Bildungspolitik Land schließt keine Grundschule

Von Reiner Ruf 

Kurze Beine, kurze Wege – an diesem Grundsatz werde die Regierung in Baden-Württemberg festhalten, sagt der Finanzminister Nils Schmid (SPD). Schmid sichert den Gemeinde zu, vorerst keine Grundschule zu schließen. Rückläufige Schülerzahlen könnten durch pädagogische Instrumente aufgefangen werden.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) hält an dem Grundsatz fest:  „Kurze Beine, kurze Wege.“ Foto: dpa
Finanzminister Nils Schmid (SPD) hält an dem Grundsatz fest: „Kurze Beine, kurze Wege.“Foto: dpa

Stuttgart - Die grün-rote Landesregierung wird bis zum Ende dieser Legislaturperiode im Jahr 2016 keine Grundschulen schließen. Diese Zusicherung hat Finanzminister Nils Schmid den Städten und Gemeinden im Vorfeld der Gesprächsrunde mit den kommunalen Landesverbänden am heutigen Montag gegeben. „Das Prinzip der kurzen Wege für kurze Beine gilt auch weiterhin“, sagte der SPD-Politiker der Stuttgarter Zeitung. „Es soll die Chance geben, dass die Gemeinden ihre Grundschulen erhalten können.“ Dies schließe „Optimierungen“ innerhalb der Kommunen nicht aus, fügte Schmid hinzu. Doch dies läge allein in deren Ermessen. „Entscheidend ist: von Landesseite kommen keine Schließungen.“ In Baden-Württemberg gibt es nach Regierungsangaben derzeit 2433 Grundschulen.

Der Finanzminister ist zuversichtlich, dass Grundschulen auch dort gesichert werden können, wo die Schülerzahl abnimmt. Entsprechende pädagogische Instrumente wie etwa ein jahrgangsübergreifender Unterricht stünden zur Verfügung. „Das ist nichts, was man neu erfinden müsste, das gibt es bereits.“ Auch stehe der geplante Lehrerstellenabbau einer Grundschulgarantie nicht im Weg. Die demografische Entwicklung biete ausreichend Spielraum, so Schmid.

Ein „vertrauensbildendes Signal“ an Kommunen und Eltern

Der Finanzminister sieht in seinem Angebot im Kontext der Debatte über die regionale Schulentwicklung ein „wichtiges vertrauensbildendes Signal“ an die Kommunen und auch an die Eltern. Viele Bürgermeister besonders der kleinen Kommunen im Südwesten bangen angesichts sinkender Schülerzahlen um die Existenz ihrer (Grund-)Schulen, sind diese doch sozialer Mittelpunkt in den Gemeinden und zugleich ein wichtiges Infrastrukturelement. Junge Familien, so die Befürchtung, ziehen weg, wenn die Schule dicht macht – sie bauen ihr Eigenheim im Nachbarort. Und Firmen siedeln sich erst gar nicht an.

Für Finanzminister Schmid ist die Grundschulgarantie zentraler Bestandteil der Betreuungskonzeption der grün-roten Landesregierung. „Die Eltern sollen sich darauf verlassen können, dass sie für ihr Kind vom ersten Geburtstag bis zum letzten Schultag ein ganztägiges Betreuungsangebot vorfinden.“ Dafür wolle die Regierung Sorge tragen, auch wenn dies angesichts des Sparzwangs im Landesetat nur schrittweise erfolgen könne.

Land stockt Mittel für Kleinkindbetreuung auf

Vor einem Jahr hatten das Land und die Kommunalverbände den „Pakt für Familien mit Kindern“ beschlossen. Die Landesregierung stockte die Mittel für die Kleinkindbetreuung deutlich auf. Vom Jahr 2014 an wird sich das Land mit 68 Prozent an den Betriebskosten für die Kleinkindbetreuung beteiligen. Das Geld schöpft die Regierung aus der höheren Grunderwerbsteuer.

Auch an den weiterführenden Schulen ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung nach Ansicht von Finanzminister schon ein gutes Stück vorangekommen. Er verweist auf das achtjährige Gymnasium mit seinen weit reichenden Unterrichtsangeboten oder auf die Gemeinschaftsschulen. Auch an den Werkrealschulen habe sich einiges getan. „Daran werden wir weiterarbeiten.“

Um die Betreuungskette zu schließen, will sich die Regierung zusammen mit Kommunen jetzt den Grundschulen zuwenden. Dort gebe es bei den Ganztagsangeboten noch die größten Lücken, sagt Schmid. Nichts sei ärgerlicher für die Eltern, wenn sie sich bei jedem Übergang in eine neue Bildungsphase ihrer Kinder neu organisieren müssten.

Im September hatten sich Landesre­gierung und Kommunalverbände (Städtetag, Gemeindetag und Landkreistag) darauf verständigt, dass der weitere Ausbau der Ganztagsschulen insbesondere im Grundschulbereich als bildungspolitischer Schwerpunkt zu setzen sei.

  Artikel teilen
4 KommentareKommentar schreiben

Ich kann mich noch erinnern,: wie die sogenannten 'Zwergschulen' auf dem Lande in erster Linie von den Pädagogen und Politikern wegen des jahrgangsübergreifenden Unterrichts verteufelt wurden. Und nu ist es der Stein der Weisen ?

Wer...: ...vertritt hier eigentlich die Sozial- und Bildungspolitik. Superminister Schmidchen? Maulkorb für GWL? Für wie bekloppt werden wir hier eigentlich gehalten?

Ganz toll Danke Supernils: ..Ganztagesschulen wunderbar- aber bitte ohne Verpflichtung und Zwang...dank dem kommunistischen Gedankengut in unserer Landesregierung werden derzeit Eltern entmündigt. Kinder in Ganztagesangebote gezwängt- ohne Wahl- 29 Stunden Unterricht in der Woche für Erstklässler ist Kinderquälerei- kaum Freizeit für 6 Jährige stundenfüllende Hausaufgaben obendrein... Ein Wahlrecht hat man übrigens nicht wenn man nicht auf Privatschulen ausweichen möchte.... Immer schön die Kinder abschieben... Wer kann oder will ok, aber dieses Zwangsverpflichtung im Grundshculbereich ist unerträglich !!!! Aber das sit ja das Ziel - alle sollen gleich (blöd) gemacht werden- willkommen im Kommunismus- danke Grün-rot !

Grundschulbetreuung: ' Nichts sei ärgerlicher für die Eltern, wenn sie sich bei jedem Übergang in eine neue Bildungsphase ihrer Kinder neu organisieren müssten.': Der Mann weiß nicht wovon er spricht. Es gibt viel Kinder in Stuttgart, die seit dem Alter von 2 oder 3 Jahren in einer Ganztagesbetreuung mit anschließernder Schulkindbetreuung sind. Diese Kinder sollen nun - laut Jugendamt, Herrn Pfleifle und Frau Eisenmann - an die sogenannten Schülerhäuser zwangseingewiesen werden, sofern die Grundschulen das anbieten. ------ DA ist der Bruch, Herr Schmid. - Schülerhäuser - Horte ohne wirkliches Konzept im Moment - kann man ja aufbauen, da spricht nichts dagegen, aber bitte schön OHNE bestehende Konzepte zu zerstören und zu verbieten! Für den Erhalt der Freien Horte! http://save.kindi.org/ Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 20.12.12, Treffen der Eltern ab 15.00 Uhr vor dem Rathaus!

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.