter Passant wurde durch einen Böller leicht verletzt. Die Veranstalter zählten etwa tausend Kundgebungsteilnehmer, die Polizei sprach von etwa siebenhundert und von einigen hundert Gegendemonstranten. Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit etwa eintausend Einsatzkräften. 

Es ist Katz-und-Maus-Spiel gewesen, wie man es bei ähnlichen Veranstaltungen schon öfter erlebt hat. Gegen 15 Uhr fanden sich die Teilnehmer der Kundgebung mit Regenschirmen und Protesttafeln wie „Stoppt die Sexualisierung der Kinder“ oder „Vater, Mutter, Kind – Familie voran“ auf dem Schillerplatz ein. Die Gegendemonstranten versuchten daraufhin von der Stiftskirche und dann von der Planie her auf den von der Polizei mit Gittern massiv gesicherten Platz vorzudringen. „Sie haben aggressiv versucht, die Veranstaltung zu stören und die Gitter wegzureißen“, sagte ein Polizeisprecher. In der Folge setzten Beamte Schlagstöcke und Pfefferspray gegen die meist jungen, schwarz gekleideten Aktivisten ein. Auf der Vorderseite des Restaurants Alte Kanzlei, wo es kurzzeitig zu tumultartigen Szenen kam, kreiste die Polizei etwa hundert Gegendemonstranten ein.

Demonstranten beschädigen geparktes Auto

Einige der Demonstranten beschädigten kurz darauf beim Parkhaus am Schillerplatz ein geparktes Auto, erklärte die Polizei. Und noch vor dem Beginn der Kundgebung der Bildungsplangegner krachte plötzlich ein Böller. Dabei wurde ein 50 Jahre alter Fußgänger leicht verletzt. Bei einigen der dem linken Spektrum zuzurechnenden Gegendemonstranten stellten die Beamten auch Böller und Schutzausrüstungen sicher. Sie müssen mit Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz rechnen.

Bei der Kundgebung des Bündnisses „Demo für alle“, zu dem sich insgesamt 17 Gruppen zusammengetan haben, forderten mehrere Rednerinnen und Redner, die Landesregierung müssen ihren Bildungsplan nicht nur überarbeiten, sondern das Vorhaben ganz aufgeben und die Sexual- und Werteerziehung den Eltern überlassen. Der Entwurf der Landesregierung sieht vor, in Schulen künftig für die Akzeptanz sexueller Vielfalt zu werben und dabei auch Themen wie Homosexualität, Bi- und Transsexualität zu behandeln. Aufgrund der Proteste soll dieser Plan nun überarbeitet und erst 2016 umgesetzt werden.

„Die Familie ist das Leitbild auch in unserer Verfassung“, sagte Hans-Christian Hausmann, der stellvertretende Kreisvorsitzende der Stuttgarter CDU, der, wie er betonte, als einfaches Parteimitglied spreche. Diese Haltung habe mit Hass gegen Homosexuelle nichts zutun. Hubert Ginder, Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken, sprach von einem „Kulturkampf“, der weit über die Grenzen des Landes hinausgehe. Die Publizistin Birgit Kelle sagte, „auch Menschen, die an Gott glauben, können Toleranz fordern“. Guillaume Got, ein Vertreter der französischen Bewegung gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen aus Paris, beschwor die internationale Vernetzung der Akteure.

Unter Rufen wie „Homophobie ist eklig“ oder „Alle in Therapie“ von Kundgebungsgegnern zogen die Teilnehmer, begleitet von Polizeikräften, vor die Oper am Eckensee zur Abschlussveranstaltung, ohne dass es zu weiteren Zwischenfällen kam.

Ein Video zeigt die angespannte Stimmung am Rande der Demo:

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32 Kommentare Kommentar schreiben

@ Friedemann Reichert, 21:57 Uhr: Nein wirklich peinlich sind Kommentare die die Welt in 99% normal und 1 % anormal einteilen. Es geht nicht um normal oder anormal sondern um Toleranz gegenüber dem das Sie anormal nennen. Anormal sind für mich Leute die manche Ausrichtung als Krankheit bezeichnen die ausgemerzt gehört - denen würde ein wenig Biounterricht ganz gut tun. Solche Zeiten hatten wir mal und ich hoffe die wünscht sich keiner zurück - bei den Kommentaren hier bin ich mir dessen aber nicht mehr sicher. Schade für unsere Gesellschaft.

Wirklich peinlich ...: ... sind viele Kommentare auf dieser Seite, die einem zwanghaft vermitteln wollen, dass 1 % der Gesellschaft normal und 99 % unnormal sind.

Peinlich: Wie schön, die Mittelalterfreunde waren mal wieder unterwegs. Homophobie ist keine Meinung, Homophobie ist peinlich, bildungsfern und menschenfeindlich. Homosexualität ist eine Tatsache der Natur, sie kommt auch bei anderen Spezies vor. Es geht hier nicht um irgendwelche dämlichen Lebensentwürfe, wie sie unsere Mittelalterfreunde pflegen. Toll, dass in Stuttgart die "Familienschützer" (welche Farce) offen durch die Straßen marschieren können, anderswo hätten sie wohl mit deutlich mehr Widerstand zu rechnen.

Schnittmenge?: Würde mich interessieren, wie viele der Demonstranten, die gegen den Bildungsplan auf die Straße gingen, was ja immerhin 1000 Polizisten beschäftigte, gegen die Demos gegen S 21 wetter(te)n. Nur mal so am Rande.

toleranz ist keine einbahnstraße....: das wird auch nicht bestritten und/oder behauptet, Frau Theissen. Nur wo soll man beginnen? Bei den Schwarzen? Bei den Juden, Frauen? Bei der Religion egal welcher Konfession? Irgendwo wird das Ergebnis wie bei der aktuellen Diskussion dieselbe sein. Es muss ein Anfang gemacht werden. Hier zeigt sich doch ganz deutlich, dass die Mehrheit der Gegner die "Gottesfürchtigen" darstellen, gerade diese Gruppe mit dem größten Problem innerhalb der Kirchen. Bei anderen Gruppen wird es sicher nicht anders sein. Und da stellt sich doch die Frage, wie wollen wir die nachkommenden Generationen zur Toleranz und Akzeptanz anders Denkenden aufklären ohne wenn und aber. Es ist/wird nicht einfach sein, aber ein Anfang muss gemacht werden. Gerade in den Schulen sollte es wichtig sein, darauf aufmerksam/aufklären zu machen, dass nicht alle Menschen gleich denken, fühlen, leben können/wollen. Im Übrigen handelt es sich gesamt gesehen nicht um eine Minderheit ( aller betroffenen "Probleme" ). Wir müssen leider jeden Tag aus den Nachrichten vernehmen, was in anderen Ländern ( teilweise selbst in der BRD ) mit Menschen geschieht, die z.B. Homosexuell etc. sind. Wir, die Deutschen, wollen ein weltoffenes und verständnisvolles Volk sein und zeigen aktuell ganz klar auf, was wir von den Problemen vor unserer eigenen Haustüre halten.

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