Böblingen: Wheelmap auch für den Landkreis Ampelkarte informiert über Hindernisse

Ehrenamtliche und Schüler beteiligen sich an dem Projekt, Wheelmap nun auch im Kreis zu nutzen. Auf einer Karte werden unzugängliche Orte markiert.

Treppen sind auch für Rollatorfahrer oft ein unüberwindbares Hindernis Foto: Eva Herschmann
Treppen sind auch für Rollatorfahrer oft ein unüberwindbares HindernisFoto: Eva Herschmann

Böblingen - Nicht nur Rollstuhlfahrer, auch Gehbehinderte mit Rollator und selbst Eltern, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind, haben zuweilen ihre liebe Not, dahin zu kommen, wohin sie wollen.

Geht es nach dem Willen der Kreisbehörde, wird sich das bald ändern. Nach der Sommerpause werden Betroffene die App von Wheelmap für den Kreis Böblingen bearbeiten. In dem weltweiten Internetportal sind bereits seit fünf Jahren Behörden, Geschäfte, Gaststätten und öffentliche Veranstaltungsorte erfasst. Gehbehinderte und Rollifahrer erfahren dort, welche Hindernisse sie erwarten und ob sie ohne Weiteres einen Zugang finden.

Behinderte überprüfen die Barrierefreiheit

In einem ersten, praktischen Schritt erkunden für den Kreis Böblingen Schüler des Berufsschulzentrums in Leonberg mit behinderten Menschen die Umgebung, untersuchen verschiedene Orte und bewerten sie nach einem Ampelsystem. „Rot heißt, da komme ich nicht hinein“, erläutert Reinhard Hackl, der im Sozialdezernat des Landratsamts tätig ist und das Projekt plant. Grün bedeutet freie Fahrt, Gelb lediglich eine bedingte Zugänglichkeit. Eine Lehrkraft soll als Wheelmap-Botschafter die Aktion begleiten.

Als Nutzer der App von Wheelmap sollen Behinderte künftig überprüfen können, inwieweit ein Ort barrierefrei ist. Und mehr noch: die Betroffenen können auch selbst die Hindernisse markieren, nach einem Ampelsystem bewerten und Fotos ins Netz stellen. Sie benötigen dafür allerdings ein Smartphone oder ein entsprechendes Tablet.

Internetgruppen unterstützen das Projekt

„Wir haben zum Thema Barrierefreiheit schon Flyer gemacht“, sagt Hackl. Im Internetzeitalter sei die Papierform aber „nicht mehr das Gelbe vom Ei“, fügt der Geschäftsführer des Teilhabe-Beirats an. Das Gremium ist beim Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistages angesiedelt. „Der Beirat hat sich dafür ausgesprochen, Wheelmap auch im Kreis zu nutzen“, so Hackl. Die zehn Mitglieder des Beirats kommen aus Werkstätten, Wohnheimen und Sonderschulen für behinderte Menschen. Auch behinderte Senioren und eine Fürsprecherin für mehrfach Schwerstbehinderte sind darin vertreten.

Eingebunden ist darüber hinaus der Kreisseniorenrat, dessen Vorsitzender Manfred Koebler sagt: „Der Bedarf an Informationen ist riesengroß. Viele Behinderte trauen sich nicht, ein Ziel anzusteuern, weil sie nicht wissen, ob sie es erreichen.“ In den 26 Kreiskommunen haben sich 18 PC- und Internetgruppen mit Senioren gebildet, die bei dem Wheelmap-Vorhaben mit Rat und Tat mitwirken wollen: „Die Ehrenamtlichen erläutern jedem Interessierten, wie das funktioniert.“

Der Kreis plant mit einem Aufwand von 20 000 Euro

Für das auf 18 Monate angelegte Projekt wird die Kreisbehörde eine Servicekraft in Teilzeit beschäftigen, die bei der Organisation mithilft und Koordinationsaufgaben übernimmt. Reinhard Hackl wird während dieser Zeit mit 30 Prozent seiner Arbeitszeit für die weitere Planung zuständig sein. Zusammen mit den Werbemitteln und Reisekosten kalkuliert der Kreis mit Gesamtausgaben von 110 000 Euro. Weil Hackl ohnehin auf der Gehaltsliste des Landratsamtes steht und die Behörde ihn für die Aufgabe abstellt, zudem Geld von Sponsoren und eine Landesförderung erwartet werden, rechnet der Kreis mit einem Projektaufwand von 20 000 Euro.

Die Ehrenamtlichen und Schüler wollen mit sozialen Einrichtungen wie etwa Seniorenheimen und mit örtlichen Sanitätshäusern zusammenarbeiten, die Rollstühle für Erkundungsfahrten ausleihen. „Wir wollen im Oktober durchstarten“, sagt Hackl. Bei dem Vorhaben, unzugängliche Orte aufzuzeigen, wolle man niemanden „an den Pranger stellen“. Bei manchen Geschäften etwa seien nun einmal Treppen vorhanden: „Wenn das Gebäude denkmalgeschützt ist, ist nicht viel zu machen.“ Für andere Gewerbetreibende, Behörden oder Veranstalter dagegen sei der Aufwand bisweilen eher gering, einen barrierefreien Zugang zu schaffen.