Bundesgartenschau in Mannheim Mannheimer Wutbürger machen mobil gegen Buga 2023

Von dpa/lsw 

Mannheim ist gespalten: Buga ja oder nein? In der Vision der Befürworter bringt die Bundesgartenschau Impulse, von denen die Stadt noch lange danach profitiert. Die Gegner befürchten einen Schuldenberg und Umweltschäden - und machen auf der Straße mobil.

Eine Broschüre der Bürgerinitiative „Mannheim 23 - Keine Buga“. Foto: dpa
Eine Broschüre der Bürgerinitiative „Mannheim 23 - Keine Buga“. Foto: dpa

Mannheim - Einige schauen neugierig auf den Infostand, andere gehen einfach weiter, manche hören Ursel Risch aufmerksam zu. „Eine Bundesgartenschau würde Mannheim langfristig schaden“, sagt die Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Mannheim 23 - Keine BuGa 2023“. Jeden Montag protestieren die Mannheimer Wutbürger auf dem zentralen Paradeplatz und verteilen Info-Material. „Die Buga würde viel Geld verschleudern, das anderswo dringender gebraucht wird“, sagt Risch. Mannheim könne sich keine Bundesgartenschau leisten. Am 22. September, dem Tag der Bundestagswahl, können die Mannheimer für oder gegen das Projekt stimmen.

Proteste vor Bundesgartenschauen seien nichts Außergewöhnliches, sagt eine Sprecherin der Buga-Gesellschaft in Bonn. „In Mannheim wird es aber mehr und stärker diskutiert als in anderen Städten.“ Es sei eben ein großes Projekt. „Was es stadtentwicklungspolitisch mit sich bringt, das muss den Bürgern auch erklärt werden.“ Ihrer Erfahrung nach lösen Bundesgartenschauen ein Wir-Gefühl in den Städten aus und haben einen Nutzen, der weit über das Grün hinausgehe. „Koblenz hat nicht nur eine runderneuerte Stadt bekommen, sondern auch noch 13 Millionen Euro Überschuss aus den Einnahmen.“

Wenn Mannheims Konversionsbeauftragter Konrad Hummel über die Buga spricht, ist ihm seine Leidenschaft für die Sache anzumerken. „Die Aufregung ist eine Minderheiten-Aufregung“, meint er. „Die Generation 55 bis 60, die Vorruhestands-Generation, das sind die Skeptiker.“ Bei dem Bürgerentscheid setzt Hummel vor allem auf diejenigen, die ein Interesse an einer positiveren Außenwirkung der Stadt haben und Mannheims ästhetisches Image aufpolieren wollen, wie er es ausdrückt. Aber auch auf diejenigen, die 1975 die Buga in Mannheim als vollen Erfolg erlebt hätten. „Das war damals traumatisch positiv“, sagt er.

BuGa 2023 auf freiwerdenden US-Militärgelände

Buga-Gegnerin Risch runzelt die Stirn. Sie sei 67 und nicht begeistert gewesen von der damaligen Buga. „Ich bin ein Mensch, der Natur liebt, wie sie wächst, und nicht so künstlich angelegte Blumen und Parks.“ Den Plänen zufolge soll die Mannheimer Bundesgartenschau 2023 unter anderem auf einem freiwerdenden US-Militärgelände angesiedelt sein. Einbezogen werden soll auch eine Teilfläche eines trockenlegten Neckar-Flussgebietes: Die Feudenheimer Au ist ein Landschaftsschutzgebiet. Neben der Frage der Finanzierung führt vor allem der Umgang mit der Au zum Streit.

Risch sieht in den Plänen keine ökologische Aufwertung, sondern „die Zerstörung eines vorhandenen Biotops“. „Das kann man nicht wieder so hinmachen, wie es war.“ Hummel argumentiert, die Au sei ein normales Ackergebiet. „Der Landschaftsschutz verbietet keinerlei Veränderungen.“ Die geplante Begrünung des Kasernengeländes wäre Rischs Ansicht nach wesentlich kostengünstiger möglich - „und nicht über den Umweg einer Buga“.

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) versucht, die Ängste mancher Bürger aus der Welt zu räumen und unterstreicht die Impulse für die Stadt. „Eine Buga ist immer auch ein großes Stadtentwicklungsprojekt“, sagt er. Die Stadt rechnet mit Investitionen von rund 105 Millionen Euro in die städtischen Strukturen, hinzu kämen noch einmal mehr als 40 Millionen Euro für die Durchführung der Buga selbst.

Skepsis durch Großprojekten wie Stuttgart 21

Trotz der Kosten sei es ökonomischer, eine Buga zu haben als darauf zu verzichten, sagt Kurz. Die Schau biete für alle Beteiligten einen besonderen Anlass, sich ganz besonders anzustrengen. „Man kann nicht sagen: Wir machen das alles genauso ohne Buga - es geht nicht genauso.“ Die Skepsis einiger Mannheimer führt er auch auf eine allgemeine Skepsis gegenüber Großprojekten wie Stuttgart 21 zurück. Dabei sei die Buga eigentlich gar kein Großprojekt, sondern ein Zusammenspiel verschiedener landschaftsgestaltender Maßnahmen. Am Ende stehe eine Verbesserung der Lebensqualität für die Mannheimer.

Kurz zeigt sich selbstbewusst: „Es ist nicht schwer, die Leute zu überzeugen, aber es gibt eine Anfangsskepsis.“ Doch auch Buga-Gegnerin Risch ist siegessicher: „Die Chancen stehen gut, dass sich die Mannheimer gegen die Buga entscheiden.“