Bundesgartenschau 2023 In Mannheim ist die große Begeisterung dahin

Von Johanna Eberhardt 

Im Mannheimer Gemeinderat mehren sich die Zweifel an dem Projekt Bundesgartenschau 2023. Das Motto „Mannheim verbindet“ scheint dahin zu sein. Eine Klausurtagung am kommenden Samstag soll Klarheit schaffen.

Das Konversionsgelände der Spinelli-Barracks und die Feudenheimer Au – auf diesem Gelände soll die Bundesgartenschau 2023 geplant werden. Foto: dpa
Das Konversionsgelände der Spinelli-Barracks und die Feudenheimer Au – auf diesem Gelände soll die Bundesgartenschau 2023 geplant werden.Foto: dpa

Mannheim - Gut 1,5 Millionen Euro hat man in Mannheim in den vergangenen Jahren für die Planung und Vorbereitung einer Bundesgartenschau (Buga) im Jahr 2023 ausgegeben. Etwa die gleiche Summe steht bereit, um in den nächsten zwei Jahren das Projekt weiter voranzubringen und das Konzept für die Großveranstaltung im Detail auszuarbeiten. Sie soll der Stadt in sieben Jahren nicht nur bundesweite Publicity bescheren, sondern ihr zugleich zu einem großzügigen Landschaftspark auf Konversionsflächen der US-Truppen und zu städtebaulichen Entwicklungschancen verhelfen.

Das zentrale Anliegen ist die Schaffung eines neuen Grünzugs, in den die Buga eingebettet werden soll. Er soll im Luisenpark mitten in der Stadt beginnen und – entlang des Neckarkanals, über die Feudenheimer Au und das Gelände der Spinelli-Kaserne – auf insgesamt 230 Hektar Fläche bis in den Mannheimer Norden führen. Wenn man größere Pläne wie diesen in Angriff nimmt, greift man im Mannheimer Rathaus gern zu einem Motto.

Zum Start der Buga 2013 hat man die Parole ausgegeben „Mannheim verbindet“. Das ist bisher nicht mehr als ein frommer Wunsch geblieben. Über kaum ein Vorhaben haben sich die Mannheimer in den letzten Jahren so zerstritten wie über die Pläne für die Bundesgartenschau. Die CDU, deren Fraktion sich im Januar 2013 erklärtermaßen „an die Spitze der Bewegung“ gesetzt hatte, ist vom Zugpferd längst zum Zauderer geworden. Teile der Grünen haben das Projekt von Anfang an skeptisch betrachtet, Umweltverbände sprachen gar von einem „Kuckucksei der Garten- und Landschaftsindustrie“. Ein Bürgerentscheid, der Ende 2013 Klarheit bringen sollte, ist zwar zu Gunsten der Buga ausgegangen, doch die Kritik an dem Vorhaben ist danach nicht verstummt.

Die Lage ist verfahren, eine Straße wird nun nicht verlegt

Wie verfahren die Lage ist, hat sich endgültig gezeigt, als der Rat Ende November 2015 mit knapper Mehrheit die bis dahin in der Planung vorgesehene und im Gremium mehrheitlich akzeptierte Verlegung der Straße Am Aubuckel abgelehnt hat. Da standen SPD und Linke mit ihrer Zustimmung ziemlich alleine da. Die viel befahrene Nord-Süd-Verbindung verläuft am Rande der Feudenheimer Au und durchquert das Gelände des geplanten Grünzugs an einer prägnanten Stelle.

Die Buga-Planer hätten die anschließende Au – ein überwiegend als Ackerland und für die Naherholung genutztes Landschaftsschutzgebiet – und deren zu der Straße hin ansteigende Kante gern in die Schau einbezogen. Dagegen allerdings haben Umweltverbände, Kleingärtner und andere Kritiker von Anfang an massiv Front gemacht.

Der OB vermisst eine „gestaltende Mehrheit“

Unter dem Eindruck der Debatten hat im September 2015 die CDU offiziell von der Straßenverlegung „Abstand“ genommen und sich für eine Konzentration der Buga auf das angrenzende Konversionsgelände der Spinelli-Kaserne ausgesprochen; im November stimmten auch die Grünen dagegen. Seither wachsen bei vielen Befürwortern die Zweifel, ob es überhaupt noch eine ausreichende Mehrheit im Rat gibt. OB Peter Kurz (SPD) klagte, spürbar frustriert, im Gemeinderat gebe es offenbar „keine gestaltende Mehrheit mehr – sondern nur noch ein ablehnende“.

Deutlich optimistischer ist Michael Schnellbach, der Leiter der Bürgerdienste im Rathaus und Geschäftsführer der Mannheimer Bundesgartenschaugesellschaft. Er hat gerade beim Neujahrsempfang der Stadt Hunderten von Besuchern eine neue Broschüre zur „Buga 23 und Mannheims Grüner Zukunft“ überreicht. „Die Resonanz war durchweg gut“, sagt er. „Wir müssen jetzt eben damit leben und planen, dass die Straße bleibt.“

Wie das gehen soll, wollen Gemeinderäte und OB am kommenden Samstag mit den Planern des Bonner Büros RMP Lenzen, die den Wettbewerb für die Gestaltung des Grünzugs gewonnen haben, bei einer Klausurtagung „ausloten und filtrieren“. Für ihn gehe es darum herauszufinden, ob es im Rat noch eine ausreichend breite Zustimmung für eine sinnvolle Fortsetzung des Projekts gebe, sagte der OB.

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