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Bundesligist Schalke 04 Jens Keller soll es richten

Andreas Morbach, 17.12.2012 13:37 Uhr

Gelsenkirchen - Mit den richtigen Laufwegen in der Schalker Arena hatte Jens Keller am frühen Sonntagnachmittag noch seine Probleme. „Wo geht’s jetzt lang?“, erkundigte sich der gebürtige Stuttgarter, nachdem er seine Vorstellung als neuer Cheftrainer des Revierclubs hinter sich hatte. Dann verschwand der 42-Jährige mit dem Pressesprecher Thomas Spiegel in einen unbeleuchteten Seitengang – mit dem klaren Auftrag, zügig Licht ins tiefe S04-Dunkel zu bekommen.

Erkennbar miese Stimmung herrschte bei den königsblauen Kickern und ihrem nun beurlaubten Übungsleiter Huub Stevens schon seit einigen Wochen. Das 1:3 am Samstag gegen Freiburg löste bei den Verantwortlichen dann aber echte Panik aus. Da genügten allein die nackten Zahlen, die Horst Heldt über Nacht noch mal rasch überschlagen hatte.

„Aus den letzten acht Spielen haben wir von 24 möglichen Punkten leider Gottes nur fünf geholt, sind in der Liga komplett hinter unseren Erwartungen zurück. Wir mussten eine Veränderung vornehmen“, erläuterte der S04-Manager den Entschluss, den Trainer mit warmen Worten in die niederländische Heimat zu verabschieden. Schließlich steht morgen noch eine wichtige Pokalpartie an, zu der Heldt meinte: „Wir haben nicht mehr daran geglaubt, dass wir das Spiel gegen Mainz in dieser Konstellation noch bewerkstelligt bekommen.“

Nach der Pleite gegen Freiburg hatte sich Heldt, der am Sonntag einen ungewohnt fahrigen Eindruck machte, mit seinen Vorstandskollegen Peter Peters und Alexander Jobst sowie dem Aufsichtsratschef Clemens Tönnies besprochen. Am späten Abend rief er dann bei Jens Keller an. „Ich habe spontan zugesagt. In erster Linie geht es darum, dass ich dem Verein helfe“, sagte der frisch beförderte Coach der Schalker U 17 ordnungsgemäß und bewies mit Blick auf das Pokalduell gegen Mainz gleich viel Realitätssinn. „Bei den Trainingsinhalten kann man in der kurzen Zeit nichts verändern, das Psychologische wird jetzt eine besondere Rolle spielen“, sagte Keller, der fürs Erste bis zum Saisonende den Cheftrainer bei S04 geben soll.

„Eine klare Hierarchie“

Psychologisch hochinteressant war, wie das Schalker Stevens-Zeitalter auslief. Nach dem Freiburg-Spiel behauptete der 59-jährige Holländer noch steif und fest, zwischen ihm und den Spielern gebe es keinerlei Entfremdungstendenzen. Der Manager Heldt dagegen berichtete tags darauf, nachdem er dem Coach seinen Rauswurf unterbreitet hatte: „Wir sind im Guten auseinandergegangen – mit der Entscheidung, dass jetzt der richtige Moment für diesen Entschluss ist.“

Zu dem gehörte auch die Beurlaubung des Assistenten Markus Gisdol – einem ambitionierten Mann, dessen offenkundiger Ehrgeiz, es auf Schalke auch mal zum Chef zu bringen, mit den Ambitionen des Jens Keller nicht unter einen Hut zu bringen war. Schon in den zwei kurzen Monaten als Cheftrainer des VfB Stuttgart war der frühere, von sich selbst eingenommene Verteidiger mit seiner Art oft angeeckt. Horst Heldt erklärte: „Wir wollten mit der Benennung von Jens Keller eine klare Hierarchie haben. Das wäre mit Markus Gisdol nicht möglich gewesen.“

Weniger auskunftsfreudig war der Manager in einer anderen Frage. Der S04-Boss Tönnies deutete am Sonntag in einem Interview an, dass es beim 0:2 am 17. November in Leverkusen, als Stevens die Spieler Jefferson Farfán und Lewis Holtby nach ihren Auswechslungen wutentbrannt von der Ersatzbank in die Kabine geschickt hatte, zum Bruch zwischen Trainer und Mannschaft gekommen sei. „Dazu möchte ich nichts sagen“, erklärte Heldt und erläuterte anschließend mit wackligen Worten sein Schweigen: „Ich möchte nach außen den Anschein geben, was für positive Arbeit Huub Stevens hier geleistet hat.“