Büchereien im Stuttgarter Norden Im Bücherparadies gibt’s keine Sommerpause

Von Thomas Siurkus 

Auch während der Urlaubszeit werden viele Medien ausgeliehen – zur Freude der Büchereileiterinnen. Besonders beliebt sind während des Sommers Reiseführer, hauptsächlich Regionale.

An heißen Tagen ist nicht nur die Bücherei in Freiberg wie ausgestorben. Foto: Thomas Siurkus
An heißen Tagen ist nicht nur die Bücherei in Freiberg wie ausgestorben.Foto: Thomas Siurkus

Die Büchereien kennen keine Sommerpause. Seit mehreren Jahren haben alle Zweigstellen der Stadtbibliothek Stuttgart auch im Sommer geöffnet. Das ist auch gut so, sagt zumindest Gisela Knäpple, Leiterin der Weilimdorfer Bücherei. Sie war mit der früheren Regelung nicht zufrieden, die Türen in Sommer für einige Zeit geschlossen zu halten: „Früher gab es einen wahrhaftigen Ansturm, bevor wir in die Sommerpause gingen. Das war schlimm und stressig.“ Seitdem durchgehend geöffnet sei, habe sich der Ansturm gelegt. „Jetzt verteilt sich das alles auf die Ferienzeit.“

Bei schönem Wetter geringere Besucherzahlen

Besonders gefragt sind während des Sommers vor allem Reiseführer: „Die sind bereits vor den Ferien unglaublich beliebt. Regionale Reiseführer sind ein großer Renner, denn es bleiben auch viele Menschen zu Hause, und die interessieren sich für Tagesausflüge im Ländle.“ Schulbücher würden hingegen eher selten nachgefragt. Das gilt nicht nur für Weilimdorf. Wenn keine Schule ist, gibt es auch keine Lerngruppen, die sich üblicherweise während des Schuljahres nachmittags in der Bücherei treffen. Das verschafft Gisela Knäpple Zeit und Ruhe, und sie kann sich Aufgaben widmen, „die sonst zu kurz kommen: etwa Umräumarbeiten oder eine Bestandsrevision.“ Von einer Leserflaute könne auf keinen Fall die Rede sein. „Wir haben vielleicht gefühlt zehn Prozent weniger Besucher.“

Da ist der Rückgang in Stammheim schon deutlich spürbarer. „Wir haben in den Sommermonaten ungefähr 25 Prozent weniger Ausleihen“, sagt die Leiterin der Einrichtung an der Kornwestheimer Straße, Pia Fielbrandt. Deshalb organisiert die Bücherei in der Ferienzeit auch keine Veranstaltungen mehr für Kinder wie zum Beispiel Theatervorstellungen oder Bilderbuchshows. „Der Zuspruch für solche Veranstaltungen sank immer weiter“, bedauert die Bibliothekarin. Die Bücherei hat in den Sommerferien eingeschränkte Öffnungszeiten, weil auch Mitarbeiter im Urlaub sind. Anders als größere Büchereien wie in Weilimdorf oder Feuerbach können kleinere wie die Stammheimer Bücherei den Personalmangel im Sommer nur über die Öffnungszeiten abfangen. Die Gründe für die geringeren Besucherzahlen lägen nach Fielbrandts Ansicht in den eingeschränkten Öffnungszeiten und am Sonnenschein: „Bei schönem Wetter geht man lieber ins Schwimmbad als in die Bücherei.“

Dem kann ihre Kollegin aus Zuffenhausen, Inge Westermayer nur beipflichten. „An heißen Tagen waren wir so ziemlich die einzigen, die sich in der Bücherei aufhielten.“ Dennoch ist die Nachfrage an Medien ungebrochen: Im Juli wurden 17 000 Medien ausgeliehen, und die Veranstaltungen für Jung und Alt werden gut besucht. Die Bücherei in Zuffenhausen besitzt ein Lernstudio mit 14 Computern und bietet während der Ferien Veranstaltungen an, bei denen die Grundlagen im Umgang mit dem PC erklärt werden. Außerdem stellt sie an noch zwei Terminen in den Sommerferien E-book Reader und das hauseigene „Onleihe“-System vor. Für Kinder werden eigene Veranstaltungen organisiert: Sie werden unter anderem zum gemeinsamen Spielen mit der Wii Konsole eingeladen.

Feuerbacher Bücherei bietet buntes Programm

In den anderen Büchereien im Stuttgarter Norden sind Veranstaltungen in den Sommerferien eher Mangelware. „Früher haben wir so etwas gemacht“, sagt die Leiterin der Kinderbibliothek in Freiberg, Birgitt Schrode. „Nun veranstalten wir fast nur Termine für Kindergärten oder Schulen. Die meisten öffentlichen Veranstaltungen setzen in den Sommerferien aus.“ Die Freiberger Bücherei hat auch in den Sommerferien trotz eingeschränkter Öffnungszeiten konstante Besucherzahlen. „Wenn, dann handelt es sich um einen minimalen Abfall.“

Dass es auch aufwärts mit den Besucherzahlen im Sommer gehen kann, beweist die Stadtteilbücherei in Feuerbach. „Die Besucheranzahl ist auch im Sommer stabil, und die Tendenz ist eher steigend“, sagt die Leiterin der Feuerbacher Zweigstelle, Ruth Walter-Santura. Zum besonderen Angebot in der Bücherei im Burgenlandzentrum zählt der eigene, neumöblierte Lesegarten. Dieser lädt zum entspannten Lesen bei einer Tasse Kaffee ein. Viele Besucher nutzen den Garten und leihen sich bei dieser Gelegenheit auch einige Medien aus: Hörbücher, CDs und DVDs sind sehr beliebt. „Jugendliche tauschen ihre Schulbücher gegen einen Jugendroman oder ein Brettspiel ein“, sagt Ruth Walter-Santura. Wer keine Lust hat, zu lesen, kann sich in der Feuerbacher Bücherei verschiedene Ausstellungen anschauen. Aktuell sind es Aquarelle der Künstlerin Sybille Sophie.

Die seit mehreren Jahren praktizierte Öffnung der Büchereien im Sommer wird von den Leiterinnen der Stadtteilbüchereien positiv bewertet – trotz unterschiedlicher Ausleihzahlen. „Ich finde es gut, dass die Stadtbibliothek den Lesern auch im Sommer ihren Service anbietet“ sagt die Leiterin der Weilimdorfer Bücherei Gisela Knäpple. Dieser Service komme bei den Lesern gut an – und nicht nur bei ihnen: In diesem Jahr wurde die Stuttgarter Bibliothek mit ihren 17 Stadtteilbibliotheken vom Bibliotheksverband zur Bibliothek des Jahres 2013 gekürt.

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